Mordversuch-Prozess 2 - Angeklagter laut Gutachten zurechnungsfähig

Linz/Walding (APA) - Die psychiatrische Sachverständige Adelheid Kastner attestierte dem Mann zum Tatzeitpunkt Zurechnungsfähigkeit. Er sei ...

Linz/Walding (APA) - Die psychiatrische Sachverständige Adelheid Kastner attestierte dem Mann zum Tatzeitpunkt Zurechnungsfähigkeit. Er sei durch Alkohol beeinträchtigt, aber noch orientiert gewesen. Seine Angaben ihr gegenüber bezeichnete sie als „wechselhaft“. Vom Angeklagten vor Gericht behauptete Erinnerungslücken seien „medizinisch nicht erklärbar“.

Der Angeklagte hatte bei seiner Einvernahme am Vormittag plötzlich gesagt, er könne sich nicht mehr genau an den Tatablauf erinnern. Er räumte allerdings auf Nachfrage der Staatsanwältin, ob er seine Partnerin mit dem Messer angegriffen habe, ein, „dass mir das passiert ist“. Zu seiner Flucht durch einen Sprung vom Balkon im ersten Stock hatte er bei der Polizei gesagt, er habe nicht flüchten, sondern sich umbringen wollen. Nun wusste er nicht mehr, ob er über den Balkon oder auf einem anderen Weg das Haus verlassen habe.

Kastner führt aus, der Angeklagte leide weder an einer Geisteskrankheit noch an einer Persönlichkeitsstörung. Er verfüge zwar über eine unterdurchschnittliche Schulbildung, sei aber nicht minderbegabt, sondern im praktischen Leben sogar „gewieft“. Es gebe auch keine Anzeichen auf eine posttraumatische Belastungsstörung. Eine große Gefährlichkeit sieht Kastner nicht. Allerdings sei es möglich, dass der Afghane in weiteren Partnerschaften wieder in Konflikte gerate.

Der Angeklagte habe in Österreich begonnen Alkohol und auch Drogen zu konsumieren, so die Psychiaterin. Am Tatabend sei er „mittelgradig alkoholisiert“ gewesen. Vom Test rückgerechnet dürfte er zum Zeitpunkt der Messerattacke zwischen 1,5 und 2,5 Promille gehabt haben. Aus seinen Handlungen ergebe sich aber, dass er noch fähig zu zielgerichteten Handlungen, also orientiert gewesen sei.

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Der Gerichtsmediziner Johann Haberl erklärte, dass es beim Opfer keine schweren Dauerfolgen gebe. Wohl seien aber ausgeprägte Narben geblieben - nicht nur durch die Stiche, auch durch die Notoperation. Die Bauchverletzung sei potenziell lebensbedrohlich gewesen. „Wenn man mit einem Messer gegen den Bauch- oder Brustbereich sticht, ist damit zu rechnen, dass dieser Angriff schwere lebensbedrohliche Verletzungen nach sich zieht.“ Hätte der Angeklagte die Frau - wie er es laut Anklage zu Beginn versucht habe - in den Hals gestochen, wäre auch das potenziell lebensbedrohlich gewesen, so Haberl.

Bei der Einvernahme des Opfers wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen, auch der Angeklagte musste den Gerichtssaal verlassen. Die Frau blieb laut Gericht im Wesentlichen bei ihren bisherigen Aussagen und beschrieb die Vorgänge wie in der Anklage.

Am späten Nachmittag standen noch die Schlussplädoyers von Anklage und Verteidigung am Programm. Ein Urteil ist am Abend zu erwarten.


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