Techtmeister: „Ich spiele keinen Rollstuhlfahrer“

Es wird wieder ermittelt: Florian Teichtmeister ist als Major Palfinger auf der Suche nach Bösewichten. Im TT-Interview spricht der 38-Jährige über seine Rolle als Mann im Rollstuhl.

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Florian Teichtmeister (braune Lederjacke) spielte Major Palfinger im ORF-Film "Die Toten von Salzburg.
© Satel Film

Wie ist diese Rolle auf Sie zugekommen?

Florian Teichtmeister: Ein ganz normaler Ablauf. Nachdem man mir das Drehbuch geschickt hatte, wurde ich zu einem Casting eingeladen. Das Buch hat mir von Anfang an gut gefallen, dazu kam die Besonderheit des Rollstuhls. Ich empfand das Konzept als „mutige neue Welt“.

Das Casting fand in Wien Wieden statt, im Raum stand klarerweise ein Rollstuhl. Für mich eine Art Wiederentdeckung, denn mein Vater hatte einen sehr guten Freund, der nach einem Unfall im Rollstuhl sitzen musste. Zu jener Zeit war dieser Anblick für mich eine Selbstverständlichkeit, und vielleicht hat das mein Verhältnis zu diesem Casting beeinflusst.

© Satel Film

Und der Zynismus des Palfinger?

Teichtmeister: War mir auch bekannt, denn ich bin ja Wiener. Wichtig ist mir, zu betonen, dass ich keinen Rollstuhlfahrer spiele, sondern einen Mann, der sich halt im Rollstuhl durch die Gegend bewegt. Nicht mehr und nicht weniger.

Findet man bei uns in Österreich tatsächlich Ermittler im Rollstuhl?

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Teichtmeister: Im Innendienst ja. Im alltäglich Einsatz aber gibt es natürliche Grenzen. Man würde einen solchen Mann entsprechend schützen, ihn also keiner unnötigen Gefahr ausliefern. Von den Möglichkeiten, die er hat, macht Palfinger klugen Gebrauch. Seine Qualifikation ist unzweifelhaft.

Die so genannte „politische Korrektheit“ ist nicht das Seine. Wie sieht es in dieser Beziehung bei Florian Teichtmeister aus?

Teichtmeister: Ich bin kein Gegner per se. Trotzdem bin ich mir manchmal nicht ganz sicher, ob Menschen diesen an sich notwendigen Gedanken in gewissen Situationen nicht überstrapazieren. Auch ist es in diesem Beruf unsere Aufgabe, sich auf die Narrenfreiheit der Kunst berufen zu können. Für mich ist das immer ein Prozess des Findens und des Suchens, doch halte ich ein gewisses Maß an Gelassenheit für wünschenswert. Gelassenheit, nicht Wurschtigkeit.

Und wie stehen Sie zum Gendern? Würde Elvis Presley heute „Love Me Gender“ singen?

Teichtmeister: Diesbezüglich versuche ich, meine Aufmerksamkeit und Empörung weiter zu spannen als die Facebook-Generation. Ich habe nicht das Bedürfnis, zu allem eine Meinung zu haben und daher auch nicht das Bedürfnis, mich an einer solchen Debatte zu beteiligen.

Sie haben am Reinhardt-Seminar studiert, heute unterrichten Sie dort. Waren Sie da nicht manchmal diversen Scherzen der Studenten ausgesetzt?

Teichtmeister: Vielleicht im ersten Jahr. Ich habe ja bereits mit 27 Jahren begonnen, zu unterrichten. In der Folge jedoch habe ich gelernt, dass Autorität aus Erfolg in der Praxis entsteht, daran kann gemessen werden, ob man für eine gewisse Position Berechtigung hat. Heute bin ich faktisch doppelt so alt wie meine Studenten, und das macht es erschreckend einfach, zu erkennen, dass man selbst kein Student mehr ist.

Was sind Ihre nächsten Projekte?

Teichtmeister: Am Burgtheater wirke ich weiterhin in „Hexenjagd“ mit, an der Josefstadt habe ich am 15. März mit Felix Mitterers „In der Löwengrube“ Premiere, und im April beginnen für mich an der Deutschen Oper Berlin die Proben als Frosch in der „Fledermaus“. Darauf freue ich mich besonders, denn Regisseur ist ein gewisser Rolando Villazón.

Das Interview führte Ludwig Heinrich.


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