Neuer Fed-Chef hält sich mit aggressiven Zinssignalen zurück

Jerome Powell signalisiert bei seinem ersten Auftritt vor dem US-Kongress eine Fortsetzung der behutsamen Straffungen.

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Jerome Powell trat erstmals vor den Kongress.
© AFP

Washington – Die US-Notenbank (Fed) legt sich auch unter ihrem neuen Chef Jerome Powell nicht auf eine aggressivere Zinspolitik fest. In seiner ersten Anhörung im Kongress signalisierte Powell, dass er am Kurs behutsamer Zinsanhebungen festhalten werde. „Weitere graduelle Erhöhungen der Leitzinsen werden am besten das Erreichen unserer beiden Ziele befördern“, sagte er am Dienstag.

Laut seinen Worten wird die Fed weiterhin den passenden Mittelweg finden, um einerseits eine Überhitzung der Wirtschaft zu vermeiden und andererseits die Inflation in Richtung des angestrebten Ziels zu bringen. Seit Dezember wiesen die Daten auf eine stärkere Konjunktur hin. Seine Zuversicht, dass die Teuerung anziehen werde, habe zugenommen, sagte Powell vor dem Finanzdienstleistungs-Ausschuss des US-Repräsentantenhauses. Sollte die Konjunktur zu sehr heiß laufen, werde die Fed die Zinsen schneller anheben.

Dollar im Auftrieb, Wall Street unter Druck

Seine Äußerungen zur Stärke des Wirtschaftsaufschwungs gaben dem Dollar Auftrieb und setzten die Wall Street unter Druck. Manche Anleger spekulierten auf energischere geldpolitische Straffungen. Sie sahen sich bestärkt in ihrer Einschätzung, dass die Fed die Zinsen in diesem Jahr in vier statt der bislang angedeuteten drei Schritte anheben könnte. Aktuell liegt der Schlüsselsatz in einer Spanne zwischen 1,25 und 1,50 Prozent. Börsianern zufolge herrschte wegen Powells Auftritt besondere Nervosität am Markt. „Das ist seine erste Rede, und die Börse ist bereits in einer Phase größerer Volatilität“, sagte Randy Frederick vom Wertpapierhändler Charles Schwab.

Unter Powells Vorgängerin Janet Yellen hatte die weltweit einflussreichste Notenbank einen Kurs der vorsichtigen Normalisierung ihrer Geldpolitik eingeleitet. Seit Dezember 2015 hob die Fed in mehreren Schritten ihren Leitzins an. Seit Oktober 2017 verringern die Dollar-Wächter zudem ihre im Zuge der jahrelangen Krisenpolitik aufgeblähte Bilanz. Auch Yellen hatte häufig von graduellen Zinsschritten gesprochen.

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Powell, dem der Ruf vorauseilt, ein Wachstumsapostel zu sein, ließ bei seinem Auftritt nicht durchblicken, ob die Fed wegen der massiven Steuersenkungen und Investitionsvorhaben der Regierung von Präsident Donald Trump auf einen strafferen Kurs umschwenken könnte. Diese Sorge hatte Anfang Februar die weltweiten Aktienbörsen auf Talfahrt geschickt. Einiges an Gegenwind, den die US-Wirtschaft in den vergangenen Jahren verspürte, habe sich in Rückenwind verwandelt, sagte Powell. Trotz der jüngsten Börsenschwankungen blieben die Finanzierungsbedingungen konjunkturstützend. Der 65-jährige gelernte Jurist, der ein republikanisches Parteibuch besitzt, wies aber zugleich darauf hin, dass die Inflation immer noch unter der Fed-Zielmarke von zwei Prozent liegt. Diesem Ziel sei die Fed stark verpflichtet.

Leitzins-Anhebung im März erwartet

In ihrem schon am Freitag veröffentlichten Halbjahresbericht für den Kongress hatte die Fed das Bild einer dynamischen Wirtschaft gezeichnet, die nur wenigen Gefahren ausgesetzt sei. Aktuell erwarten die meisten Volkswirte, dass die US-Notenbank ihre Leitzinsen auf ihrer Sitzung im März erneut anheben wird. (APA/Reuters)


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