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Als Studenten aufbegehrten: SDS-Chef KD Wolff im Video-Interview

Vor 50 Jahren rollen Studentenproteste über Europa. Am 11. April 1968 wird Wortführer Rudi Dutschke angeschossen. Ein Video-Interview mit dem damaligen Vorsitzenden der wichtigsten Studentenorganisation SDS Karl-Dietrich Wolff über die 68er — und was von ihnen geblieben ist.

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Der ehemalige SDS-Vorsitzende Karl-Dietrich Wolff im Gespräch über das Attentat auf Rudi Dutschke und den Einfluss der 68er.
© TT/Sauermann

Von Matthias Sauermann

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Der neue österreichische Innenminister Herbert Kickl von der FPÖ hat in einem Interview mit der TT gesagt, die schwarz-blaue Regierung solle ein Gegenentwurf zu den 68ern sein. Er sagte: "Die 68er versuchten im Namen des Fortschritts zerstörerisch zu wirken. Die Thesen der 68er haben sich als falsch herausgestellt. Das Bedürfnis nach Orientierung, Geborgenheit und Heimat wird von uns wieder in ein positives Licht gerückt". Was sagen Sie dazu?

Wir schreiben heute das Jahr 2018. 50 Jahre sind seit 1968 vergangen. Noch heute ist genau dieses Jahr präsent wie kein anderes und stark emotional beladen - positiv wie negativ. Was sind Ihre ersten Gedanken, wenn sie an das Jahr 1968 zurückdenken?

Heute sind die gesellschaftlichen Verhältnisse, die vor den 1968ern geherrscht haben, in weite Ferne gerückt. Wie würden Sie das gesellschaftliche Klima und die Bedingungen beschreiben, die zu den Protesten geführt haben?

Sie waren von 1967 bis 1968 Vorsitzender des "Sozialistischen Deutschen Studentenbundes", die wichtigste Studentenorganisation, die die Proteste mitgetragen hat. Was war damals Ihre Rolle?

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Der Wortführer des SDS war Rudi Dutschke. Welche Erinnerungen haben Sie an ihn?

Am 11. April 1968 schoss ein junger Hilfsarbeiter und Rechtsextremist mehrmals auf Rudi Dutschke. Er wurde lebensgefährlich verletzt. Für das Attentat wurde auch die Presse verantwortlich gemacht, allen voran die Bild-Zeitung. Demonstranten riefen "'Bild' hat mitgeschossen". Wie viel trugen Medien, speziell die Bild, zu den Ausschreitungen bei?

Mit den 68ern sind für viele Menschen sozialromantische Mythen und Bilder verbunden - Hippies beim Feiern im Park, riesige Konzerte wie Woodstock. Die Bilder erzählen von Freiheit, Überschwänglichkeit. Wie viel haben sie mit der Realität zu tun?

Den 1968ern werden viele positive gesellschaftliche Einflüsse zugeschrieben. Beispielsweise in der Friedensbewegung. Was sehen Sie als wichtigste Verdienste der 68er-Generation an?

Kritiker machen die 1968er für einen Werteverfall in unserer Gesellschaft verantwortlich. Für einen Verfall von Moralvorstellungen etwa oder das Absinken von Standards - etwa im Bildungsbereich. Können Sie dieser Kritik etwas abgewinnen?

Ein Teil der jungen Menschen radikalisierte sich nach dem Zusammenbruch der Proteste, ging in den Untergrund und wurde zu Terroristen. Am bekanntesten wurde die "Rote Armee Fraktion" (RAF). Haben die 68er dem linksextremen Terror den Weg bereitet?

Ein Gründungsmitglied der RAF war der Anwalt Horst Mahler. Dieser war zuvor im SDS aktiv gewesen. Später sagte sich Mahler von diesen Ideen los und wurde zum überzeugten Neo-Nazi und Holocaust-Leugner. Wie weit liegen linksextreme und rechtsextreme Ideen beieinander?

Wir haben über Ihre persönlichen Gründe für das politische Engagement gesprochen - und über Ihre Hoffnungen. Was davon hat sich verwirklicht?

Gibt es auch Ideen von damals, bei denen Sie heute froh sind, dass sie sich nicht durchgesetzt haben?

Zur Person

Karl-Dietrich ("KD") Wolff studierte Rechtswissenschaft. Nach seinem Engagement als SDS-Vorsitzender während der 1968er-Bewegung trat er auf Einladung der "Students for a Democratic Society" eine Rundreise durch die USA an. Er wurde vor das Komitee für unamerikanische Umtriebe geladen. Er bezeichnete einen US-Senator als "rassistischen Banditen" und wurde daraufhin mit einem Einreiseverbot belegt.

Wolff lebt und arbeitet als Verleger in Frankfurt. Mit dem Stroemfeld-Verlag machte er sich durch die Publikation von historisch-kritischen Editionen der Gesamtwerke von Hölderlin, Kafka, Kleist, Robert Walser, Georg Trakl und Gottfried Keller einen Namen.


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