Bezirk Innsbruck Land

13.000 genossen Thaurer Mullerlaufen

Brauchtum in Bewegung: Die rau und grimmig auftretenden Zottler zählen zu den wildesten Figuren der Fasnacht in den Martha-Dörfern. Die Fransen für ihr Gewand werden aus Kartoffelsäcken gerupft und eingefärbt.
© Michael Kristen

Über 600 Aktive zeigten gestern bei strahlendem Sonnenschein Fasnachtsbrauchtum der lebendigsten Art. Als Spiegeltuxer und Klötzler, Zottler, Zaggeler oder Hexen boten sie ein farbenprächtiges Gesamtbild.

Von Michael Domanig

Thaur –Sonntag, 13 Uhr, nur noch eine halbe Stunde bis zum Beginn des großen Fasnachtsumzugs der Martha-Dörfer, der nach fünf Jahren wieder in Thaur gastiert. Bei den Thaurer Mullern, die gegenüber vom Feuerwehrhaus Aufstellung nehmen, ist die positive Anspannung mit Händen zu greifen.

Der geheimnisvolle „Krameter“ eröffnete den Zug der Muller.
© Michael Kristen

„Wir sind voll im Mullerfieber“, bestätigt Peter Schaur. Der 32-Jährige, der mit sechs Jahren als blaugewandeter Zaggeler begonnen hat, ist nun schon seit 20 Jahren stolzer Klötzler: Er trägt ein mit naturfarbenen Holzschindeln besetztes Gewand und schafft lautstark Platz für die nachfolgenden Frühlingsfiguren. Wichtig dabei: „Man muss den Rhythmus halten, das Gwandl muss in Bewegung bleiben.“ Und vor allem: „Es muaß teiflisch klappern.“ Für ihn ist fix: „I geh als Klötzler, bis i’s nimma dahupf.“

Romed Schaur ist gar schon seit 1979 (!) als Spiegeltuxer unterwegs. Seine Motivation, sich immer wieder den ca. neun Kilo schweren, 110 Zentimeter hohen, mit Spielhahn- und Gockelfedern sowie rund 200 kleinen Spiegeln besetzten Kopfschmuck „aufzuhalsen“? „Das ist der Trieb der Fasnacht“, meint er lapidar. Ihm gehe es darum, die Sommerfigur möglichst elegant und majestätisch vorzuführen. Die Schrittfolge sei natürlich „längst Routine“, lacht er.

Auch der 15-jährige Fabian Singewald ist, obwohl „erst“ seit vier Jahren dabei, schon Fasnachtsprofi: Er ist ein Zottler, eine grimmige Winterfigur mit streng dreinblickender Larve und buntem Fransengewand. Wenn dieser den „Frosch“ aufführt – also sich flach auf den Boden legt – und ihm ein Melcher oder Tuxer auf den Ranzen steigt, dann hat das Frühjahr endgültig den Winter besiegt.

Romed Schaur ist schon seit 1979 Spiegeltuxer aus Leidenschaft.
© Michael Kristen

Apropos: Bei strahlendem Sonnenschein herrschte gestern optimales Mullerwetter – die Stoßgebete der veranstaltenden Schützenkompanie Thaur wurden erhört. Und mit 13.000 Zuschauern selbst die kühnsten Erwartungen übertroffen. Über 600 Aktive – natürlich auch aus den Nachbargemeinden Rum und Absam – boten den Besuchern ein fantastisches Gesamtbild: Die Palette reichte vom mystischen Krameter im Gewand aus Wacholderstauden über die schneidigen „Melcher“, die im Takt des Mullerwalzers plattelten, bis zu den wilden Zaggelern, Zottlern, Bären und Affen. Für besondere Begeisterung sorgten natürlich die zahlreichen Jungmuller – oder auch die ausgelassenen Hexen, die Kindern Zuckerln zusteckten, den Zuschauern frech durchs Haar wirbelten oder ihnen gar die Mützen vom Kopf stahlen.

Die Polit-Prominenz auf der Ehrentribüne, angeführt von LH Günther Platter, LHStv. Ingrid Felipe und BM Christine Oppitz-Plörer aus Innsbruck, wurde gehörig „abgemullt“. Ob der symbolische Fruchtbarkeitsschlag wohl die Prozente bei den Wahlen sprießen lässt? Bei den Festwägen bekam die Politik natürlich auch ihr Fett ab: Der Zirkus „Wull hoi“ bot etwa schwarze, rote, blaue und grüne Affen mit türkisem Dompteur auf ...

Ein breites Grinsen konnten sich auch die Veranstalter um Hauptmann Romed Giner und Martin Plank von der Schützenkompanie nicht verkneifen: „Es gab keine besonderen Vorkommnisse – außer dass es ein perfekter Tag war!“

Mit gravitätischen Tanzbewegungen im Zeitlupentempo boten die „Altbäuerischen“ einen Ruhepol inmitten des wilden Treibens.
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LH Günther Platter wurde von einem „Weißen“ zum „Abmullen“ eingefangen. Gastgeber-Bürgermeister Christoph Walser (r.) schaute gebannt zu.
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