Geschiedene sollten wieder Kommunion empfangen

Im Zuge der Dekanatstage widmete sich Bischof Hermann Glettler in Silz den Sorgen der Menschen. Ideen für „Neubeginn“ überraschten.

Die dritte Station seiner Dekanatstage war in Silz, wo Bischof Hermann Glettler von zahlreichen Gläubigen sowie Pfarrer Andreas Agreiter (l.) und Bürgermeister Helmut Dablander (r.) willkommen geheißen wurde.
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Von Agnes Dorn

Silz –Dass der neue Bischof von Innsbruck ein Mensch ist, der seinen Mitmenschen sehr nahe steht, merkt man sofort. Ungezwungen geht er auf jeden Einzelnen zu und hat sich gleich zu Beginn seiner Amtszeit als einer zu erkennen gegeben, der sich den Sorgen der Menschen widmen und die Gläubigen stärker in die Arbeit der Seelsorge einbinden möchte. Teil der kürzlich begonnenen Dekanatstage waren daher auch Workshops, in denen konkrete Probleme der einzelnen Regionen sowie die positiven Veränderungen der pastoralen Arbeit der jüngeren Zeit thematisiert wurden.

In Silz bildeten die Teilnehmer aus den teilweise bereits errichteten sieben Seelsorgeräumen des Dekanats jeweils eine Gruppe, um sich den Fragen des neuen Bischofs zu widmen. Die verdeckte Armut alleinerziehender Mütter, die Altersarmut und die Einsamkeit vieler Menschen trotz ihres Wohlstands wurden als Sorgen der anwesenden Dekanatszugehörigen genannt. Speziell am Mieminger Plateau und in Mötz würden viele Menschen wohnen, die dort nur ihren Wohnsitz hätten, in Innsbruck dagegen arbeiten und ihre Freizeit verbringen würden. Auch der Jahresrhythmus des Tourismus im Ötztal würde für viele Menschen eine Gefahr und eine Last in sich bergen. „Dass man heute das Dorf nicht mehr braucht, hat die Kehrseite, dass die Kommunikation zwischen den Menschen verschwindet“, resümierte Bischof Glettler.

Um die Zeichen der Zeit wahrzunehmen und „Gott flexibel eine Antwort geben zu können“, hat Bischof Glettler ganz konkrete Ideen, um die Aufgaben der mehrere Pfarren umfassenden Seelsorgeräume auf ein „Netzwerk von pfarrlichen Zellen“ aufzuteilen: „Es hängt nicht jede Verantwortung am Priester. Man kann zum Beispiel in der Seelsorge oder bei der Verwaltung Synergien schaffen“, empfiehlt Glettler. Eine „Kirche in der Nachbarschaft“, die sich wöchentlich in kleineren Pfarrzellen zum Gebet und Gespräch trifft, ist eines der beiden konkreten Projekte, die der neue Bischof in die Dekanate trägt, um die Menschen der katholischen Kirche zu motivieren, sich in kleinen Strukturen zu vernetzen.

In einer zweiten Initiative möchte Glettler ab der Fastenzeit 2019 Geschiedenen und Wiederverheirateten im gleichnamigen Programm einen „Neubeginn“ und damit den neuerlichen Zugang zur Kommunion ermöglichen. Auch dem interreligiösen Dialog misst er eine große Bedeutung zu: „Die Kirche darf sich nicht in der Barockkirche, der Sakristei oder im Pfarrbüro verstecken.“

Auch in Silz ging der Bischof ungezwungen auf die Menschen zu.
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