Bei Drogenscheingeschäft verhaftet: Prozess in Salzburg

Salzburg/Haid (APA) - Am Landesgericht Salzburg haben sich am Dienstag zwei Albaner wegen Drogenhandels verantworten müssen. Die beiden Cous...

Salzburg/Haid (APA) - Am Landesgericht Salzburg haben sich am Dienstag zwei Albaner wegen Drogenhandels verantworten müssen. Die beiden Cousins, 23 und 29 Jahre alt, waren am 13. Juli 2017 bei der Übergabe von mehr als 63 Kilogramm Cannabiskraut nahe eines Einkaufszentrums in Haid (OÖ) einem V-Mann der Polizei auf den Leim gegangen. Das Suchtgift hätte wohl einen Straßenverkaufswert von bis zu 600.000 Euro gehabt.

Die zwei bisher unbescholtenen Angeklagten zeigten sich heute vor Gericht (Vorsitz Richterin Anna-Sophia Geisselhofer) weitgehend geständig. Demnach trafen sie Ende Juni 2017 in Salzburg erstmals mit einem kurz zuvor aus der Haft entlassenen Drogenhändler zusammen - ohne zu wissen, dass sich dieser kurz zuvor für die Aussicht auf ein mildes Urteil und eine finanzielle Belohnung der Polizei als Vertrauensperson (VP) angeboten hatte.

Weil die Albaner kein Deutsch konnten, fädelten sie das Geschäft „in Zeichensprache, gebrochenem Englisch und wenigen Brocken Italienisch“ ein. Der Anklage zufolge waren sie auf der Suche nach einem Käufer für 100 Kilogramm Marihuana. Und sie meinten, weitere 100 Kilo aus Italien nach Österreich bringen zu können. Eine Woche vor der Übergabe stellte ihnen ihr Kontakt einen verdeckten Ermittler der Polizei als Kaufinteressenten vor. Bei einem Treffen wurde ein Verkaufspreis von 2.500 Euro pro Kilo Cannabis festgelegt.

Seine Provision hätte dabei 100 Euro pro Kilo betragen, sagte der 23-jährige Angeklagte vor Gericht. Sein Cousin hätte davon keinen Anteil bekommen, weil dieser nur auf der Durchreise gewesen sei. Überhaupt versuchte der jüngere Albaner, ein Gelegenheitsarbeiter, heute seinen Cousin zu entlasten. Er sei zwar bei den Treffen und bei der Übergabe dabei gewesen, habe aber nur wenig von dem Deal gewusst. „Ich wollte nicht, dass er solche Geschäfte macht. Ich habe ihn aber nicht davon abhalten können“, sagte der Ältere dann zur Richterin. Zur Übergabe sei er nur mitgegangen, weil sein Cousin Angst gehabt hätte.

TT-ePaper gratis lesen

Die Zeitung jederzeit digital abrufen, der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.

TT ePaper

Als es schließlich zur Übergabe kam, entschuldigten sich die Angeklagten beim verdeckten Ermittler zunächst, dass sie nicht 100 Kilo, sondern nur 63 Kilo dabei hatten. Kurz darauf schnappte die Falle der Polizei zu. Bei einer Durchsuchung wurde beim Jüngeren eine Hosentaschenpistole gefunden. Nach einem Abgleich der Fingerabdrücke stellte sich heraus, dass dem 23-Jährigen auch ein im Frühjahr 2017 in einem Wald bei Traun gefundener Revolver und 1,4 Kilo Cannabiskraut zuzuordnen sind.

Unklar blieb im Prozess, wer den Deal tatsächlich eingefädelt hat. Der jüngere Angeklagte meinte, er sei von der Vertrauensperson der Polizei nach Drogen gefragt worden. „Ich habe ihm nichts angeboten. Er hat gefragt, ob wir 200 Kilo besorgen können. Und ich habe gesagt, ich muss erst schauen, ob ich diese Menge bekomme.“ Die Vertrauensperson der Polizei versicherte vor Gericht allerdings, es seien die Albaner gewesen, die Abnehmer für das Cannabis gesucht hätten.

Die beiden Verteidiger - der Wiener Anwalt Mirsad Musliu und sein Salzburger Kollege Kurt Jelinek - sprachen am Dienstag von einer schiefen Optik. Die Kontaktperson sei achtfach vorbestraft und erst im Oktober in Wien wegen Handels von 75 Kilo Cannabis verurteilt worden. Er sei nur wegen des Deals mit der Polizei so schnell wieder enthaftet worden und habe die Angeklagten möglicherweise zu den Taten provoziert.

Das Urteil wird für den Nachmittag erwartet. Den beiden Albanern droht aufgrund der großen Menge eine Freiheitsstrafe von bis zu 15 Jahren.


Kommentieren