Präsidentenwahl in Tschechien: Plakatkampagne greift Drahos an
Prag (APA) - Der Präsidentschaftswahlkampf in Tschechien spitzt sich vor der Stichwahl zu. Am Donnerstag erschienen Einschaltungen in Zeitun...
Prag (APA) - Der Präsidentschaftswahlkampf in Tschechien spitzt sich vor der Stichwahl zu. Am Donnerstag erschienen Einschaltungen in Zeitungen sowie Plakate, auf denen Jiri Drahos, der Herausforderer des amtierenden Staatschefs Milos Zeman, wegen seiner Haltung in der Flüchtlingskrise angegriffen wird.
„Stopp für Immigranten und Drahos. Das ist unser Land! Wählt Zeman!“, ist auf dem Plakat zu lesen, das vom „Verband der Freunde von Milos Zeman“ in Auftrag gegeben wurde. Drahos reagierte mit den Worten, er habe „derartige Lügen und Desinformationen erwartet“. Es handle sich um eine „Verleumdung“, so der Präsidentschaftskandidat.
Von offizieller Seite hieß es, die Präsidentschaftskanzlei sei über die Kampagne nicht informiert gewesen. Zemans Sprecher Jiri Ovcacek sagte, er habe nur gewusst, dass eine von Unterstützern Zemans vorbereitete Plakat-Kampagne in der nächsten Zeit beginnen sollte. Die Einzelheiten kenne er nicht.
Die Flüchtlingskrise ist eines der größten Themen bei der Präsidentenwahl. Sowohl Zeman als auch Drahos lehnen die von der EU vorgeschlagenen Flüchtlingsquoten ab. Kritiker Drahos‘ verweisen jedoch auf einen offenen Brief an tschechische Politiker und Medien, in dem tschechische Wissenschafter 2015 eine „entgegenkommende“ Politik gegenüber Flüchtlingen gefordert hatten. Drahos hatte den Brief damals als Vorsitzender der Akademie der Wissenschaften ebenfalls unterzeichnet, weshalb ihm Kritiker nun eine „zweckdienliche Änderung“ seiner Haltung vorwerfen.
Drahos ist in der Flüchtlingskrise Brüssel gegenüber kompromissbereiter eingestellt als Zeman. Die Migrationskrise könne man nicht mit Stacheldraht um Europa oder Quoten lösen, sondern dort, wo die Krise entstanden sei - in den Herkunftsländern, sagte er. Die Aufnahme von 2.600 überprüften Flüchtlingen in Tschechien sollte aber „kein Problem sein“. Da viele Migranten aus ökonomischen Gründen nach Europa kämen, müsse man sich „einfach darauf einstellen, dass eine vernünftige Lösung viel Geld kosten wird“, meinte er.
Zeman vertritt seit langem eine harte Position gegenüber Immigranten. „Niemand hat sie hierher eingeladen“, hatte der Staatschef erklärt, der auch für seine islamfeindliche Haltung bekannt ist.