Alternative Milchbauern loben Mengenreduktionsprogramm der EU

Berlin (APA) - Milchseen und Butterknappheit sind nicht nur Thema beim heurigen Ökosozialen Forum in Österreich. Es handelt sich samt Preiss...

Berlin (APA) - Milchseen und Butterknappheit sind nicht nur Thema beim heurigen Ökosozialen Forum in Österreich. Es handelt sich samt Preisschwankungen um Gegebenheiten in der europäischen Milchwirtschaft der vergangenen Jahre - vor und nach dem Ende der EU-Milchquote. Um der Überproduktion nach dem Quotenende zuvorzukommen gab es ein EU-Mengenreduktionsprogramm, das das European Milk Board (EMB) analysiert hat.

EMB-Präsident Romuald Schaber sagte, dass das Mengen-Reduktionsprogramm im Gegensatz zu anderen EU-Maßnahmen am Milchmarkt gut war, aber bereits wieder „dunkle Wolken“ auftauchen würden. Es sei mit einer relativ geringen Reduktion der Liefermenge ein großer Preiseffekt erzielt worden - auch dank weiterer Schritte in den Nationalstaaten. Der Milchpreis für die Bauern stieg von 25,68 Cent je Liter (Juli 2016) auf 34,16 Cent (Juli 2017). Das Milchanliefervolumen sei um 2,02 Prozent gesunken. Zudem hätten sich die größten Produzenten wie etwa die Niederlande am stärksten beteiligt, wie Schaber im Rahmen einer Pressekonferenz bei der Grünen Woche in Berlin am Donnerstag vor internationalen Journalisten sagte. In Österreich gehört „A faire Milch“ der IG Milch zu dieser als alternativ geltenden Milchbauern-Vereinigung.

Das Reduktionsprogramm habe nur Gewinner gehabt: Wer reduziert hat, bekam Förderung und höhere Preise, wer nicht reduziert hat, höhere Preise, so Schaber. Kernelement für die Zukunft müsse weiterhin ein (geförderter) freiwilliger Lieferverzicht sein, fordert das EMB. Es müsse aber eingesetzt werden, bevor die Preise im Keller sind.

2015 und 2016 seien aber echte Krisenjahre gewesen. „Gute Situationen haben eine geringe Halbwertszeit. Fazit aller bisherigen Maßnahmen: Ein totaler Preisverfall wurde verhindert, aber ein Preisverfall wurde nicht verhindert - ein Debakel für die Milcherzeuger in ganz Europa.“

Das Mengenreduktionsprogramm habe schon vor der tatsächlichen Umsetzung für eine Preissteigerung gesorgt, so Schaber. „Zur positiven Preisentwicklung hat auch die Produktionszurückhaltung ab Mai/Juni 2016 beigetragen, weil den Leuten buchstäblich die Luft ausgegangen ist um die Produktion aufrecht zu erhalten. Die Schlachtzahlen stiegen an.“

Die Situation am Milchmarkt, sagte der italienische EMB-Vertreter Roberto Cavaliere Milch trinkend, sei 2016 „katastrophal“ gewesen. Die Milcherzeugungskosten seien in verschiedenen EU-Ländern (Beispiele waren Deutschland, Dänemark, Belgien, Frankreich und die Niederlande) um einem guten Viertel bis zu einem guten Drittel unterdeckt gewesen. Da 2017 auf die Menge geachtet wurde, hätten sich die Preise erhöht und stabilisiert. Es gab in einigen Ländern wie Österreich auch nationale Mengenreduktionsförderungen. Derzeit gingen aber die Butterpreise - nach einem extremen Hoch im Sommer 2017 - wieder stark zurück.

Heuer wird ein Produktionsanstieg von mehr als einem Prozent in der EU erwartet. Es gebe auch eine Problematik mit dem Milchpulver. Derzeit liegen die Lagerbestände der EU aufgrund von einer Intervention bei 380.000 Tonnen. „Eine außergewöhnliche und schlechte Sache für die Milchbauern“, so Cavaliere. „Und es werden noch Mengen dazukommen.“ Die Menge sei zu groß und es werde zu billig verkauft. Das Pulver müsse etwa durch die Verwendung als Futtermittel reduziert werden. Die Einlagerung sei nicht als Krisenmaßnahme geeignet, kritisierte Schaber diese EU-Maßnahme.