Bühne

Peter Klien: Mikromann mit Mega-Chuzpe

© Foto Rudy De Moor / Tiroler Tage

Im Fernsehen hat er mehr Schlagkraft: Anarcho-Reporter Peter Klien baut in seinem Soloprogramm „Reporter ohne Grenzen“ auf die Stärken seines eigenen Archivs.

Innsbruck –Wer am Freitag im Treibhaus war, weiß, was am Dienstag bei „Willkommen Österreich“ zu sehen sein wird. Peter Klien, der Anarcho-Reporter im Spießer-Look, verriet da nämlich, dass er nicht nur wegen seines Soloprogramms „Reporter ohne Grenzen“ nach Tirol gekommen war. Vielmehr nutzte er den Ausflug gen Westen auch für eine Stippvisite beim Hahnenkamm-Wahnsinn, wo sich bekanntlich das Who is Who der Show-, Sport- und Politwelt trifft. Und wenn alles so läuft, wie vom selbst ernannten „Robin Hood der Gebührenzahler“ prophezeit, wird es beim Schwenk nach Kitz dann Günther Platters Antwort auf folgende Frage zu sehen geben: „Was ist Ihnen wichtiger: dass ein Österreicher gewinnt oder ein Deutscher verliert?“

Zumindest hat Klien das bei der Zugabe seines bereits vierten Solo-Kabaretts hoch- und scheinheilig versprochen. Ja, der etwas andere Mikromann ist kein Bühnenneuling mehr, es hat halt nur ein Zeiterl gedauert, bis die Masse das Potenzial des versiertesten Vorführers des Landes erkannte. Und dieses Erkanntwerden könnte ihm auch bald zum Verhängnis werden: Schön langsam hat nämlich jeder kapiert, dass man sich vor den Fragen des Kerls mit Streberbrille und Maturaanzug gehörig in Acht nehmen muss.

Bei seinem Reporter-Debüt im April 2016 war das noch anders, wie Kliens von unzähligen Video-Einspielungen geprägtes Programm zeigt: Beim ersten Anlauf für die Bundespräsidentschaftswahl war er ein unbeschriebenes Blatt und waren seine Gegenüber baff, dass sich ein ORF-Journalist traut, Politiker und ihre Entourage so gnadenlos auflaufen zu lassen. Dass da einer von einer „rechten Freud’“ in der FPÖ-Zentrale berichtet, über die Folgen des nie passierten Zungenkusses zwischen Eva Glawischnig und Herbert Kickl sinnieren will und den höchsten Bundesheeresoffizier auf einen möglichen Kalten Krieg anspricht, nur weil das Thermometer Minusgrade zeigt, hatte Österreich gerade noch gefehlt. Ja, hat es tatsächlich: Peter Klien ist der Unberechenbarkeitsfaktor im vorhersehbaren Medienzirkus, die Einspieler seiner Interviews machen auch in der Wiederholung noch Spaß – wenn selbst der reporter­erprobte Prinz Charles bei der Frage nach seinem King-Size-Bett amused dreinschaut, dann hat hier definitiv wer was richtig gemacht. Aber: Für einen zweistündigen Kabarett-Abend ist das Konzept der Filmchen-Rückschau dann doch etwas dünn. Da nützt es auch wenig, dass Klien das Kramen im eigenen Archiv mit Facebook-Kommentaren auffettet, die vorwiegend voll des Lobes für ihn sind. Man hätte ihm mehr Understatement zugetraut.

Als Fernseh-Player bleibt der Kabarettist mit Spaßgrenzen aber unverzichtbar: Das zeigen auch jene exklusiven Interviews, die es nicht auf die ORF-Leinwand geschafft haben. FPÖ-Politikerin Ursula Stenzel fragt er da etwa, wie sie sich ihre Zukunft vorstellt. „Heim ins Reich oder reich ins Heim?“ Platter hat mit seiner Frage Glück gehabt. (fach)

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