Auf der Rodel über die Alpen

Rolf Majcen ist als Skibergsteiger und Treppenläufer bekannt. Zum ersten Mal hat er sich auf eine Rodel gesetzt. In sechs Tagen fuhr er über 150 Kilometer, auch in Tirol.

Abfahrt im ersten Licht des Tages: Extremsportler und Jurist Rolf Majcen auf der Gornegrat-Rodelbahn bei Zermatt. Im Hintergrund das berühmte Matterhorn.
© Majcen

Von Philipp Schwartze

Innsbruck –Ein Ziehen in den Oberschenkeln. Rolf Maj­cen spürte nach dem ersten Tag und vier Rodelabfahrten in Südtirol seinen Muskelkater. Und das, obwohl der 51-Jäh­rige sonst in Rekordzeiten Hunderte Stufen beim Treppenlauf überwindet, begnadeter Skifahrer ist und den sportlichen Wettkampf liebt. „Rodeln ist etwas völlig anderes, eine andere Perspektive. Und man spürt eben jede Bodenwelle“, lacht Majcen im Nachhinein.

Mehr als 150 Rodelkilometer ist der Niederösterreicher in sechs Tagen auf 18 Rodelstrecken in Südtirol, der Schweiz, Tirol und Salzburg gefahren. Dabei besitzt der Teesdorfer, vom Brotberuf Jurist, keine eigene Rodel. „Ich wollte unbedingt mit meiner Lebensgefährtin etwas im Schnee machen. Aber Skifahren kann sie nicht“, erklärt Majcen.

Und so plante er eine fünftägige Rodeltour, die durch einen Tag Schlechtwetter verlängert werden musste. „Ich bin superglücklich, dass wir so gutes Wetter gehabt haben“, resümiert er aber.

Angefangen hat er an besagtem ersten Tag vor dem Muskelkater in den Sextner Dolomiten. „Als großer Fan Südtirols war das bei der Planung sofort klar. Aber dann dachte ich, wieso nicht auch noch in die Schweiz und nach Österreich?“

Majcen beim Aufstieg zum Faulhorn (2681 Meter) im Berner Oberland.
© Majcen

Gesagt, getan: Zusammen mit seiner chinesischen Lebensgefährtin Jin Lan, die ebenfalls vorher noch nie rodelte, borgte er sich eine Rodel aus und lud sie in den Kofferraum. „Wir haben öfter im Auto übernachtet, waren die Ersten morgens auf der Rodelbahn und die Letzten am Abend.“ Am zweiten Tag ging es – trotz schmerzenden Oberschenkeln – erst ins Ahrntal, dann über Ritten, Reinswald und die längste Rodelbahn Italiens, am Rosskopf bei Sterzing (11,7 Kilometer), auf die Plose bei Brixen, um den Tag beim Nachtrodeln in Obereggen ausklingen zu lassen. Die Begeisterung des Neo-Rodlers ist unüberhörbar, wenn er von seinen sechs Tagen auf zwei Kufen spricht. „Es ist ein unglaubliches Naturerlebnis. Ich hätte mir nie gedacht, dass Rodeln so viel Spaß macht.“ Majcen findet Elemente aus Sportarten wie Surfen, Reiten und Motocross-Fahren.

Am dritten Tag fahren Maj­cen und Lan in die Ost-Schweiz zu den Fideriser Heubergen und nach Bergün. „Dort ist das Rodel-Mekka“, ist der Extremrodler überzeugt. Das hat nicht nur mit der Abfahrt zu tun: Die Rhätische Bahn, ein Weltkulturerbe, brachte das Rodelpaar nach oben.

„Wir haben die Tour so geplant, dass wir fast überall hinauffahren können“, sagt Majcen. Nur bei der längsten Rodelbahn der Welt, der „Big Pintenfritz“ im schweizerischen Grindelwald, brauchte es Muskelkraft für den Weg nach oben. Vor der Eiger Nordwand geht es dann 15 Kilometer bergab. Die Bahn wird zu einer von Majcens Favoriten, zu denen auch die einzige Tiroler Rodelbahn in seiner „Rodeltour“ zählt: die Bergkastel-Bahn in Nauders.

Davor fuhr der Niederösterreicher noch mit seiner Rodel nach Zermatt, warf einen Blick von der Rodelbahn auf das Matterhorn und fuhr dann über die Zentralschweiz nach Tirol. Den Abschluss bildete die längste Rodelbahn in Österreich, die Wildkogel-Abfahrt (14 Kilometer) beim Großvenediger.

Einen Wettkampf möchte der ehrgeizige Sportler aus dem Rodeln aber nicht machen. „Einfach genießen“, lautet sein Motto. „Am liebsten würde ich sofort wieder losfahren.“


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