Blutiger Streit unter Asylwerbern 2 - Einvernahme der Beschuldigten

Wiener Neustadt (APA) - Im Juli 1998 in Afghanistan geboren, keine Schulausbildung, seit zwei Jahren allein in Österreich - die Eltern habe ...

Wiener Neustadt (APA) - Im Juli 1998 in Afghanistan geboren, keine Schulausbildung, seit zwei Jahren allein in Österreich - die Eltern habe er auf der Flucht verloren, schilderte der Erstangeklagte auf Richterfragen seine Lebensgeschichte. Acht Monate verbrachte der Analphabet im Erstaufnahmezentrum in Traiskirchen, zuletzt wohnte er in Baden.

Deutschkurs? „Zwei, drei Wochen“, ließ er via Dolmetscher wissen. Dennoch dürfte er ganz gut Deutsch verstehen, wie die Richterin anmerkte. Im Gefängnis - seit September in U-Haft - sei ihm nichts anderes übriggeblieben, niemand spreche seine Muttersprache, entgegnete der 19-Jährige, der einen negativen Asylbescheid beeinsprucht hatte.

Seit einigen Monaten trainierte der Asylwerber in einem Fitnesscenter in Traiskirchen, wo sich an jenem Abend die erste Auseinandersetzung mit dem späteren Opfer und dessen Begleiter entwickelte - es ging dabei um seine damalige Freundin. Er sei vor dem Klub zusammengeschlagen worden, erzählte der Angeklagte. Er habe Angst gehabt. Warum er dann dieselbe Zuggarnitur nach Baden wie seine Kontrahenten bestieg? „Ja, das war mein Fehler. Und auch, dass ich das Messer beim Döner-Stand gestohlen habe. Das war einfach spontan - blöd“, sagte der 19-Jährige und verwies auf seine Unbescholtenheit. Das sei alles unabsichtlich passiert - auch der Bauchstich. Er habe gar kein Blut gesehen. Auf die Frage, warum er dann dem schreienden Opfer nicht geholfen habe, meinte der Afghane, ihm mit dem Messer in der Hand nachzulaufen wäre „dumm“ gewesen.

Der ebenfalls unbescholtene Zweitangeklagte, im Irak geborener Kurde mit iranischer Staatsbürgerschaft, hatte eigenen Angaben zufolge für die Kurden gekämpft. Der 18-Jährige war der telefonischen Aufforderung seines Freundes, ihn am Bahnhof zu erwarten, gefolgt. Er begrüßte auch die beiden anderen, ihm ebenfalls bekannten Asylwerber, als diese den Zug verließen. Dann habe der Erstangeklagte ihm gesagt „schlag zu!“. In der Folge fixierte der 18-Jährige den Begleiter des 15-Jährigen am Boden - „weil er mich angegriffen hat.“ Er habe daher nicht viel von dem ganzen weiteren Geschehen gesehen.

Am Nachmittag waren Zeugen geladen, auch das gerichtsmedizinische Gutachten stand an. Ein Urteil war am Dienstag nicht geplant: Am zweiten Verhandlungstag sollten morgen, Mittwoch, weiters ermittelnde Beamte Auskunft über den Fall geben.


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