Tschetschenen-Chef Kadyrow will keine Menschenrechtler dulden

Grosny (APA/dpa) - Der autoritäre tschetschenische Republikchef Ramsan Kadyrow will laut Medienberichten keine Arbeit von Menschenrechtlern ...

Grosny (APA/dpa) - Der autoritäre tschetschenische Republikchef Ramsan Kadyrow will laut Medienberichten keine Arbeit von Menschenrechtlern in seiner Heimat dulden. Solche Aktivisten hätten „keine Familie, keine Nation, keine Religion“, sagte Kadyrow im Fernsehen seiner russischen Teilrepublik im Nordkaukasus.

Er rechtfertigte die Verhaftung des Menschenrechtlers Ojub Titijew von der angesehenen Organisation Memorial und nannte ihn drogenabhängig, wie das Internetportal Kavkazr.com am Donnerstag berichtete. „Mich wundert, dass jemand, der sich für einen Tschetschenen hält, überhaupt mit ihnen (den Menschenrechtlern) zusammenarbeitet“, sagte Kadyrow diesen Angaben nach. Der 41-Jährige führt in Tschetschenien eine Willkürherrschaft, in die Moskau ihm kaum hineinredet.

Titijew (60), Leiter des Memorial-Büros in der tschetschenischen Hauptstadt Grosny, war vergangene Woche wegen angeblichen Drogenbesitzes festgenommen worden. Memorial geht davon aus, dass die Behörden ihm Marihuana untergeschoben haben. Es gebe auch 60- oder 70-jährige Drogensüchtige, kommentierte Kadyrow: „Und die dürfen wir nicht verhaften? Natürlich dürfen wir das.“

Die Äußerungen stützen die Befürchtung von Memorial und anderen Menschenrechtsgruppen, dass sie aus dem Nordkaukasus verdrängt werden sollen. Am Mittwoch hatten Maskierte das Memorial-Büro in Inguschetien, der Nachbarrepublik von Tschetschenien, angezündet.