Felsstürze im Bezirk Landeck: ,,Nicht immer haben wir Schutzengel“

Felsabbruch und Hangrutsche im Bezirk Landeck lösen Angst und Ärger aus. Stadtchef Wolfgang Jörg sieht keine Alternative zum unverzüglichen Galeriebau. Drei Landesstraßen bleiben bis zu 14 Tage gesperrt.

Die Sperre der Landecker Landesstraße L76 soll zwei Wochen dauern, auch Sprengarbeiten sind angekündigt.
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Von Helmut Wenzel

Landeck, Fließ, Ladis –„Wir haben zwei Straßensperren. Ich wohne in Fließ-Dorf, mein Arbeitsplatz ist in Landeck. Mit dem Pkw bin ich normal 15 Minuten unterwegs, jetzt brauche ich eine halbe Stunde länger.“ So schildert ein Angestellter seinen täglichen Umweg durch den Landecker Tunnel – wegen der Sperre der Landecker Landesstraße L76. Weil auch die Piller Straße L17 wegen eines Hangrutsches gesperrt ist, müssen die Fließer die einspurige Umfahrungsstraße über Eichholz nutzen und Ausweichmanöver in Kauf nehmen. Seine Familie habe Angst, „wenn die Kinder mit dem Schulbus wieder auf der L76 nach Land­eck unterwegs sind“.

Trotz Schutzbauten löst sich Gestein aus dem Felshang.
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Dem Unternehmer Rupert Weiss mit Firmenstandort in der Fließer Au ist nach dem neuerlichen Felsabsturz am Donnerstag der Kragen geplatzt: „Was muss noch alles passieren, damit endlich die Galerie gebaut wird? Von der Hinhaltetaktik haben wir die Schnauze voll. Die Politik soll endlich verbindliche Aussagen treffen, bis wann die längst geforderte Galerie gebaut wird.“ Leider sei die Fließer Au „ein stinknormales Gewerbegebiet und keine Tourismusregion“. „Sonst hätten wir längst die Galerie oder einen Tunnel.“ Im Moment müsse er täglich ab 6.30 Uhr drei Lehrlinge über den Umweg abholen.

Nach dem Felsabsturz am Donnerstag gegen 14.20 Uhr waren noch zahlreiche Fahrzeuge auf der L76 unterwegs.
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Auch Landecks Stadtchef Wolfgang Jörg nimmt sich kein Blatt mehr vor den Mund: „Irgendwann sind alle Schutzengel verbraucht. Der Galeriebau ist ein Muss, da gibt es keine Alternative mehr. Alles andere hat sich nicht bewährt. Es geht um den Talkessel, den Wirtschaftsraum, das Obere Gericht. Es geht um Sicherheit für Tausende Autos, Menschen und Schulkinder.“

Am Felshang oberhalb der Landecker Straße werde es kommende Woche Sprengarbeiten geben, wie BH-Verkehrsreferent Siegmund Geiger am Freitag mitteilte. „Dazu muss die Fahrbahn mit Material aufgeschüttet werden, damit es zu keinen Beschädigungen kommt.“ Danach werden Stahlnetze befestigt, und die beschädigte Holzbohlenwand soll instand gesetzt werden. Solange die L76 gesperrt ist, entfalle die Vignettenpflicht durch den Landecker Tunnel, so Geiger. Und: „Der Inn bleibt auf diesem Abschnitt für die Schifffahrt gesperrt.“

Arbeiter kletterten mit Motorsäge in die fast senkrechte Ausbruchstelle.
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Mit der Entscheidung, welche Maßnahmen südlich von Landeck umgesetzt werden, rechne er im Juni, sagte LHStv. Josef Geisler auf TT-Anfrage am Freitag. „Zuerst aber brauchen wir geologische Expertisen und profunde Untersuchungen, die im Frühjahr beginnen.“ Nach seinem Wissensstand könne er sich eine Kombination aus Schutzzäunen und Galeriebau vorstellen, sagte der Landesstraßenreferent.

Bei Ladis löste sich Engadiner Schiefer aus dem Hang.
© Gemeinde ladis

In Fließ bleibt die Piller Straße L17 gesperrt – voraussichtlich bis Ende Februar, wie Bürgermeister Hans Peter Bock bestätigte. „Ein Hang unterhalb der Philomena-Kapelle ist abgerutscht. Wir sind froh, dass niemand zu Schaden gekommen ist und dass ein Strommast nicht versetzt werden muss“, so der Bürgermeister. Die Lader müssen ebenfalls einen Umweg – über die Fisser Höfe bzw. die Serfauser Landesstraße L19 – in Kauf nehmen. Kurz nach der Abzweigung Ried-Ladis hat sich Engadiner Schiefer aus einem Hang gelöst. „An einer Stelle, wo wir es nicht vermutet hätten“, räumt Bürgermeister Florian Klotz ein. Die Dauer der Sperre könne vorerst nicht abgeschätzt werden, so Klotz.

Aus dem durchnässten Hang stürzte auch gestern Gestein auf die Fahrbahn.
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