Milchpreishoch - Köstinger erwartet Preisrückgang im Frühjahr
Wien (APA) - Nach der Milchpreiskrise in den Jahren 2015 und 2016 und Marktinterventionen der EU erhalten die Milchbauern aktuell wieder rel...
Wien (APA) - Nach der Milchpreiskrise in den Jahren 2015 und 2016 und Marktinterventionen der EU erhalten die Milchbauern aktuell wieder relativ hohe Preise. Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) rechnet nun aber mit einem Rückgang des Milchpreises im Frühjahr. Eine Situation wie 2015 und 2016 werde es aber nicht geben, sagte Köstinger am Donnerstag vor Journalisten in Wien.
Der Erzeugermilchpreis ist seit Herbst 2016 wieder in die Höhe geschossen. Für Milch aller Qualitäten exkl. Umsatzsteuer erhielten die Bauern im Jahresschnitt 2016 rund 31 Cent/kg, nach 34 Cent im Jahr 2015 und 40 Cent im Jahr 2014. Am Höhepunkt der Milchpreiskrise im Juli 2016 lag der konventionelle Milchpreis ohne Heumilchzuschlag bei 27 Cent. Mehr als ein Jahr später im November 2017 waren es laut A schon wieder 39 Cent. Für konventionelle Milch mit Heumilchzuschlag lag der Preis bei rund 43,7 Cent/kg, Biomilch ohne Heumilchzuschlag (50,5 Cent) und Biomilch mit Heumilchzuschlag (55,3 Cent). Bei der Heumilch-Haltung erhalten die Kühe nur Frischgras sowie Heu und keine vergorene Futtermittel (Silage).
Die heimischen Bauern haben beim Milchpreis im vergangenen Jahrzehnt eine Berg- und Talfahrt erlebt. Vor der ersten Milchkrise erhielt ein Landwirt im Jahr 2008 noch einen Rekordpreis von 40 Cent/kg für konventionell erzeugte Milch, dann stürzte der Preis aber bis Juli 2009 auf 25 Cent ab, ehe er sich bis zum Jahr 2014 wieder auf 40 Cent erholte. Dann setzte der Milchpreis im Jahr 2015 und 2016 wieder zum Sinkflug an und stieg im Jahr 2017 kräftig an. Zu wenig Milch und eine Milchfettknappheit ließ im Jahr 2017 den Butterpreis in die Höhe schießen.
Köstinger will auf nationaler Ebene die Milchgipfel ihres Ministervorgängers Andrä Rupprechter (ÖVP) fortsetzen. Beim sogenannten „Milchdialog“ diskutierten Vertreter der politischen Parteien und Bauern, Sozialpartner, Milchverarbeiter und Lebensmittelhändler sowie Experten im Juni 2016 in Wien und im März 2017 in Salzburg zahlreiche Maßnahmen für die Milchwirtschaft. Der Wechsel vom Billigst- zum Bestbieterprinzip bei der Beschaffung im öffentlichen Bereich werde der Agrarbranche - unter anderem dem Milchsektor - einen positiven Impuls geben, erwartet die Landwirtschaftsministerin. Auch bei der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) für die Jahre nach 2020 müssten Entlastungsmechanismen für den Milchsektor fix verankert werden, fordert die Landwirtschaftsministerin.
Die Themen Überproduktion, Knappheit und Preisschwankungen werden die heimischen Agrarvertreter bei der vom Ökosozialen Forum organisierte Wintertagung vom 29. Jänner bis 2. Februar in Wien und in anderen Bundesländern beschäftigen. Die Tagung gilt in Österreich als wichtiges Forum für agrarpolitische Debatten. Eingeladen sind heuer 185 Experten, darunter 30 Agrarvertreter aus anderen EU-Ländern. Heuer steht die Konferenz unter dem Thema „Von Milchseen zur Butterknappheit. Was kommt als Nächstes?“ Der Präsident des Ökosozialen Forums Österreich und niederösterreichische Landeshauptfrau-Stellvertreter, Stephan Pernkopf, verwies bei der Präsentation des Tagungsprogramms am Donnerstag darauf, dass man in der Landwirtschaft nicht so leicht „den Ein- und Aus-Knopf drücken“ könne. Wegen des Milchpreisverfalls 2015/16 hätten sich zahlreiche Bauern aus der Milchproduktion zurückgezogen und 2017 habe es dann wieder deutlich höhere Milchpreise und zu wenig Butter gegeben. „So rasch kann es gehen“, so Pernkopf.
( 0083-18, 88 x 102 mm)