Kinder- und Jugendpsychiatrie: Zu wenige Therapieeinrichtungen
Wien (APA) - In Österreich gibt es zu wenige Therapieeinrichtungen im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie, speziell im ländlichen Raum...
Wien (APA) - In Österreich gibt es zu wenige Therapieeinrichtungen im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie, speziell im ländlichen Raum. Im Bereich der stationären Versorgung gibt es erst rund die Hälfte der österreichweit notwendigen rund 850 Plätze, kritisierte die Österreichische Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (ÖGKJP) in einer Aussendung am Donnerstag.
Die Kinder- und Jugendpsychiater fordern insbesondere vor dem Hintergrund des Falls einer 37-Jährigen, die in einem Wiener Krankenhaus ihr Baby erstickt haben soll, nachdem sie vom Missbrauch an ihrer vierjährigen Tochter durch den Großvater erfahren hat, mehr Sensibilisierung für das Thema „Sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen“. Die 37-Jährige befindet sich in einer geschlossenen psychiatrischen Anstalt, der tatverdächtige Mann, ein ehemaliger hochrangiger Diplomat, sitzt in Untersuchungshaft.
Laut ÖGKJP werden jedes Jahr mehr als 10.000 Kinder sexuell missbraucht, die Dunkelziffer soll noch höher sein. Der Mangel an kinder- und jugendpsychiatrischer Versorgung trifft auch jene Patienten, die sexuell missbraucht worden sind. So kommt es oftmals zu stationären Aufnahmen an pädiatrischen oder auch erwachsenenpsychiatrischen Einrichtungen, was die notwendige kinder- und jugendpsychiatrische Diagnostik und Therapie verzögert, verlängert bzw. verhindert, kritisierte die ÖGKJP. Zudem gebe es im Bereich der Prävention von sexuellem Missbrauch durch potenzielle Täter zu wenig Anlaufstellen und Angebote, hieß es in der Aussendung.