Umgang mit Missbrauch: Kardinal O‘Malley kritisiert Papst
Vatikanstadt (APA) - Der Papst hat sich Kritik von der Kurie zugezogen, nachdem er einen chilenischen Bischof vehement in Schutz nahm, dem V...
Vatikanstadt (APA) - Der Papst hat sich Kritik von der Kurie zugezogen, nachdem er einen chilenischen Bischof vehement in Schutz nahm, dem Vertuschung eines Falles von Kindesmissbrauch durch einen Geistlichen vorgeworfen wird. Der Bostoner Kardinal Sean Patrick O‘Malley, Chef der Kommission zum Schutz von Minderjährigen, ging in einer Presseaussendung auf Distanz zum Papst.
„Es ist begreiflich, dass die Worte des Papstes den Opfern von sexuellem Missbrauch durch Geistliche Kummer bereiten“, schrieb O‘Malley in der am Samstagabend veröffentlichten Presseaussendung. Er sei besorgt, dass die Worte des Papstes Opfer entmutigen könnten, weitere Missbrauchsfälle anzuzeigen.
Es lägen keinerlei Beweise gegen den Bischof Juan Barros vor, sagte Franziskus am Donnerstag im nordchilenischen Iquique: „Das ist alles Verleumdung. Ist das klar?“ Barros hatte in den vergangenen Tagen an der Seite des Papstes an den Messen in Santiago und Temuco teilgenommen. Auch am Donnerstag war er bei der Papst-Messe in Iquique.
Der Papst hatte Barros 2015 zum Bischof von Osorno ernannt, obwohl ihm Kritiker vorwerfen, einen Kinderschänder in den Reihen der katholischen Kirche gedeckt zu haben. Dabei geht es um den früheren Priesterausbilder Fernando Karadima, der 2011 von der Vatikanjustiz wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger schuldig gesprochen wurde.
Franziskus hatte 2014 die Päpstlichen Kinderschutzkommission eingerichtet. Die Kommission hat beratende Funktion und soll Vorschläge zum besseren Schutz von Minderjährigen und gefährdeten Erwachsenen vor sexuellem Missbrauch im kirchlichen Raum erarbeiten. Vorgesehen sind zwei Tagungen pro Jahr. Geleitet wird die Kommission seit Beginn von O‘Malley.