IEA erwartet „explosionsartigen“ Anstieg der US-Ölförderung

Paris (APA/Reuters/dpa/AFP) - Wegen des jüngsten Höhenflugs der Ölpreise erwarten immer mehr Experten einen starken Anstieg der Fördermenge ...

Paris (APA/Reuters/dpa/AFP) - Wegen des jüngsten Höhenflugs der Ölpreise erwarten immer mehr Experten einen starken Anstieg der Fördermenge in den USA. Laut dem am Freitag veröffentlichten Monatsbericht der Internationalen Energieagentur (IEA) rechnen Experten des Interessenverbands der führenden Industriestaaten gar mit einem „explosionsartigen“ Wachstum der amerikanischen Ölproduktion in diesem Jahr.

Die USA dürften damit dank Fracking eine Rekordmenge an Öl fördern. Die US-Ölproduktion könne heuer 10 Mio. Barrel pro Tag übersteigen und damit den zweitgrößten Ölproduzenten Saudi-Arabien überholen. Sogar mit dem Spitzenreiter Russland könnten die USA bei dem geschätzten Anstieg demnach in Konkurrenz treten.

Zuletzt ist die Fördermenge in den USA nach Angaben der Regierung in Washington auf fast 10 Mio. Barrel pro Tag gestiegen und liegt nur knapp unter einem Rekordhoch. Konkret geht die IEA davon aus, dass das Wachstum der Fördermenge von Rohöl außerhalb der Länder der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) heuer bei durchschnittlich 1,7 Millionen Barrel pro Tag liegen dürfte. Im Vergleich zum vorangegangenen Monatsbericht hat die IEA ihre Prognose damit um 100.000 Barrel nach oben geschraubt.

Je stärker der Ölpreis auf dem Weltmarkt steigt, desto eher rentiert sich die vergleichsweise teure Förderung von Schieferöl mit der umstrittenen Fracking-Methode. In den USA wird die Fracking-Methode vergleichsweise häufig angewendet.

Am Donnerstag war im Monatsbericht der OPEC ein vergleichbares Szenario prognostiziert worden. Außerdem hatten auch Analysten der US-Investmentbank Goldman Sachs vor einem starken Anstieg der US-Fördermenge gewarnt.

Im Verlauf der Woche hatte der US-Ölpreis bei 64,89 Dollar (53,04 Euro) je Barrel und der Brent-Preis bei 70,37 Dollar je Barrel jeweils den höchsten Stand seit etwa drei Jahren erreicht. Vor allem die jüngste Kursschwäche des US-Dollar sorgte für Auftrieb. Außerdem hatte eine Förderbegrenzung von OPEC-Ländern und anderen wichtigen Förderstaaten wie Russland die Ölpreise tendenziell steigen lassen.

Produktionsrückgänge im krisengeschüttelten Venezuela verknappen der IEA zufolge die Versorgung der Rohölmärkte. Die Entwicklung in dem südamerikanischen OPEC-Land habe mit dazu beigetragen, dass die Ölpreise mit 70 Dollar pro Barrel Anfang Jänner den höchsten Wert seit drei Jahren erreicht hätten, teilte die IEA am Freitag mit. Im vergangenen Jahr habe es in Venezuela ein ungeplantes Förderminus sehr großen Ausmaßes gegeben. Angesichts der hohen Staatsschulden und der desolaten Lage der Ölinfrastruktur könnten die Rückgänge heuer sogar noch deutlicher ausfallen.

Die Probleme in Venezuela halfen den OPEC-Staaten laut IEA aber auch dabei, ihre Verpflichtung auf eine Drosselung der Rohölproduktion einzuhalten. Mit der sogenannten Förderbremse, zu der sich auch Länder außerhalb des Ölkartells verpflichtet haben, sollen die Märkte stabilisiert werden. Zu dieser Entwicklung trug laut IEA auch bei, dass 2017 weltweit die Lagerbestände sanken und die Nachfrage deutlich anzog. Der Bedarf werde 2018 aber wieder zurückgehen, was die Preise erneut unter Druck setzen könnte.

~ WEB http://www.iea.org/ ~ APA296 2018-01-19/13:07