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Auch Hans kann’s noch lernen

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Eine neue Studie räumt mit dem Mythos auf, dass früher Englischunterricht von Vorteil ist. Das Alter spielt keine Rolle, die Intensität aber schon.

Von Evelin Stark

Innsbruck –Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr, heißt es im Volksmund. Dass dem nicht so ist und früher Fremdsprachen-Unterricht nicht unbedingt mehr Vorteile bringt, hat nun eine Studie ergeben.

In ihrer Langzeit-Untersuchung beschäftigte sich die Anglistin Simone Pfenninger von der Universität Salzburg damit, wie sinnvoll Englischunterricht im frühen Kindesalter ist: „Uns ging es darum zu schauen, inwiefern das Alter im Englischunterricht eine Rolle spielt“, so Pfenninger.

Zu diesem Zweck wurden 800 Schüler in der Deutschschweiz über einen Zeitraum von fünf Jahren beobachtet. „Als wir mit der Studie anfingen, war das Schulsystem in der Schweiz noch so, dass nur ein Teil der Volksschulen Englisch als Unterrichtsfach hatte und viele Schüler erst mit 13 Jahren zum ersten Mal mit Englisch in Berührung kamen“, so Pfenninger. All­e Kinder absolvierten denselben Test im Alter von 13 Jahren, den sie dann mit 18 erneut machten. So konnten die sprachlichen Fortschritte direkt verglichen werden.

Das Ergebnis ist erstaunlich: Jene Kinder, die erst fünf Jahre später in den Englisch-Unterricht einstiegen, hatten bereits nach sechs Monaten die Frühlerner eingeholt und teils sogar übertroffen. Bis zur Matura waren keine Unterschiede mehr erkennbar.

Langfristig profitierte nur eine Schülergruppe vom frühen Englischunterricht: nämlich jene Kinder, die zweisprachig aufwuchsen, biliteral (Lese- und Schreibfähigkeiten in beiden Muttersprachen) waren und Unterstützung der Eltern und der Umgebung erfuhren.

„Wir hatten eine Kontrollgruppe, die gleichzeitig getestet wurde“, erzählt die Anglistin. Diese Gruppe habe „Immersionsunterricht“ (andere Schulfächer, die in englischer Sprache unterrichtet werden) erhalten. Diese Form des Unterrichts habe sich als äußerst effektiv für den Sprach­erwerb herausgestellt.

Das Konzept der Immersio­n bzw. des frühen Kontaktes mit Fremdsprachen haben einzelne Einrichtungen in Innsbruck bereits umgesetzt. „Die Kleinen brauchen keine Motivation, um eine zweite Sprache zu lernen. Sie tauchen ganz natürlich ein“, sagt Marlene Seeberger, pädagogische Leiterin der Kindervilla Innsbruck.

Die Krippe und der Kindergarten der Kindervilla haben deshalb Englisch-, Französisch- oder Italienisch-Muttersprachler neben Deutschsprachigen als Betreuungspersonen in ihren Gruppen, die jeweils in ihren Sprachen mit den Kindern arbeiten. So fließe die zweite Sprache ganz natürlich in den Alltag ein. „Diesen Vorteil kann ihnen keiner mehr nehmen“, so Seeberger.

Für Volksschulkinder bietet wiederum die Siebererschule im Innsbrucker Saggen die Möglichkeit, Englisch ganz der Immersionsidee entsprechend als Unterrichtssprache für andere Fächer zu erleben. „Der tägliche Umgang mit Englisch macht immense Unterschiede aus“, sagt Gerlinde Prazeller, die Direktorin der Schule. Prazeller betont den großen Vorteil, den Schüler aus Kindergärten wie der Kindervilla haben: „Es ist erstaunlich, die können alles!“

Interessant finde sie allerdings die Tatsache, dass Kinder, die locker damit umgehen können, Fehler zu machen, Fremdsprachen anscheinend schneller und leichter aufnehmen als solche, die sich Fehler sehr zu Herzen nehmen. In diesem Sinne: Let’s make mistakes!