Bühne

Alles hat seine Grenzen

Feuchtfröhlich: Der Tiroler Christoph Griesser in „Homohalal“.
© Haddad

Ibrahim Amirs schwarze Komödie „Homohalal“ ist endlich in Österreich angekommen.

Wien –Das Wiener WERK X besorgte nun das, was sich das Volkstheater 2016 ängstlich verkniffen hat, und bringt „Homohalal“ auf die Bühne – als österreichische Erstaufführung, da die gefeierte Feuertaufe des Stücks schlussendlich in Dresden stattfand. Und Ali M. Abdullah, Regisseur und Co-Leiter des ambitionierten Theaterhauses, macht es richtig. Er lässt die im Prinzip klassisch gebaute und ziemlich finstere Konversationskomödie des aus Syrien stammenden Autors Ibrahim Amir heftig an die Kanten des Genres schrammen, ohne dieses auszuhebeln.

„Bitterböse Komödien sind das beste Werkzeug, um alltägliche zwischenmenschliche und interkulturelle Konflikte auseinanderzunehmen“, so Abdullah, und gruppiert Amirs Personal rund um ein eckiges Nass (Bühne wie Kostüme: Renato Uz). Demonstriert wird im und am Rand des mittels kräfteraubenden Integrationsprozesses erkämpften Swimmingpools die ebenso schlichte wie unbequeme Wahrheit, dass die Konzeption von Gutmensch versus geschmeidiger Pragmatiker obsolet ist.

Im Wien des Jahres 2037 trifft eine Schar „Veteranen“ des Wiener Refugee Protest Camp 2012 in der Votivkirche anlässlich einer heftig aus dem Ruder laufenden Urnen-Bestattung des einstigen Freundes Abdul aufeinander. Der ehemalige Asylwerber Said (Arthur Werner, der später auch in die Rolle des Zynikers Abdul schlüpfen wird) fühlt sich von der Homosexualität seines Sohnes Jamal (eine S-Fehler-Glanzleistung von Christoph Griesser) in seiner Ehre gekränkt und hat sich ebenso in die Biedermeierlichkeit geflüchtet wie seine Frau Ghazala (Stephanie K. Schreiter).

Sie wird am Ende des radikal vergnüglichen Abends, nach alkoholgeschwängerter allgemeiner Entgleisung und einem Mord, ihre Welt wieder ins (politisch) rechte Licht rücken. Auch ihre Mitstreiter, „Quotenflüchtling“ Johnny (Johnny Mhanna), die gute Helfer-Seele Albertina (Constanze Passin), die ex-katholische Imamin (Jodit Tarikwa) und der schwul-glamouröse Umar (Daniel Wagner) lohnen die Reise ins hintere Meidling. (lietz)