Haselwanter-Schneider im TT-Chat: „Opposition ist ein Wert“
Im Live-Chat erklärt Andrea Haselwanter-Schneider, warum sie in keine Koalition will, wie Wohnen billiger werden könnte und wie viel Dinkhauser noch in der Liste Fritz steckt.
Von Michael Domanig
Innsbruck –„Wenn ich einmal ins Reden komme, dann höre ich nicht mehr so schnell auf. Schließlich komme ich aus einem Männerhaushalt, da muss man sich durchsetzen.“ Diese scherzhafte Warnung gibt Andrea Haselwanter-Schneider, Spitzenkandidatin der Liste Fritz bei den kommenden Landtagswahlen, zu Beginn des TT-Live-Chats aus. Und tatsächlich braucht die Online-Redakteurin beim Eintippen der Antworten eine kräftige Fingermuskulatur – die Antworten der Kandidatin fallen meist ausführlich aus.
Nervös sei sie nicht, meint Haselwanter-Schneider vor dem Austausch mit der TT-Leserschaft, schließlich arbeite die Liste Fritz viel über Bürgerkontakte, auch digital. „Aber es ist immer spannend, man weiß nie genau, was kommt.“
Der Live-Chat zum Nachlesen...
- http://liveblog.tt.com/live/chat-listefritz
Vor allem Listengründer Fritz Dinkhauser beschäftigt nach wie vor die Öffentlichkeit: Warum heißt die Liste Fritz noch so, wie viel Dinkhauser steckt noch in ihr? Dinkhauser sei gewählter Parteiobmann, sagt Haselwanter-Schneider, es wäre „Unsinn, auf dieses Know-how aus 50 Jahren Politik zu verzichten“. Zudem gebe es die Liste Fritz nun seit zehn Jahren, diese Stabilität wolle man auch im Namen signalisieren. Wie bei der Olympia-Debatte werde sich Dinkhauser auch im Landtagswahlkampf einbringen, kündigt sie an, „man darf sich überraschen lassen“.
Apropos Olympia: Hier habe man zusammen mit 52 Prozent der Tiroler einen „Milliardenwahnsinn“ verhindert, ist die Oppositionspolitikerin überzeugt. Im Gegensatz zur „geballten Wirtschafts- und Tourismuslobby“ habe man auch die „Schattenseiten“ aufgezeigt – etwa Verkehrsprobleme oder hohe Sicherheitskosten. So habe man bewiesen, dass „eine kleine Gruppe Großes leisten kann“, wie „kleine, quirlige Gallier“ gegen „überhebliche Römer“.
Warum die Liste Fritz unbedingt in Opposition bleiben wolle, will jemand wissen: „Opposition ist ein Wert“, betont Haselwanter-Schneider, es brauche eine „starke Kontrollpartei“. Man sei stolz, die „einzige Oppositionskraft“ im Landtag zu sein, die anderen seien das nur „am Papier“. In einer Koalition mit einer übermächtigen ÖVP könne man „nur verlieren“ – man müsse sich nur anschauen, was aus den bisherigen Partnern geworden sei: Die SPÖ sei nach zehn Jahren „halbiert wieder aufgewacht“, die Grünen hätten den „Menschen- und Naturschutz verraten“.
Voll im Wahlkampfmodus zeigt sich die Liste-Fritz-Klubchefin auch bei Breitseiten gegen die ÖVP: In Tirol habe man die niedrigsten Einkommen bei höchsten Lebens- und Wohnkosten – „und auch nach zehn Jahren unter LH Günther Platter geht es den Menschen nicht besser“. Die Abgrenzung zur ÖVP – auch darauf zielt eine Chatfrage ab – falle da leicht: „Wir schauen auf jene, denen es nicht so gut geht, und nicht darauf, wie wir Lobbys zufriedenstellen.“
So wie im Landtag kommt die Spitzenkandidatin auch live im TT-Chatroom voll in Fahrt. Das Verkehrsthema habe Platter ebenfalls erst „wenige Wochen vor der Wahl“ für sich entdeckt: „Guten Morgen, Herr Landeshauptmann!“ Bei einer Million Transit-Lkw „muss Schluss sein“, fordert Haselwanter-Schneider, „jeder, der danach kommt, muss auf die Schiene“. So lasse sich dann auch der Brennerbasistunnel nützen.
Ein Anrufer aus dem Lechtal klagt darüber, wie schwer es für Kinder sei, mit Öffis nach Landeck, Imst oder Innsbruck zur Schule oder zum Arzt zu kommen. Eine seiner Angestellten sei kürzlich acht Stunden unterwegs gewesen. Haselwanter-Schneider betont, die Regionen stärken zu wollen, „damit die Leute dort leben möchten“. Es brauche eine schnelle, direkte Zugverbindung vom Außerfern nach Innsbruck und „generell eine bessere Anbindung“. Um Details mit dem Anrufer zu klären, notiert sich Haselwanter-Schneider spontan seine Handynummer.
Bei den „zunehmend unerträglich werdenden“ Wohnkosten in Tirol sprudelt es aus Haselwanter-Schneider so richtig heraus: Die Liste Fritz habe in fünf Jahren 14 Initiativen zum leistbaren Wohnen eingebracht – etwa die Forderung nach einer Leerstandserhebung: Allein in Innsbruck gehe man von 3000 leerstehenden Wohnungen aus. Viele Vermieter hätten schlechte Erfahrungen gemacht, ergänzt sie, und schlägt daher vor, nach Salzburger und Vorarlberger Vorbild ein „gemeinnütziges Makeln“ einzuführen, bei dem das Land als Vermieter agiert und die Risiken trägt: „Dann trauen sich die Vermieter auch wieder“, ist sie sich sicher.
Immer mehr Fragen trudeln beim TT-Chat ein – auch von einem Politkollegen, NEOS-Spitzenkandidat Dominik Oberhofer: Er möchte wissen, warum das „Bürgerforum“ Liste Fritz die Unterschrift von LA Pupp (SPÖ) für eine Wiederkandidatur benötigt habe. Hier sei Oberhofer „falsch informiert“, kontert Haselwanter-Schneider: In sieben von neun Bezirken habe man mit Unterschriften der Bürger eingereicht, nur in zwei mit Abgeordnetenunterschriften. Und nach kurzem Blick zu ihrem Pressesprecher und Listenzweiten Markus Sint lässt sich Haselwanter-Schneider einen genussvollen Seitenhieb nicht nehmen: „Dafür bauen wir keine vierspurigen Autobahnen, lieber Dominik Oberhofer“, diktiert sie, „sondern kümmern uns um die Anliegen der Bürger in Tirol.“