Österreichs Lebensmittel weltweit gefragt wie nie
Seit dem EU-Beitritt haben sich die Lebensmittelausfuhren verzehnfacht. Neben Red Bull verleiht österreichischer Käse dem Export Flügel.
Aus Berlin: Stefan Eckerieder
Berlin, Wien –Die Preiskrise bei Lebensmitteln scheint ebenso vorüber zu sein wie die Wirtschaftskrise. Das lässt zumindest die Bilanz der heimischen Agrar- und Lebensmittelexporte im Jahr 2017 vermuten. Im vergangenen Jahr stieg der Wert der ausgeführten Agrarprodukte um 6,9 Prozent auf 11,1 Milliarden Euro, zeigen Zahlen der AgrarMarkt Austria (AMA), die gestern anlässlich der Internationalen Grünen Woche (IGW) in Berlin präsentiert wurden.
„2017 charakterisiert in der langjährigen konstanten Entwicklung, dass es das beste Jahr seit Langem war“, sagte AMA-Geschäftsführer Michael Blass. Auch die Menge der Agrarexporte war im Jahr 2017 mit 9,6 Millionen Tonnen um 3,1 Prozent höher als im Jahr davor.
Wichtigster Abnehmer der heimischen Lebensmittel war erneut Deutschland, wo mehr als ein Drittel (35 Prozent) der Agrarexporte abgesetzt wurden. „Deutschland bleibt die Lokomotive“, sagt Blass. An zweiter Stelle kommt Italien, das erstmals seit Jahren die Lebensmittelimporte aus Österreich wieder um 5,4 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro erhöht hat. Bereits an dritter Stelle folgen die Vereinigten Staaten, die heimische Lebensmittel im Wert von rund 860.000 Euro +14,8 Prozent) importierten. Doch gerade die USA sind ein gutes Beispiel dafür, dass die Lebensmittelexporte Österreichs nicht nur aus Wurst, Käse oder Obst vom Bauernhof nebenan bestehen. Rund 90 Prozent der Nahrungsmittel, die Österreich in die USA exportieren, sind Getränke – zum überwiegenden Teil der Energydrink Red Bull.
Auch insgesamt nehmen alkoholfreie Getränke mit 17,6 Prozent den größten Anteil an den weltweiten Lebensmittelexporten Österreichs ein, dahinter folgen Fleischwaren (14,4 Prozent) und Milchprodukte (10,8 Prozent).
Österreichische Lebensmittel genießen weltweit einen sehr guten Ruf und gelten vor allem als qualitativ hochwertig, betont Blass. Das zeige sich unter anderem an den deutlich gestiegenen Käseexporten. Österreich liegt etwa in Deutschland bei den Importländern für Käse auf Rang vier, noch vor Italien und der Schweiz.
Dennoch gebe es laut Blass noch Luft nach oben. Mit Lebensmitteleinfuhren nach Österreich im Wert von zwölf Milliarden Euro ist die Außenhandelsbilanz mit rund einer halben Milliarde Euro negativ. „Wir wollen Hersteller stärker als in der Vergangenheit motivieren, Produkte mit geschütztem Ursprung zu produzieren“, sagte der AMA-Chef. Dann könne man auch höhere Preise für die Produkte erzielen.