Olympia 2018

Blech! Österreichs Biathlon-Staffel vom Winde verweht

Dominik Landertinger haderte beim letzten Schießen mit dem Wind.
© APA

Tobias Eberhard, Simon Eder, Julian Eberhard und Dominik Landertinger mussten sich mit dem vierten Platz im Staffel-Bewerb begnügen.

Pyeongchang — Die zweite Medaille für Österreichs Biathlon-Team schien zum Greifen nahe. Doch zwei Strafrunden und oftmaliges Nachladen auf der zweiten Rennhälfte bei starkem Wind kosteten Tobias Eberhard, Simon Eder, Julian Eberhard und Dominik Landertinger am Freitag im olympischen Staffel-Bewerb in Pyeongchang das erhoffte Edelmetall. Es blieb nur der vierte Rang, 45 Sekunden hinter Bronze.

Schweden sicherte sich überraschend vor den Augen von König Carl Gustav erstmals in der Geschichte die Goldmedaille mit der 4x7,5-km-Staffel. Zuvor hatte es seit 1968 nur zweimal Bronze (1968, 1992) gegeben. Peppe Femling, Jesper Nelin, Sebastian Samuelsson und Fredrik Lindström setzten sich ohne Strafrunde und mit nur siebenmaligem Nachladen souverän 55,5 Sekunden vor Sotschi-Sieger Norwegen (1+12) und 2:07,1 Minuten vor Deutschland (3+10) durch.

Auch Top-Stars mit Problemen

Auch Asse wie Norwegens Schlussmann Emil Hegle Svendsen, der mit einer Strafrunde nach dreimaligem Nachladen die Gold-Chance vergab, Superstar Martin Fourcade (FRA/1+4) oder der Deutsche Simon Schempp (1+3) hatten in dem Rennen der großen Abstände Probleme am Schießstand.

Als Schlussmann Schempp in die Strafrunde musste, eröffnete sich für Österreich nochmals eine Chance. Landertinger vermied zwar die Zusatzschleife, dreimaliges Nachladen kostete ihn aber zu viel Zeit. Man sah auf den TV-Bildern wie sehr ihn die Windböen behinderten. "Ich habe alles auf eine Karte gesetzt, aber es war unheimlich schwierig. Wir hätten auch Glück gebraucht", sagte der Dritte des 20-km-Einzelbewerbs. "Aber für den vierten Rang brauchen wir uns nicht zu schämen."

"Der Wind war brutal"

Damit ging die ÖOC-Staffel nach Silber 2010 und Bronze 2014 diesmal leer aus. Der nach einer internen Ausscheidung mit Trainerentscheid nominierte Tobias Eberhard machte seine Sache beim ersten Großereignis nach fast zweijähriger Pause gut, der Salzburger übergab als Achter (+40 Sek.). "Ich bin froh, dass ich es so solide absolviert habe. Ich konnte den Schaden in Grenzen halten", sagte Eberhard.

Simon Eder gelang ein "Nuller" im Liegend-Anschlag - das schaffte später auch Landertinger - und nach nur einem Fehler stehend war der Saalfeldener schon Dritter. Nur 16,4 Sekunden fehlten ihm an seinem 35. Geburtstag auf Bronze. Doch das größte Geschenk, seine dritte Olympia-Staffel-Medaille nach 2010 und 2014, blieb ihm versagt. "Der Wind war brutal. Ich hätte nicht geglaubt, dass das so gut klappt am Schießstand. Ich habe Schuss für Schuss abgearbeitet und es ist Gott sei Dank aufgegangen."

"Muss die Verantwortung übernehmen"

Julian Eberhard musste den Böen bei seiner zweiten Schießeinlage stehend Tribut zollen. Trotz zweier Strafrunden behielt der 31-Jährige den vierten Rang, der Rückstand auf den Bronze-Rang wuchs aber auf 1:10 Minuten an. "Kein Vorwurf an Julian", kommentierte Eder, doch der ebenfalls aus Saalfelden stammende starke Läufer Eberhard war enttäuscht.

"Wir haben sieben gute Schießen gemacht, eines nicht, das war zu wenig für die Medaille. Ich muss die Verantwortung übernehmen. Man gewinnt als Team, man verliert als Team." Er habe absetzen müssen und hätte Probleme bekommen. "Ich habe alles probiert, aber es war zu wenig. Es waren bei diesen Spielen sehr gute Leistungen, aber ohne Medaille kann man nicht zufrieden sein." Eberhard war im Sprint Vierter und im Massenstart Sechster gewesen. (APA)

Reaktionen nach der Biathlon-Staffel der Herren:

Tobias Eberhard (Österreichs Startläufer, unmittelbar nach seiner Runde): "Es war keine Topleistung. Ich habe in die zweite Runde sehr investieren müssen. Die Schlussrunde ist ein bisschen mein Manko. Ich habe den Schaden in Grenzen gehalten."

Simon Eder (Österreichs zweiter Läufer, nach seiner Runde): "Das hat gut geklappt. Geburtstag habe ich heute auch. Das war schon ganz schon schwierig. Es war auch ein brutaler Wind. Ich hätte echt nicht geglaubt, dass das so gut hinhaut am Schießstand. Ich habe in der Loipe probiert, nicht zu überziehen. Ich habe Schuss für Schuss abgearbeitet und es ist aufgegangen Gott sei Dank."

Julian Eberhard (Österreichs dritter Läufer, nach dem Rennen): "Wir haben sieben gute Schießen gemacht, eines nicht und das war zu wenig für die Medaille. Ich muss die Verantwortung übernehmen. Man gewinnt als Team, man verliert als Team. Bei diesen Verhältnissen muss alles stimmen. Ich habe ein bisschen absetzen müssen und bin in Schwierigkeiten gekommen. Wir hätten mit null Strafrunden durchkommen müssen für die Medaille und das haben wir nicht geschafft. Ich habe alles probiert, aber es war zu wenig. Wenn wir heute die Medaille mitgenommen hätten, wären es super Olympische Spiele gewesen. So waren es sehr gute Leistungen. Aber zufrieden kann man nie sein, wenn man ohne Medaille heimfährt."

Dominik Landertinger (Österreichs vierter Läufer): "Beim letzten Stehendschießen hätte sich die Möglichkeit angeboten. (um an Rang drei heranzukommen, Anm.). Aber der Wind war so stark. Ich habe mir gedacht, ich ziehe es durch. Aber ich habe keine Scheibe getroffen und habe abstellen müssen. Ich bin zum Schießstand Vollgas hingelaufen und habe alles auf eine Karte gesetzt. Mich wundert es dann selber, dass ich die Strafrunde noch vermieden habe. Wir haben eine Super-Leistung gebracht. Julian darf man nicht böse sein, weil es war heute ganz schwierig zum Schießen. Für den vierten Platz brauchen wir uns nicht schämen."

Biathlon, Herren-Staffel (4 x 7,5 km):

1. Schweden (Peppe Femling, Jesper Nelin, Sebastian Samuelsson, Fredrik Lindström) 1:15:16,5 Std. (0 Strafrunden+7 Nachlader) - 2. Norwegen (Lars Helge Birkeland, Tarjei Bö, Johannes Thingnes Bö, Emil Hegle Svendsen) +55,5 Sek. (1+12) - 3. Deutschland (Erik Lesser, Benedikt Doll, Arnd Peiffer, Simon Schempp) 2:07,11 Min. (3+10) - 4. Österreich (Tobias Eberhard, Simon Eder, Julian Eberhard, Dominik Landertinger) 2:52,5 (2+11) - 5. Frankreich (Simon Desthieux, Emilien Jacquelin, Martin Fourcade, Antonin Guigonnat) 3:26,6 (3+12) - 6. USA (Lowell Bailey, Sean Doherty, Tim Burke, Leif Nordgren) 3:50,2 (2+14) - 7. Tschechien 4:07,1 (2+13) - 8. Weißrussland 4:49,5 (3+12) - 9. Ukraine 5:00,8 (2+9) - 10. Slowenien 5:00,8 (1+10).