78. Hahnenkammrennen

Sensation in Kitzbühel: Deutscher Dreßen siegt vor Feuz und Reichelt

Sensationsmann in Kitzbühel: Der Deutsche Thomas Dreßen.
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Der Deutsche Thomas Dreßen feierte bei der Abfahrt in Kitzbühel seinen ersten Weltcupsieg. Der 24-Jährige verwies Beat Feuz und Hannes Reichelt auf die Plätze zwei und drei.

Kitzbühel - Als die Sonne in Kitzbühel für ein paar Minuten durch die Wolken blinzelte, ging der Stern von Thomas Dreßen endgültig auf. Der 24-jährige Deutsche raste am Samstag mit Startnummer 19 zu seinem ersten Weltcupsieg überhaupt und ließ den DSV erstmals seit Sepp Ferstl 1979 über den prestigeträchtigsten Abfahrtssieg im Ski-Zirkus jubeln. Zuvor war ein dritter Platz in Beaver Creek 2017 das beste Ergebnis des Sensationsmanns gewesen.

"Für mich ist das selbst überraschend, dass es so gut gelaufen ist. Vor allem, weil ich mich im Training so schwer getan habe", konnte Dreßen sein Glück kaum fassen. Im ersten Moment habe er beim Blick auf die Anzeigetafel geglaubt, "die wollen mich verarschen!" Die Streif, ansonsten Spielwiese für Routiniers, bei seinem erst vierten Ritt gleich als Sieger zu bezwingen, sei unfassbar. Der Wettergott habe ihm mit dem kurzen Sonnenfenster freilich auch in die Karten gespielt: "Da muss ich mich aber auch bei Hannes Reichelt bedanken, dass er die Nummer eins genommen hat. Sonst hätte ich das Rennen eröffnet. Wer weiß, wie das dann ausgegangen wäre."

Reichelt (+ 0,41 Sekunden) landete hinter Wengen-Triumphator Beat Feuz (+ 0,20 Sekunden) auf Rang drei. Vincent Kriechmayr, bis zur letzten Zwischenzeit auf Siegkurs, musste sich nach einem Fehler in der Traverse mit Rang vier begnügen. Matthias Mayer, der nur mit viel Mühe einen Sturz verhindern konnte, landete im geschlagenen Feld.

Reichelt und Kriechmayr haderten mit Fehlern

"Es gab einige Passagen, in denen mehr gegangen wäre", haderte Reichelt im Ziel. Bei der Einfahrt zur Hausbergkante habe ihn auch sein fataler Sturz vor zwei Jahren noch begleitet: "Wenn du an dieser Stelle schon einmal gestürzt bist, dann sagt dir ein Engerl im Kopf: 'Hannes fahr langsamer!' Das Teuferl sagt: 'Hannes gib Gas!'" Kriechmayr wusste auch, warum es mit dem Stockerl nicht klappen wollte: "Wenn du solche Fehler in der Traverse einbaust, dann kannst du nicht aufs Podest fahren." Immerhin verbuchte der Oberösterreicher sein bestes Abfahrtsergebnis im Weltcup.

Traditionelle Zaungäste in Kitzbühel: Die Motorsport-Legenden Niki Lauda, Gerhard Berger und Bernie Ecclestone.
© APA

Der Feierlaune der rund 45.000 Zuschauer tat der erneut verpasste rot-weiß-rote Sieg keinen Abbruch. Unter den Augen von zahlreichen Prominenten wie Ex-Formel-1-Boss Bernie Ecclestone, Niki Lauda oder Sportminister Heinz-Christian Strache gehörte die große Bühne an diesem Tag Thomas Dreßen, dessen Vater Dirk 2005 bei einem Seilbahnunglück in Sölden tödlich verunglückt war.

Die österreichischen Sieg-Hoffnungen ruhen bei den Hahnenkammrennen auf den Schultern der ÖSV-Slalom-Asse. Marcel Hirscher, Michael Matt, Manuel Feller und Co. setzen am Sonntag (10.30 und 13.30 Uhr/TT.com-Ticker und ORFeins) in Kitzbühel den sportlichen Schlusspunkt. (pim)

Abfahrt der Herren in Kitzbühel

1. Thomas Dreßen (GER) 1:56,15 Minuten

2. Beat Feuz (SUI) +0,20 Sekunden

3. Hannes Reichelt (AUT) +0,414. Vincent Kriechmayr (AUT) +0,46

5. Marc Gisin (SUI) +0,68

6. Andreas Sander (GER) +0,74

7. Brice Roger (FRA) +0,93

8. Aksel Lund Svindal (NOR) +1,12

9. Peter Fill (ITA) +1,26

10. Kjetil Jansrud (NOR) +1,30

Weiter:

12. Dominik Paris (ITA) +1,64

21. Christian Walder (AUT) +2,53

30. Daniel Danklmaier (AUT) +3,16

31. Romed Baumann (AUT) +3,19

34. Matthias Mayer (AUT) +3,37

45. Daniel Hemetsberger (AUT) +4,53

51. Johannes Kröll (AUT) +5,66

Ausgeschieden: Patrick Schweiger (AUT), Jared Goldberg (USA), Johan Clarey (FRA), Christof Innerhofer (ITA)

Nicht gestartet: Max Franz (AUT), Christopher Neumayer (AUT)

Abfahrtsweltcup

1. Aksel Lund Svindal (NOR) 452 Punkte

2. Beat Feuz (SUI) 442

3. Thomas Dreßen (GER) 265

4. Kjetil Jansrud (NOR) 264

5. Dominik Paris (ITA) 254

6. Matthias Mayer (AUT) 216

7. Hannes Reichelt (AUT) 183

8. Vincent Kriechmayr (AUT) 175

Gesamtweltcup

1. Marcel Hirscher (AUT) 974 Punkte

2. Henrik Kristoffersen (NOR) 800

3. Aksel Lund Svindal (NOR) 666

4. Kjetil Jansrud (NOR) 665

5. Alexis Pinturault (FRA) 588

Der Sensationsmann in Kitzbühel: Thomas Dreßen bejubelte seinen ersten Weltcupsieg.
Diskussionsbedarf bei den Top drei: Beat Feuz, Thomas Dreßen und Hannes Reichelt (v.l.).
Bei der Flower Ceremony der Kitzbühel-Abfahrt wurde Dreßen dann als erster Deutscher seit Sepp Ferstl 1979 in die Mitte genommen.
Ex-Gouvernator Arnold Schwarzenegger führte das bunte Promi-Aufgebot in Kitzbühel an.
Beat Feuz schwang als Erster ab und wurde am Ende Zweiter. Der Wahl-Tiroler verpasste den ersten Schweizer Kitzbühel-Sieg seit Didier Cuche 2012.
Hannes Reichelt konnte den atemberaubenden Blick ins Ziel nicht genießen. Der Salzburger reihte sich auf Rang drei ein.
Vincent Kriechmayr verbaute ein Fehler in der Traverse den Weg aufs Stockerl.
Norwegens Speed-König Aksel Lund Svindal muss weiter auf seinen ersten Abfahrtssieg in Kitzbühel warten.
Christof Innerhofer wurde von der Streif abgeworfen, blieb aber unverletzt.
US-Boy Jared Goldberg landete unsanft im Fangzaun, kam aber mit leichten Blessuren davon.
Zehntausende Fans sorgten für Länderspielstimmung in Kitzbühel. Vom Boden im Zielgelände war kaum etwas zu sehen.
Rot-weiß-rote Ski-Legenden: Hansi Hinterseer, Stefan Eberharter und Leonhard Stock.
Heinz-Christian Strache saß in Kitzbühel erstmals als Sportiminister auf der Tribüne.
Motorsport-Legenden unter sich: Niki Lauda, Gerhard Berger und Bernie Ecclestone.