Skifliegen: Stoch-Trainer dämpft WM-Erwartungen - Olympia prioritär

Oberstdorf (APA) - Polens Cheftrainer Stefan Horngacher ist überzeugt, dass Tournee-Dominator Kamil Stoch sein Kulm-Tief überwunden hat und ...

Oberstdorf (APA) - Polens Cheftrainer Stefan Horngacher ist überzeugt, dass Tournee-Dominator Kamil Stoch sein Kulm-Tief überwunden hat und über die Skiflug-WM bis zu den Olympischen Spielen in Pyeongchang wieder sein höchstes Niveau erreichen wird. Stoch war nach seinem historischen Vierschanzen-Tournee-Grand-Slam am vergangenen Wochenende am Kulm als 21. ziemlich abgestürzt.

Bei den Skiflug-Titelkämpfen in Oberstdorf und danach erwartet sich Horngacher von seinem Musterschüler aber wieder viel mehr. „Er wird nach wie vor auf hohem Niveau springen, da habe ich keine Bedenken“, betonte Horngacher. In der Favoritenrolle sieht er den Doppelolympiasieger beim Skifliegen aber nicht. „Ich denke, dass er sicher wieder normal springen wird. Das heißt nicht unbedingt gewinnen. Ich möchte, dass er wieder technisch sauber springt. Skifliegen ist wieder etwas anderes, er ist da normal auch gut, aber es gibt ein paar Spezialisten.“

Stoch hat 2011 in Planica und im Vorjahr in Vikersund zwar schon Weltcup-Fliegen gewonnen, gilt aber nicht als ausgewiesener Flugexperte. Vom Titel träumt der in seiner Heimat wie einst Adam Malysz verehrte Stoch aber dennoch. „Ich weiß genau, dass er unbedingt Skiflugweltmeister werden will, das ist der einzige Titel, der ihm noch fehlt. Ich glaube aber, dass es ganz, ganz schwer wird. Er muss wieder ins Fahrwasser der Vierschanzentournee kommen“, sagte Horngacher zur APA - Austria Presse Agentur.

Mit Skiflug-WM-Gold würde Stoch mit dem legendären Finnen Matti Nykänen gleichziehen, der als bisher einziger Springer alle fünf großen Titel geholt hat. Siege bei der WM (2013), Olympia (2 x 2014) und der Vierschanzentournee (2016/17, 2017/18) sowie den Gewinn des Gesamtweltcups (2013/14) hat auch Stoch schon geschafft.

Horngacher mahnte aber, dass man neben dem Skifliegen auch die anderen Prioritäten Weltcup und Olympia nicht aus den Augen verlieren dürfe. Schließlich führt Stoch im Gesamtweltcup und hat im Februar in Südkorea zwei Olympiatitel zu verteidigen. Darauf sei in dieser Saison natürlich besonders viel ausgerichtet, so Horngacher.

Am Kulm war es Stoch nicht gelungen, die mentale Erschöpfung der Tournee und des folgenden Rummels um seine Person in der Heimat abzulegen. „Er hat auch emotional alles gegeben. Dann sofort wieder Spannung aufbauen, ist schwierig“, erzählte Horngacher und gab an, dass Stoch am zweiten Kulm-Tag schon viel besser gewirkt habe, der Bewerb sei dann aber leider ausgefallen. Körperlich sei Stoch aber jederzeit in Topverfassung gewesen. „Ich war hochüberrascht, dass er auch nach der Tournee körperlich so fit war. Es ist ein super Zeichen, dass er so ein Großereignis so wegsteckt.“

Im WM-Teambewerb sind die Polen mit Stoch, Dawid Kubacki, Stefan Hula, Maciej Kot und Piotr Zyla jedenfalls für einen Spitzenplatz gut. „Die Ausgangslage ist nach wie vor gut, die Jungs sind gut drauf. Aber das wird schon eine heiße Nummer. Es wird irrsinnig schwierig, Medaillen zu gewinnen. Ich wäre extrem froh, wenn wir eine machen.“