TT-Chat mit SPÖ-Chefin Blanik: Vom Leben in Stadt und Land

Tirols SPÖ-Chefin stand gestern am Telefon und im Chat Rede und Antwort. Elisabeth Blanik über die neue SPÖ, Gerechtigkeit und das Tirol der zwei Geschwindigkeiten.

Elisabeth Blanik beantwortete die Fragen der TT-Leser.
© Thomas Boehm / TT

Von Nikolaus Paumgartten

Innsbruck –Elisabeth Blanik telefoniert. Allerdings spricht sie dabei nicht in den TT-Telefonhörer, sondern noch in ihr Handy, das kurz vor Beginn der Chat- und Telefonstunde geläutet hat. „Wegen der Schaltungen? Ja, einen Moment, da muss ich dich jetzt weitergeben“, sagt die Tiroler SPÖ-Chefin und reicht das Handy ihrem Pressesprecher, der damit den Raum verlässt. Es ist Wahlkampf und dabei müssen auch die Termine für Werbebeiträge und Inserate laufend koordiniert werden.

Was denn an der plakatierten „neuen SPÖ“ so neu sei, lautet schließlich die erste Frage im Chat und Blanik berichtet vom sanierten Parteihaus, einer neu aufgestellten Liste und einem neuen Wahlprogramm, während sie vom Pressesprecher ihr Handy wieder zugereicht bekommt – das allerdings sogleich wieder zu läuten beginnt. „Ich lass’ es bei dir“, sagt sie und gibt es direkt zurück. Der nächste Anruf wird angenommen, geht er doch auf dem TT-Telefon ein. Und der Herr am anderen Ende der Leitung in Kitzbühel hat Lob für Blanik im Gepäck. „Danke, dass Sie kandidieren und einen positiven Wahlkampf machen“, sagt er und will wissen, wie weit sich die SPÖ für Lohngerechtigkeit und gegen Lohndumping im Tourismus einsetzt. „Die Lohngerechtigkeit, also Gleichbehandlung von Männern und Frauen, hat höchste Priorität“, erklärt die SPÖ-Chefin. Sie ist sichtlich erfreut über die freundlichen Worte. „Im Tourismus erkennen wir ganz klar, dass wir hier eine Branchenflucht haben.“ Sie sei daher glücklich, mit dem ÖGB-Vorsitzenden Philip Wohlgemuth einen Experten auf der Liste zu haben, der sich seit vielen Jahren im Bereich Arbeitsbedingungen im Tourismus einsetze.

Kritik statt Lob kommt vom nächsten Anrufer, der sich von der SPÖ wünscht, das Thema Pflegeregress aktiver anzusprechen: „Denn da habe ich im Wahlkampf von euch bis jetzt nichts gehört.“ Blanik gibt dem Herrn Recht, dass hier Handlungsbedarf bestehe und erklärt, dass die Landesregierung nichts entscheidet und das Thema stets auf die nächste Ebene abwälzt. „Die Aufforderung, dass wir das im Wahlkampf mehr zum Thema machen sollen, nehmen wir gerne auf.“

Elisabeth Blanik griff auch zum Hörer.
© Thomas Boehm / TT

„Hallo, bin ich da bei der TT?“, fragt eine Anruferin aus Osttirol und ist überrascht, dass sie mit Elisabeth Blanik verbunden ist. Denn eigentlich habe sie wegen dem Abo anrufen wollen. „Ja, da kann ich Ihnen jetzt leider nicht helfen“, lacht die SPÖ-Chefin und lässt die Dame an die richtige Stelle verbinden.

Das, was dann ein User im Chat anspricht, wird sich bis zum Ende wie der sprichwörtliche rote Faden durch den eineinhalbstündigen Telefon- und Chat-Termin ziehen: das Gefälle zwischen Stadt und Land. „Was kann man unternehmen, um für junge Menschen am Land dieselbe Lebensqualität zu schaffen wie für diejenigen in der Stadt?“, will ein Leser wissen. Blanik nickt, als sie die Frage liest: „Ja, das ist wirklich ein ganz zentrales Thema in Tirol. Es gibt dieses Gefälle, es gibt das Tirol der zwei Geschwindigkeiten.“ Diese Unterschiede gelte es aufzuheben – beispielsweise durch die Schaffung von dezentralen Zentren etwa für die Bereiche Bildung und Arbeitsplätze. Gemeinsame Gewerbegebiete von Gemeinden sowie der gemeinsame Breitbandausbau würden den ländlichen Raum zudem stärken. „Denn gerade die Digitalisierung ist ein zentraler Punkt im Stadt-Land-Gefüge.“

Auch für den öffentlichen Verkehr müssten mehr Mittel bereitgestellt werden. Ein Student will etwa wissen, wie er nach Hause kommen soll, wenn am Abend keine Busse mehr in die Täler fahren. „Wir unterstützen ganz klar die Nightliner-Aktionen. Das sind gut investierte Mittel.“

Eine Anruferin würde gerne von der Stadt aufs Land ziehen, kann sich dort aber keine Wohnung leisten, weil sie dort nicht sofort Mietzinsbeihilfe beziehen kann. Ein Problem, das auch Blanik sieht: „Die Wohnbeihilfe bekommt man in ganz Tirol sofort, aber bei der Mietzinsbeihilfe gibt es Wartezeiten. Wir wollen beide zu einem einheitlichen System zusammenführen.“

Redakteure von Online und Print sorgen dafür, dass die Antworten der Spitzenkandidaten auf TT.com und in der Zeitung stehen.
© Thomas Boehm / TT

Die Antworten auf die Fragen, die im Internet und am Telefon eintrudeln, hat Blanik rasch parat und formuliert sie entsprechend schnell. Nur bei einem Thema steigt sie deutlich auf die Bremse. Nämlich als es um den Patscherkofel geht. Ein Innsbrucker will wissen, warum die Innsbrucker SPÖ als Teil der Stadtregierung für das Projekt Patscherkofel neu gestimmt und zweimal der Kostenerhöhung auf 58 Millionen Euro zugestimmt hat. Jetzt wägt die rote Parteifrontfrau ihre Antwort genau ab, und korrigiert sich bei der Formulierung. Es ist dünnes Eis, auf das sie sich begeben muss. Denn ganz offensichtlich will sie die Genossinnen und Genossen in der Landeshauptstadt nicht von hier aus belehren oder vor den Kopf stoßen – zumal in Innsbruck am 22. April ein neuer Gemeinderat gewählt wird. Und so fällt die Antwort so aus, wie es in Hochwahlkampfzeiten untypisch ist – nämlich diplomatisch: „Ich denke, man hat sich hier im Vorfeld auch seitens der Innsbrucker SPÖ in Arbeitsgruppen der Stadt intensiv mit dem Projekt auseinandergesetzt.“ Sie verstehe den Willen der Stadt, den Hausberg zu aktivieren, kritisiere aber das Projektmanagement.

Am Ende der Telefonstunde nimmt Blanik wieder ihr privates Handy an sich und geht die Anrufliste durch. „Vier Anrufe in Abwesenheit“, stellt sie fest. „Nein, nein. Es waren deutlich mehr“, schmunzelt ihr Pressesprecher. Wahlkampf eben.


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