Bezirk Reutte

Hahnenkamm: Überfahrtsrecht ist „aufgekündigt“

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Am Hahnenkamm läuft es unrund zwischen Gemeinde Höfen und Reuttener Seilbahnen. Die Bergbahn befindet sich laut BM Knapp derzeit in einem vertragslosen Zustand, was Bahnenchef Peter Gerber vehement bestreitet.

Von Helmut Mittermayr

Höfen, Reutte –Der Skibetrieb am Hahnenkamm in Höfen läuft heuer bestens. Wintersportler schwärmen von Präparierung und Pistenzustand. Der Spaß, den die Skifahrer am Höfener Hausberg finden, dürfte bei den Vertretern der Gemeinde Höfen sowie Bahnbesitzer Peter Gerber hingegen wenig ausgeprägt sein. Bürgermeister Vinzenz Knapp bestätigt, dass es „unrund“ läuft. Knapp ist auch Substanzverwalter der Gemeindegutsagrargemeinschaft und damit einer der „Player“ am Berg, ist doch die Agrar Grundbesitzerin.

2016 übernahm Gerber die Reuttener Seilbahnen und investierte viel Geld. Seither ist am Hahnenkamm von Zusammenhalt wenig zu spüren, die Reibungspunkte zwischen Hüttenbesitzern und Gemeinde auf der einen und Gerber auf der anderen Seite scheinen nicht enden zu wollen. Nachdem die Reuttener Seilbahnen die aufgelaufene Pistenbenutzungspacht von rund 10.000 Euro länger schuldig geblieben waren und auf Mahnbriefe der Gemeinde Höfen nicht reagiert hatten, griff die Gemeindeführung als Grundeigentümer nun zu drastischen Mitteln. Sie teilte Peter Gerber im Jänner mit, dass die Überfahrtsrechte auf den Flächen der Agrargemeinschaft erloschen sind. „Dann ist alles schnell gegangen. Vor 14 Tagen haben wir das Geld bekommen“, erklärt Vinzenz Knapp auf TT-Anfrage. Das Überfahrtsrecht bleibe trotzdem aufgekündigt, nur „gnädigerweise“ dürfe Gerber die Saison zu Ende bringen. Dann soll ein neuer Vertrag das Zusammenleben zwischen Seilbahnen, Hütten, die im touristischen Wettbewerb zur Bergstation Gerbers stehen, sowie Agrargemeinschaft und Jägern regeln.

Bürgermeister Vinzenz Knapp: „Wir müssen sicherstellen, dass die Belieferung der Hütten nicht durch die Seilbahn beeinflusst werden kann. Auch Jagd, Agrar und Hüttenbetreiber müssen immer hinaufkönnen. Deshalb sollen sie künftig eigene Pistengeräte verwenden können, um unabhängig von der Bahn auch im Winter anliefern zu können.“ Der alte Vertrag stamme aus dem Jahr 1976, inzwischen seien Pisten, Parkflächen und vieles mehr dazugekommen, was bewertet werden müsse. Höfen erarbeite gerade ein Vertragswerk, laut Knapp sollte Gerber Ähnliches tun.

„Ich kann den Bursch’ gar nicht verstehen. Da erklärt er uns, dass er Millionen am Hahnenkamm investieren will, und dann regt ihn jedes Fassl Bier in der Cilly-Hütte auf“, wundert sich das Gemeindeoberhaupt über den Umgang mit Mitbewerbern. Der Sommerweg auf den Berg wurde erstmals mit einem Schranken und einer Zählanlage versehen, „um über Fakten reden zu können“, sagt Knapp.

Peter Gerber sieht alles völlig anders und kann gar nicht verstehen, wo das Problem liegen soll. „Das ist alles totaler Blödsinn und stimmt nicht. Das Überfahrtsrecht ist selbstverständlich nicht aufgekündigt.“ Gerber erklärt, dass ganz normale Verhandlungen über einen neuen Vertrag geführt würden, wie es zwischen Geschäftspartnern üblich sei. Er werde gegen alle juristisch vorgehen, die anderes behaupten. Hier gehe es um den Ruf des Unternehmens mit 30 Mitarbeitern. Gerede, er wolle die Bahn unter diesen Umständen nach Osteuropa verkaufen, wies er entrüstet von sich. Auch die anderen Hütten an Hahnenkamm würden ohne Zweifel ordentlich bedient.

Dorfchef Vinzenz Knapp beeindruckt die Klagsdrohung nicht: „Das wäre nicht seine erste Klage gegen uns. Das schaue ich mir gerne an.“ Er wiederholt, dass das Überfahrtsrecht erloschen ist. Selbstverständlich könne es Gerber im Zuge der Verhandlungen wiederbekommen.

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