FBI räumte Pannen im Fall des Florida-Todesschützen ein

Das Massaker in einer Schule in Parkland im US-Bundesstaat Florida mit 17 Toten hätte womöglich verhindert werden können. Das FBI gestand am Freitag ein, einem Anruf am 5. Jänner nicht nachgegangen zu sein.

Nikolas Cruz (Mitte) mit seiner Pflichtverteidigerin bei der Anhörung vor Gericht.
© Reuters/Susan Stocker

Parkland – Der 19 Jahre alte Nikolas Cruz hat den Mord an 17 Menschen in der Marjory Stoneman Douglas High School in Florida gestanden.Das geht aus Gerichtsunterlagen hervor. Der Mann war zuvor erstmals vor Gericht erschienen, in orangefarbener Häftlingskleidung sowie an Händen und Füßen gefesselt. Er hatte sich dort nicht zu den Vorwürfen geäußert.

Der 19-Jährige hatte am Valentinstag kurz vor Schulschluss das Gebäude betreten und einen Feueralarm ausgelöst. Mit einer halbautomatischen Waffe im Stil einer AR-15 erschoss er 17 Menschen, die wegen des Alarms aus den Klassenzimmern kamen. Cruz wurde wenig später widerstandslos in Coral Springs unweit der Schule festgenommen, als er auf dem Weg zu einem Fast-Food-Laden eine Straße entlang ging.

Hinweis weder nachgegangen noch weitergeleitet

Am Freitag wurde bekannt, dass das Massaker womöglich hätte verhindert werden können. Das FBIgestand in einem Statement ein, einem Anruf am 5. Januar nicht nachgegangen zu sein. Ein Anrufer habe Hinweise auf den späteren Täter Cruz gegeben, habe auf dessen Vernarrtheit in Waffen hingewiesen und dass dieser womöglich einen Überfall auf eine Schule plane. Der Anruf sei nie weitergegeben worden und habe die Polizisten vor Ort nie erreicht. Man habe nicht weiter ermittelt. Damit sei ein Standardprotokoll verletzt worden. FBI-Chef Christopher Wray erklärte, man bedaure zutiefst den zusätzlichen Schmerz, den die Angehörigen der Opfer nun erlitten.

Lichtermeer in Parkland im Gedenken an die Opfer des Amoklaufs.
© AFP/Rhona Wise

Das Massaker von Parkland etwa eine Autostunde nördlich von Miami ist eines der folgenschwersten an einer Schule in den USA. Auch nach dieser Tat setzte in den USAwieder eine Diskussion über das Waffenrecht ein. Es ist unwahrscheinlich, dass daraus direkte Folgen abgeleitet werden. Befürworter schärferer Regeln stehen Gegnern jedweder Änderung gegenüber – die politisch die Oberhand haben.

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Trump verwies lediglich auf psychische Störung

Nikolas Cruz war ein ehemaliger Schüler der High School. Er war aus Disziplinargründen von der Schule geflogen. Medien berichteten unter Berufung auf das FBI, Cruz habe seine Waffe legal erworben und besessen. Nach Darstellung von Mitschülern sowie Verwandten und Nachbarn, die sich in US-Medien äußerten, hatte der junge Mann seit längerer Zeit psychische Probleme und galt als auffällig. Nach dem Tod der Eltern lebte er seit einigen Monaten bei der Familie eines Mitschülers.

US-Präsident Donald Trump legte auf Twitter eine psychische Störung Cruz‘ als Grund für die Tat nahe. Er rief dazu auf, solche „Fälle“ stets den Behörden zu melden. Trump sagte, er plane, den Tatort zu besuchen. Am Wochenende wird Trump in Florida sein. Sein Anwesen Mar-a-Lago liegt 45 Autominuten von Parkland entfernt.

Der Präsident sagte auch, man wolle sich des Themas psychischer Erkrankungen annehmen. Ins Detail ging er nicht. Cruz war nach Medienberichten in psychischer Behandlung gewesen, hatte diese aber zuletzt angeblich nicht fortgesetzt. Trump hatte vor einem Jahr ein Gesetz unterzeichnet, das psychisch Kranken den Erwerb von Waffen wieder erlaubte. Er nahm damit eine erst kurz zuvor erlassene Verordnung seines Vorgängers Barack Obama zurück.

Cruz soll sich an der Rassistenvereinigung und Miliz „Republic of Florida“ (ROF) beteiligt haben. Cruz habe an Trainings teilgenommen, hieß es. Die ROF-Milizen bezeichnen sich als gewalttätige, weiße Bürgerrechtsbewegung. Die Polizei allerdings erklärte, sie beobachte die Gruppierung genau, eine Verbindung zu Cruz könne sie nicht bestätigen. (dpa)


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