Retter: „Die Bedeutung des Handels wird unterschätzt“

Peter Retter, Centermanager der RathausGalerien, kritisiert die wilde Expansion einzelner Filialisten und die Einstellung der Politik zum Handel.

Peter Retter, Centermanager der RathausGalerien, zählt rund 15.000 Besucher pro Tag.
© Rudy De Moor

Wie haben sich die Innsbrucker RathausGalerien in den vergangenen Jahren entwickelt?

Peter Retter: Sehr gut, das liegt vor allem an der Lage. In der Immobilienwirtschaft heißt es nicht umsonst: Lage, Lage, Lage. Wir liegen hier in einer 1-A-Lage in der Maria-Theresien-Straße, das ist ein ganz enormer Wettbewerbsvorteil. So haben sich Besucherfrequenz und Umsätze gut entwickelt.

Wie unterscheiden sich die RathausGalerien von anderen Einkaufszentren in Innsbruck und Umgebung?

Retter: Dass sich bei uns alles auf einer Ebene abspielt, ist ein wichtiger Vorteil, vertikale Strukturen sind im Allgemeinen Bremsen. Die RathausGalerien sind perfekt an den öffentlichen Nahverkehr angebunden und unsere öffentliche Tiefgarage ist sehr gut erreichbar. Der Anteil der Gastronomie in unserem Einkaufszentrum ist relativ hoch, er liegt etwas über dem üblichen Durchschnitt. Aufgrund unserer Kleinheit, mit bis zu 26 Shops, sind wir sehr gut mit der innerstädtischen Handelsstruktur vernetzt.

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Werden neue Geschäfte in den RathausGalerien eröffnen?

Retter: Demnächst eröffnet Odlo, ein Hersteller und Händler von Sportfunktionsunterwäsche. Weiters wird ein neues Schuhgeschäft italienische Schuhmode anbieten.

Die Zahl der Einkaufszentren in Innsbruck und Umgebung ist relativ groß, wie beurteilen Sie die Situation?

Retter: Der Markt ist gesättigt. Das Angebot lässt sich nicht immer und überall wirtschaftlich darstellen.

Auf was spielen Sie an?

Retter: Eine, meiner Meinung nach, nicht sinnvolle Raumordnungsentwicklung sowie die wilde Expansion einzelner Filialisten. Manchmal muss man sich schon fragen, ob es immer sinnvoll ist, eine Filiale dort aufzubauen, nur weil das Konkurrenzunternehmen schon da ist. Die einzelnen Teile des Kuchens werden immer kleiner und der Kuchen selbst hingegen bleibt etwa gleich groß. Nur ebenso vor Ort zu sein, ist kein besonders wirtschaftliches Argument.

Was müsste sich in Sachen Raumordnung ändern?

Retter: Die Entscheidungshoheit liegt derzeit bei den Gemeinden beziehungsweise den Bürgermeistern, die Entscheidungen müssten jedoch auf Bezirks- oder noch besser auf Landesebene fallen.

Wie ist es mit dem Ansehen des Handels bei der Politik bestellt?

Retter: Die Politik muss begreifen, wie wichtig der Handel für Stadt- und Ortszentren ist. Teilweise ist dieses Bewusstsein bei den Verantwortlichen leider unterentwickelt. Der Handel ist nach wie vor ein sehr großer Arbeitgeber. Man darf aber den Handel nicht nur isoliert betrachten, sondern man muss auch die Gastronomie dazuzählen, die sich um ihn herum ansiedelt. Die Bedeutung der Branche wird unterschätzt. Ein Stadt- oder Ortskern ohne Handel ist tot.

Können Sie ein Beispiel für dieses mangelnde Bewusstsein in puncto Handel geben?

Retter: Das fängt bei den Öffnungszeiten an und geht hin bis zu monetären Beiträgen zu gewissen Veranstaltungen. Ein Beispiel: Innsbruck@night und „Ganz Innsbruck tanzt" werden hauptsächlich durch den Handel beziehungsweise das Stadtmarketing und den Innenstadtverein initiiert. Bei beiden Veranstaltungen würden wir uns eine konstruktivere und stärkere Mitarbeit seitens des Tourismus wünschen, aber auch seitens der Stadt. Ich gewinne langsam den Eindruck, dass solche Veranstaltungen, die besonders der eigenen Bevölkerung zugutekommen, mit Peanuts abgespeist werden, andere Veranstaltungen werden hingegen mit Geld förmlich überschüttet. Da werden unterschiedliche Maßstäbe angelegt und das bedaure ich.

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