„Bernarda Albas Haus“: Kein Entkommen aus der Familiendiktatur

Graz (APA) - Wie lebendig begraben scheinen die Frauen der Familie zu sein, die Federico Garcia Lorca in seinem Drama „Bernarda Albas Haus“ ...

Graz (APA) - Wie lebendig begraben scheinen die Frauen der Familie zu sein, die Federico Garcia Lorca in seinem Drama „Bernarda Albas Haus“ zeigt. Unter dem diktatorischen Regime der Mutter gibt es für die fünf Töchter kein Entkommen. Diese Härte und Ausweglosigkeit wurde bei der Aufführung im Grazer Schauspielhaus am Freitag mit düsterer Ausstattung gekonnt unterstrichen und fand beim Publikum großen Anklang.

Die Bühne wird von einem schwarzen Rundhorizont begrenzt, wenige schwarze Möbel, im Hintergrund ein großes Bild des gerade verstorbenen Hausherren und davor eine rote Kerze - mehr braucht es nicht, um in der Inszenierung von Thomas Schulte-Michels eine beklemmende Atmosphäre zu schaffen, die fast körperlich spürbar ist. Die Familie ist hermetisch abgeschlossen vom übrigen Leben im Dorf, weil niemand gut genug ist für einen gesellschaftlichen Umgang. Die fünf Töchter sind ständig zusammen, quälen und lieben einander und scheinen doch schon zu wissen, dass es auch für sie kein Entkommen gibt. Die Mutter führt mit eiserner Hand das Haus im Sinne des Patriarchen weiter - und so wie ihr Leben schon von den Konventionen erstickt wurde, gibt sie den Druck an die Mädchen weiter.

Die Älteste wiegt sich noch in der Hoffnung, dass sie heiraten wird, die anderen scheinen schon zu resignieren, nur die Jüngste will ausbrechen, akzeptiert das Gefängnis nicht. Die, die weniger mutig sind, versuchen die Bestrebungen der Schwester zu unterwandern, Boshaftigkeit, Hass und Zuneigung mischen sich unheilvoll und tragen schon den Keim des Todes in sich. In einer seltsamen Symbiose lebt die Mutter auch mit der Magd, die ihr als Einzige die Stirn bietet und doch nichts ausrichten kann, da sie Untergebene ist und bleibt. Sie flüchtet sich in ihren ganz persönlichen Hass, wodurch ihr Leben genauso vergiftet wird wie das ihrer Herrin.

Regisseur Schulte-Michels stellt eine klare, sehr komprimierte Aufführung (80 Minuten) auf die Bühne, bei der nichts von der Härte des Textes ablenkt und bei der die Stille großartig eingesetzt ist. Schwarz wie der Raum (Robert Schweer) sind auch die Kleider der Frauen (Kostüme: Renate Schmitzer), wobei am Anfang einige schüchterne Farbtupfer noch so etwas wie Hoffnung symbolisieren, bevor alles von der Dunkelheit aufgesogen wird. Christiane Roßbach ist als Bernarda Alba von unnachgiebiger Härte, lässt aber immer wieder durchblicken, dass der Druck der Männerwelt sie zu dem gemacht hat, was sie ist. Der Schein ist wichtig, das Haus muss nach außen untadelig wirken, auch wenn im Inneren alle an der eignen Verzweiflung zerfallen.

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Als älteste Tochter Angustias ist Nanette Waidmann von kühler Herablassung gegen die Schwestern, weil sie als Einzige auf eine Heirat hoffen darf. Doch eigentlich ist es die Jüngste, Adela, die so etwas wie einen Hauch Liebe erfährt, und Maximiliane Hass zeigt sie als berührende Mischung aus Unschuld und verzweifelter Auflehnung, während Henriette Blumenau (Martirio) ihre unglückliche Verliebtheit in Bosheit münden lässt. Silvana Veit (Magdalena) und Lena Kalisch (Amelia) ergänzen die Schar der Töchter, die alle unverwechselbar und individuell wirken, gekonnt. Julia Gräfner als geifernde Magd bringt etwas Bodenständiges ein. Etwas befremdlich ist die Idee, ausgerechnet jene Frau, die sich so etwas wie Freiheit bewahrt hat, von einem Mann darstellen zu lassen, auch wenn Gerhard Balluch die Großmutter berührend darstellt. Alles in allem aber eine Aufführung, die unter die Haut und ins Herz geht.

(S E R V I C E - „Bernarda Albas Haus“ von Federico Garcia Lorca im Grazer Schauspielhaus. Regie: Thomas Schulte-Michels, Bühne: Robert Schweer, Kostüme: Renate Schmitzer. Mit: Christiane Roßbach (Bernarda Alba), Gerhard Balluch (Maria Josepha), Nanette Waidmann (Angustias), Silvana Veit (Magdalena), Lena Kalisch (Amelia), Henriette Blumenau (Martirio), Maximiliane Haß (Adela), Julia Gräfner (Magd). Nächste Aufführungen: 7., 14. und 17.2., 8., 9. und 27.3.2018. http://schauspielhaus-graz.com)


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