„Saturn kehrt zurück“: Autor Noah Haidle zwischen Hollywood und Wien

Wien (APA) - Ausgerechnet Jim Carrey ist es zu verdanken, dass der amerikanische Autor Noah Haidle am morgigen Samstag der Österreichischen ...

Wien (APA) - Ausgerechnet Jim Carrey ist es zu verdanken, dass der amerikanische Autor Noah Haidle am morgigen Samstag der Österreichischen Erstaufführung seines Stücks „Saturn kehrt zurück“ im Vestibül des Burgtheaters beiwohnen wird. Schließlich musste die Arbeit an der TV-Serie „Kidding“, für die Haidle schreibt, wegen Platzproblemen in Careys Wunsch-Studio unterbrochen werden.

Und so sitzt der 39-Jährige im Burgtheater und freut sich sichtlich, dass jenes Haus, das er bei früheren Wien-Besuchen nur von außen betrachtet hat, nun für wenige Tage zu seiner Arbeitsstätte geworden ist. Der in Michigan geborene Drehbuchautor und Dramatiker wurde im deutschsprachigen Raum vor rund zehn Jahren mit „Mr. Marmalade“ bekannt. Dieses Stück ist es auch, das ihn beschäftigt, wenn man nach seiner Beziehung zu „Saturn kehrt zurück“ fragt: „Ich habe sehr unterschiedliche Beziehungen zu meinen Stücken. ‚Mr. Marmalade‘ zum Beispiel, das ich geschrieben habe, als ich sehr jung war, also etwa mit 25, ist mein meistgespieltes Stück. Ich weiß, ich sollte mich über den Erfolg freuen, aber es ist kompliziert. Ich habe danach ja noch so viele andere - wie ich meine - gute Stücke geschrieben.“

Eines davon ist eben „Saturn kehrt zurück“, mit dem die junge Regisseurin Sara Abbasi nun am Burgtheater ihr Regiedebüt feiert. Auch dieses Stück ist bereits zehn Jahre alt. „Es erinnert mich an die Zeit, als ich in New York gelebt habe“, so Haidle im APA-Interview. „Eines Tages fragte mich eine Journalistin am Telefon, wie alt ich sei. Ich sagte 28 und sie antwortete: ‚Dann sind Sie ja im Saturn geboren‘. In dem Moment war das ganze Stück in meinem Kopf. Ich habe mich hingesetzt und es in acht Stunden niedergeschrieben. Das ist weder davor noch danach wieder passiert.“

Das Stück dreht sich um einen Mann namens Gustin und zeigt ihn in drei Lebensphasen mit 28, 58 und 88 Jahren. Wie der Saturn alle 30 Jahre an seinen Ausgangspunkt zurückkehrt, erleben die Zuschauer in Rückblenden Szenen aus verschiedenen Phasen aus seinem Leben. Gespielt wird Gustin im Vestibül von Rudolf Melichar, Peter Knaack und Tino Hillebrand, während die drei Frauen (Gustins Frau, seine Tochter und eine Pflegerin) immer von Irina Sulaver gespielt werden. Ein theatralischer Trick, wie Haidle im Gespräch erläutert. In den USA werde den Theaterautoren beigebracht, nach der „weniger ist mehr“-Methode zu arbeiten. Dies habe ganz praktische Gründe: „Je weniger Schauspieler dein Stück braucht, desto eher wird es an vielen Theatern gespielt“, lacht Haidle, der in Europa genau das Gegenteil erlebt hat.

„Ich war gerade in Mannheim, wo ich als Hausautor arbeite. Ich war Backstage bei der Premiere eines meiner Stücke und der Intendant sagte: ‚Das ist cool, aber hast du nichts Größeres?‘ Ich dachte nur: Was???“ Mittlerweile gebe es sechs Stücke von ihm, die zwar in Deutschland, aber noch nie in den USA gespielt wurden. „Das war für mich zunächst wie ein Witz, aber jetzt ist es Teil meines Lebens“, schmunzelt Haidle. „Saturn“ kehrt heuer übrigens gleich noch einmal zurück, nämlich im April im Theater Kosmos in Bregenz. Eine Gegend, die Haidle unbedingt kennenlernen möchte.

Bereits zwei mal hat er im Nachbarbundesland Tirol mit seiner Frau - einer Malerin - ein Haus gemietet, wo jeweils ein neues Stück entstanden sei. „Ich kann in einer Umgebung, in der ich die Sprache nicht verstehe, einfach freier denken“, so Haidle, der aus genau diesem Grund auch nicht vor hat, Deutsch zu lernen, obwohl er regelmäßig im deutschsprachigen Raum arbeitet. Hier werden ihm auch die vielen Unterschiede klar: Während das Theater in den USA sehr auf den Autor fixiert sei, lege man hierzulande traditionell mehr den Fokus auf die Regie. „Hier kannst du einem berühmten Regisseur das Telefonbuch geben und er macht etwas Außergewöhnliches daraus“, lacht Haidle, der seine Stücke bewusst offen hält für die kreativen Einfälle von Schauspielern, Kostüm- und Bühnenbildnern und natürlich Regisseuren.

In Amerika sei Theater „einfach nicht cool. Die guten Leute wollen alle beim Film arbeiten.“ In Wien sei es umgekehrt: „Da arbeiteten die Regiegrößen am Burgtheater.“ Das sei einer Tradition geschuldet, in der das Theater in der Bevölkerung einen höheren Stellenwert genieße. Er selbst habe in seiner Kindheit und Jugend kein einziges Theaterstück gesehen, bevor er in der Bibliothek begann, Stücke in Büchern zu lesen und sich dann selbst für das Schreiben zu interessieren. „Es war schockierend, als ich das erste Mal ‚Hamlet‘ in Berlin gesehen habe. Da waren lauter junge Menschen dort. Am Ende war jeder nackt und hat sich mit seiner eigenen Scheiße beschmiert und es war cool. Das würde in Amerika nicht gehen. Theater wird in den USA immer eine marginalisierte Kunstform bleiben.“

Und deshalb zieht es ihn in seiner Wahlheimat Los Angeles zum Film. Beim Drehbuchschreiben bediene er lediglich „einen anderen Muskel“ und genießt die Zusammenarbeit in großen Teams. Für einen Roman hingegen habe er „nicht die nötige Aufmerksamkeitsspanne“. Das macht aber nichts. Sein erstes Drehbuch „Stand Up Guys“ wurde 2012 gleich mit Al Pacino und Christopher Walken verfilmt, nun arbeitet er mit Jim Carrey. Die Serie „Kidding“ soll im Herbst ins Fernsehen kommen.

(Das Gespräch führte Sonja Harter/APA)

(S E R V I C E - „Saturn kehrt zurück“ von Noah Haidle im Vestibül im Burgtheater. Regie: Sara Abbasi. Premiere: 20. Jänner, 20 Uhr. Weitere Termine: 24. und 27. Jänner, 4., 7., 26. und 28. Februar. Karten und Infos unter www.burgtheater.at oder Tel. (01) 5131513)