Familienaufstellung mit Blümchen und Bienchen

Von Edith Schlocker...

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© verena nagl

Von Edith Schlocker

Schwaz –Für Cosima Rainer soll die von ihr geleitete Galerie der Stadt Schwaz „ein lebendiger Experimentierraum“ sein, ein Ort für raumgreifende Installation. Um derzeit etwa von der seit vielen Jahren in Wien lebenden dänischen Konzeptkünstlerin Saskia Te Nicklin in einen sehr speziellen, von skurrilen Figuren bevölkerten Garten verwandelt zu werden. Sie sitzen, liegen oder lümmeln auf einigen der 250 mal 125 Zentimeter großen, matt glänzenden Aluplatten, mit denen die 39-Jährige die galeristischen Räume in ein Labyrinth verwandelt.

Beim Gang durch dieses tun sich imaginäre Dimensionen auf. Begegnet der Ausstellungsbesucher doch nicht nur der schrillen, mit Leim, Filz- und Buntstiften gemalten, von Blümchen und Bienchen umgebenen „Familie“ von Saskia Te Nicklin, sondern auch sich selbst. Verzerrt allerdings zum schemenhaften Ich, dessen Körperlichkeit fast komplett marginalisiert daherkommt im Gegensatz zu der voluminösen Präsenz der künstlich erschaffenen Figuren.

Sie sind überlebensgroß und strotzen vor ganz bewusst formal naiv vorgetragener, ins karikierend Hässliche gekippter Sinnlichkeit. Andererseits ist die Anmutung dieser irritierend verstörenden Figuren wieder höchst fragil, erscheinen sie doch wie Abziehbilder, die sich mehr oder weniger im Zustand der Auflösung befinden.

Sich Saskia Te Nicklins auch mit den Mitteln der Fotografie und der Aquarellmalerei in klassischem Format durchdekliniertem Spiel mit Brüchen zu entziehen, ist fast unmöglich. So raffiniert spielt sie mit den Gefühlen der Betrachter, mit Assoziativem und Atmosphärischem, aber auch mit kunsthistorisch aufgeladenen Formaten und Sujets, deren Pathos die Künstlerin allerdings erfrischend ironisch bricht.

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