Tiroler Forscher: Heftige Erdbeben wiederholen sich alle 300 Jahre

Bei einer Untersuchung in Chile haben Wissenschafter der Uni Innsbruck herausgefunden, dass sich verheerende Beben in relativ regelmäßigen Abständen wiederholen. Jetzt versuchen die Forscher, ihre Studienergebnisse zu untermauern.

Die Forscher nehmen Bohrkerne am Calafquén-See in Chile, im Hintergrund der Vulkan Villarrica.
© Maarten Van Daele

Innsbruck – Ein internationales Team rund um Jasper Moernaut von der Universität Innsbruck hat entdeckt, dass sich sehr große Erdbeben in relativ regelmäßigen Abständen - nämlich rund 300 Jahre - wiederholen. Durch die Analyse von Sedimenten auf dem Grund zweier chilenischer Seen konnten die Wissenschafter die gesamte Erdbebengeschichte der letzten 5000 Jahre nachvollziehen.

Mit diesem Ansatz fand das Team heraus, dass riesige Erdbeben, wie zuletzt eines der Stärke 9,5 im Jahr 1960 im südlichen Zentral-Chile, alle 292 Jahre (plus/minus 93 Jahre) wiederkehren. Somit sei die Wahrscheinlichkeit für ein derartiges Großereignis in Chile in den nächsten 50 bis 100 Jahren sehr gering. „Kleinere“ Erdbeben der Stärke 8 würden sich jedoch alle 139 Jahre (plus/minus 69 Jahre) ereignen. Die Wahrscheinlichkeit für ein solches Ereignis in den kommenden 50 Jahren liegt laut den Forschern bei 30 Prozent.

Jasper Moernaut präsentiert einen der Bohrkerne.
© Maarten Van Daele

Durch die Analyse von Sedimenten auf dem Grund der chilenischen Seen erkannten die Wissenschafter, dass jedes starke Erdbeben Erdrutsche hervorruft, die in den Sedimentschichten, die sich auf dem Seeboden ansammeln, erhalten bleiben. Bei der Untersuchung von bis zu acht Meter langen Sedimentkernen entdeckten die Forscher 35 große Erdbeben mit einer Stärke von mehr als 7,7 in den letzten 5000 Jahren.

Wirklich außergewöhnlich sei die Tatsache, dass in einem See die Erdrutsche nur bei den stärksten Erschütterungen, wie bei einem Beben der Stärke 9, auftreten, während der andere See auch auf „kleinere“ Erdbeben der Stärke 8 reagierte. „Auf diese Weise konnten wir die Muster vergleichen, in denen Erdbeben unterschiedlicher Stärke auftreten“, erklärte Maarten Van Daele von der Universität Gent in Belgien.

„Wir hoffen, dass wir unseren Ansatz auf ganz Südamerika ausdehnen können, so dass wir herausfinden, ob zum Beispiel Erdbeben immer in den gleichen Segmenten brechen, oder sehr große Erdbeben der Stärke 9 auch in anderen Gebieten des Landes auftreten können“, sagte Moernaut, Erstautor der Studie. Inzwischen seien ähnliche Studien auch in Seen in Alaska, Sumatra und Japan initiiert worden. Die Forscher wollen herausfinden, ob die chilenischen Muster auch für andere Gebiete gelten, die in der Vergangenheit sehr große Erdbeben erlebt haben.

Untersuchungen auch in Tiroler Seen

Moernaut habe mit vergleichbaren Untersuchungen nun auch in Seen in Tirol und Kärnten begonnen. Da Erdbeben hier seltener auftreten, sei es jedoch umso schwieriger, ihre Wahrscheinlichkeit und das mögliche Ausmaß abzuschätzen. Die Studie erschien im Fachmagazin Earth and Planetary Science Letters. (TT.com, APA)


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