Das Ende der Generation Trainspotting

Edinburgh (APA/AFP) - „Trainspotting“, der Film von 1996 über die Junkies im schottischen Edinburgh, ist ebenso Kult wie die Romanvorlage vo...

Edinburgh (APA/AFP) - „Trainspotting“, der Film von 1996 über die Junkies im schottischen Edinburgh, ist ebenso Kult wie die Romanvorlage von Irvine Welsh, die vor 25 Jahren erschien. Von den realen Vorbildern für das Drogen-Drama sind viele inzwischen tot. Die „Generation Trainspotting“ stirbt, das Drogen-Problem in Schottland bleibt.

„Ich habe viele Leute sterben sehen“, sagt Ex-Junkie Derek Harper. Er stammt aus Leith, dem Viertel, in dem „Trainspotting“ spielt. „Die Hälfte der Leute aus meiner Schule sind an Drogen gestorben, die Hälfte der Leute in meiner Nachbarschaft auch“, sagt der 57-Jährige. „Hunderte“ habe er an Drogen zugrunde gehen sehen.

Nirgendwo in Europa gibt es so viele Drogentote wie in Schottland. 110 pro eine Million Einwohner waren es 2014 - fünf Mal so viele wie im europäischen Durchschnitt. 2016 starben 867 Menschen in Schottland durch Drogenmissbrauch.

Harper hat überlebt und ist seit mehreren Jahren clean. „Ich habe 38 Jahre lang Drogen genommen: Cannabis, Heroin, Pillen, Crack, Kokain, LSD, Pilze - das ganze Zeug. Ich war am Ende, ich war krank“, erzählt er im „Serenity Cafe“. Die Hilfseinrichtung für Drogenabhängige liegt zwischen dem schottischen Parlament und Herbergen für Obdachlose, vor denen Spritzen der Fixer herumliegen.

Der Film „Trainspotting“ machte die Drogenszene in Leith auf der ganzen Welt bekannt. Inzwischen haben die Hipster den Stadtteil für sich entdeckt, es gibt schicke Pubs und sogar ein Sterne-Restaurant. Für manche ältere Bewohner aber hat sich nicht viel geändert. Sie leben am Rand und hängen immer noch an der Nadel.

„‘Generation Trainspotting‘ meint jene Leute, die seit den 1980ern, als der Heroin-Konsum explodierte, Drogen nehmen“, sagt David Liddell von der Organisation Scottish Drugs Forum. Diese Menschen seien durch den langen Missbrauch körperlich anfälliger und der Grund für die Zunahme der Drogentoten. „Außerdem gab es in letzter Zeit einen Ausbruch von HIV-Infektionen bei diesen Drogenabhängigen“, sagt Liddell.

Schottische Politiker fordern deshalb ein Umdenken in der Drogenpolitik, zum Beispiel, medizinisch überwachte Drückerräume zuzulassen. Bisher scheiterten sie damit bei der britischen Regierung, die für die Drogenpolitik zuständig ist. „Acht europäische Länder und auch Australien und Kanada haben Drogenkonsumräume eingeführt“, sagt der schottische Abgeordnete Ronnie Cowa. „Das Ergebnis ist ein Rückgang von HIV, Hepatitis C und der Kriminalität. Noch nie hat sich in einem solchen Raum jemand eine Überdosis verpasst.“

Doch Premierministerin Theresa May lehnt diesen Ansatz ab. Großbritannien solle sich darauf konzentrieren, „dass die Leute von den Drogen wegkommen“, meint sie. Wie das gehen soll, ist nicht klar.


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