Karl Nehammer wird neuer ÖVP-Generalsekretär
„Das Herz hat sofort Ja gesagt“, so der designierte Generalsekretär. Wer seine Funktion als ÖABB-Generalsekretär übernimmt, ist noch offen. Axel Melchior weiterhin ÖVP-Bundesgeschäftsführer. Zweiter Generalsekretär Stefan Steiner nimmt sich aus dem operativen Geschäft heraus und wird wieder als Berater für Kurz tätig sein-
Wien – Der bisherige ÖAAB-Generalsekretär Karl Nehammer (45) wird neuer Generalsekretär der ÖVP. Nehammer, der seit der jüngsten Nationalratswahl für die Volkspartei auch im Nationalrat sitzt, übernimmt die Funktion offiziell mit 25. Jänner und wird die Partei künftig nach außen vertreten. „Das ist die schönste Aufgabe, die ich mir wünschen kann“, sagte Nehammer im Interview mit der APA.
Neben Nehammer bleibt Axel Melchior ÖVP-Bundesgeschäftsführer und wird sich in dieser Position vor allem um die interne Kommunikation der Kanzlerpartei kümmern. Der bisherige zweite Generalsekretär Stefan Steiner wird im Auftrag der Volkspartei wieder als Berater in inhaltlichen und strategischen Fragen für Bundeskanzler und ÖVP-Obmann Sebastian Kurz tätig sein. Er nimmt sich aus dem operativen Geschäft heraus, um mehr Zeit für seine Familie und drei Kinder zu haben, heißt es aus der ÖVP.
„Generalsekretärsgehabe ist entbehrich“
Nehammer will unterdessen das, „was im Wahlkampf begonnen hat, fortführen und die ÖVP als Bewegung noch breiter aufstellen“. Und er will den „neuen Stil“ der ÖVP – wie seine Vorgängerin Elisabeth Köstinger – auch als Generalsekretär der Partei leben. „Dieses Generalsekretärsgehabe, dass man Unfreundlichkeiten austauscht oder immer gleich negativ auf Vorschläge des anderen reagiert, ist entbehrlich und auch nicht mein Stil“, erklärte Nehammer. „Hart in der Sache, aber fair im Umgang“ – es gehe um das „Ringen um die bessere Idee, aber das Weglassen alter Rituale“.
Zur Person:
Bürgerlich, liberal und christlich-sozial – so beschreibt sich der neue ÖVP-Generalsekretär Karl Nehammer. Mitbekommen hat der 45-Jährige dieses Wertesystem bereits im Elternhaus. Dort, in Wien-Meidling, wo Jahre später auch ÖVP-Chef Sebastian Kurz aufwachsen sollte, waren ÖVP-Granden wie Julius Raab, Leopold Figl, Leopold Kunschak oder Alois Mock zu Gast, um mit den Nehammers zu politisieren.
Nehammer junior war damit früh geprägt. Mit 14 Jahren nahm er 1986 erstmals aktiv an einem Wahlkampf teil und verteilte Folder für den damaligen ÖVP-Chef Mock, der am amtierenden Bundeskanzler und SPÖ-Chef Franz Vranitzky zerbrach. 2017 zog Nehammer mit Werbematerial der inzwischen türkis gebrandeten und „neuen Volkspartei“ abermals durch Wien, absolvierte Hausbesuche und hängte Plakate in Schaufenstern auf. Auf Platz drei der Wiener Landesliste nominiert, kam er nach dem Wahlsieg von Sebastian Kurz für die ÖVP in den Nationalrat. Von dort erklimmt Nehammer nun die nächste Sprosse seiner politischen Karriereleiter und wird ÖVP-Generalsekretär. „Die schönste Aufgabe, die ich mir wünschen kann. Das Herz hat sofort Ja gesagt..“
Vom Berufssoldat zum Politiker
Nehammer wurde am 18. Oktober 1972 in Wien geboren. Nach der Matura rückte er als Einjährig-Freiwilliger beim Bundesheer ein und war danach einige Jahre Berufssoldat. Die Wehrpolitik blieb ein Steckenpferd. Bei den jüngsten Regierungsgesprächen zwischen ÖVP und FPÖ verhandelte der Oberleutnant der Miliz das Kapitel Landesverteidigung mit.
Nach seiner Zeit beim Bundesheer arbeitete Nehammer als Trainer für strategische Kommunikation. 2007 landete er erstmals in der ÖVP-Zentrale in der Wiener Lichtenfelsgasse und half beim Aufbau der Freiwilligen-Mobilisierung mit. Danach war er für die Politische Akademie der ÖVP tätig. Nächste Station war die ÖVP-Niederösterreich, wo Nehammer als „Abteilungsleiter Kommunal“ ÖVP-Bürgermeister und -Gemeindeparteien beriet und die Gemeinderatswahlen für die gelb-blauen Schwarzen mitkoordinierte. Daneben studierte er beim Politologen Peter Filzmaier an der Universität Krems Politische Kommunikation.
ÖAAB-Funktion will „Leistung wieder belohnen“
Von Niederösterreich holte ihn der heutige ÖAAB-Chef und ÖVP-Klubobmann August Wöginger in den Arbeitnehmerbund der ÖVP. 2015 wurde Nehammer Generalsekretär-Stellvertreter und Bundesorganisationsreferent des Österreichischen Arbeitnehmerinnen-und Arbeitnehmerbundes, 2016 folgte er Wöginger als Generalsekretär der ÖVP-Teilorganisation. Im Bundespräsidentschaftswahlkampf 2016 sprang er kurzfristig auch als einer der Wahlkampfmanager für den ÖVP-Kandidaten Andreas Khol ein. Seine Funktion im ÖAAB wird der Bezirksparteiobmann der ÖVP Wien-Hietzing nach dem Wechsel in die Parteizentrale abgeben.
Bei der Nationalratswahl kandidierte Nehammer für den Landeswahlkreis Wien und zog dank Kurz ins Parlament ein. Im ÖVP-Klub wurde er zu einem von sieben Klubobmann-Stellvertretern gewählt. Im Nationalrat nahm der neue ÖVP-General bei den ersten Sitzungen hinter Parteichef Sebastian Kurz und neben Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) Platz. Im Regierungsprogramm von ÖVP und FPÖ sah er nach der Regierungserklärung im Hohen Haus deutliche Anstrengungen dafür, dass sich künftig Leistung wieder lohnen wird.
Nehammer hat zwei Kinder und ist mit Katharina Nehammer verheiratet, die in den vergangenen Jahren als Sprecherin und Kabinettsmitglied von Ex-Innenminister Sobotka tätig war und erst vor kurzem mit Sobotka ins Parlament gewechselt ist.
Seine Funktion als ÖAAB-Generalsekretär wird Nehammer, der bei der Nationalratswahl auf Platz drei der Wiener Landesliste kandidierte, zurücklegen. Wer diese Funktion übernimmt, ist noch offen. Über das Angebot von Sebastian Kurz, den er schon lange kenne, habe er nur kurz nachdenken müssen. „Das Herz hat sofort Ja gesagt, aber ich habe zwei kleine Kinder, und solche Dinge bespricht man auch mit seiner Frau.“
FPÖ an Taten messen
Zu tagesaktuellen politischen Themen will sich der neue ÖVP-General erst nach seinem offiziellen Amtsantritt äußern. Mit dem Regierungsprogramm von ÖVP und FPÖ kann Nehammer jedenfalls „sehr gut“ leben – er hat auch das Verteidigungskapitel mitverhandelt. „Die Menschen haben Veränderung gewählt. Mit der FPÖ gibt es das gemeinsame Wollen, das umzusetzen. Die Regierung geht ambitioniert ans Werk.“
Die Kritik und Sorge über rechtsnationale Tendenzen in der FPÖ teilt Nehammer nicht. „Ich ersuche alle, uns an den Taten zu messen.“ Wenn die neue Regierung ihr Programm in konstruktiver Zusammenarbeit umsetze, würden etwaige Sorgen sicher geringer werden.
Mit den ÖVP-Ländern und ihren starken Landeshauptleuten sowie den verschiedenen Bünden der Volkspartei erwartet Nehammer keine Konflikte. Durch den „neuen Stil“ gebe es auch ein „neues Miteinander“ in der Partei. Die Volkspartei lebe bereits in der neuen Bewegung und es herrsche Freude darüber, einen türkisen Bundeskanzler zu haben. Punkto Wertesystem hält es Nehammer mit Kurz: „liberal und christlich-sozial“. Ansonsten sehe er Politik „weniger in Stereotypen, sondern im Tun und wie man sich einer Sache annähert“. Politik soll „menschen- und realitätsnah“ sein, und es brauche eine Kultur des selbst Hinterfragens. (APA)