Hendeles, Nicolai, Friedl und die Entfremdung: Kunsthalle Wien 2018
Wien (APA) - Die Kunsthalle Wien wird sich 2018 einer „deutlichen Sprache der politischen und kulturpolitischen Positionierung“ bedienen, be...
Wien (APA) - Die Kunsthalle Wien wird sich 2018 einer „deutlichen Sprache der politischen und kulturpolitischen Positionierung“ bedienen, betonte deren Leiter Nicolaus Schafhausen heute, Donnerstag, bei der Jahrespressekonferenz. Artikulieren werden diese Sprache vor allem Einzelkünstler wie Guy Mees, Ydessa Hendeles, Olaf Nicolai oder Peter Friedl. Die einzige Gruppenschau widmet sich der „Entfremdung“.
Das gerade begonnene Jahr mit seinen zahlreichen Gedenktagen erinnere an „dunkle Kapitel“ und „wichtige Umbrüche“ und obwohl „wir keine Institution sind, die nach hinten schaut“, komme man nicht umhin anzuerkennen, dass das Programm von diesem „Revisiting“ der Vergangenheit „überlagert wird“, so Schafhausen. Besonders offenbar wird dies in der am 28. Februar eröffnenden Retrospektive „Death to Pigs“ der kanadischen Künstlerin und Sammlerin Ydessa Hendeles, deren Werk eng mit ihrer Biografie als Tochter von Holocaust-Überlebenden verbunden ist.
Bereits am 1. Februar beginnt die Personale zum belgischen „Artist‘s Artist“ Guy Mees, einer prägenden Figur der Antwerpener Kunstszene von den 1960er bis 1990er Jahren - „Das Wetter ist ruhig, kühl und mild“ so der Titel. Wenn es draußen heiß wird, gehört die halle 2 allerdings einem ganz anderen Publikum: Um den Stellenwert der Vermittlungsarbeit am Haus zu betonen - diese wird künftig auch vom neu gegründeten Freundesverein „Abteilung Adler“ exklusiv gefördert - wird mit „Space 4 Kids: WeltTraumStadt“ erstmals eine prototypische „Ausstellung, Atelier, Spielplatz, Labor“ für Kinder kreiert. Im Zentrum soll in dieser ersten Ausgabe der erweiterte Skulpturenbegriff stehen.
Einen eigenwilligen Skulpturenbegriff können die jungen Besucher jedenfalls im Obergeschoß bestaunen: Ab 13. Juli ist da eine umfangreiche Einzelschau zu Olaf Nicolai zu sehen. Der in Wien schon oft präsente deutsche Künstler hinterfrage mit seinen interdisziplinären und prozesshaften Arbeiten „andauernd unsere Art, Realität wahrzunehmen“, so Kurator Luca Lo Pinto. Das Schlusslicht in der Reihe der Personalen bildet schließlich einer der „international erfolgreichsten österreichischen Künstler, der hier völlig unterrerepräsentiert ist“, wie Kuratorin Anne Faucheret die am 14. Dezember startende Schau zu Peter Friedl ankündigte. Friedl, erst im Vorjahr erneut Teilnehmer an der documenta, wird keine Retrospektive zeigen, sondern sich auf wenige, wiederkehrende Themen konzentrieren.
Die einzige Gruppenschau des Kunsthallenjahres trägt den Titel „Antarktika“ und behandelt ab 25. Oktober das Thema Entfremdung. Nicolaus Schafhausen und Dramaturgin Vanessa Joan Müller kehren damit zu Theodor Adorno und dem „Gedankenkosmos der Frankfurter Schule“ zurück, um anhand der althergebrachten Metapher der Kälte und anhand der neuen Bedingungen des Selbstoptimierungs-“Kapitalismus 2.0“ einen aktuellen Blick auf Entfremdung als gesellschaftliches, aber auch künstlerisches Phänomen zu werfen. Am Karlsplatz stehen mit Einzelschauen zur Neuseeländerin Kate Newby (ab 16. Mai) und zu dem bereits aus Gruppenausstellungen der Kunsthalle bekannten französischen Künstler Saadane Afif (ab 19. September) konzentrierte Auseinandersetzungen mit jungen, internationalen Positionen an.
(S E R V I C E - www.kunsthallewien.at)