Amerikanischer Hauptpreis für ein lebendes Kunstwerk

Jacky Astlinger aus St. Johann liebt ihre Tiroler Tattoos. Dank der Körperbilder war sie jetzt in den USA eingeladen und kehrte mit einer Siegesmedaille zurück.

Jacky Astlinger mit Tätowierer Paul Madreiter in Detroit (o.). Auf ihrem Bauch hat er die TT verewigt.
© Astlinger

Von Andrea Wieser

Innsbruck –„Eigentlich war ich schon fast aus dem Saal raus“, erinnert sich Jacky Astlinger (33) aus St. Johann an den bisher aufregendsten Moment ihrer Tattoo-Model-Karriere. Die Rede ist von Ihrem Auftritt auf der Motor City Tattoo Expo in Detroit, zu der sie mit ihrem Tätowierer Paul Madreiter Anfang März eingeladen war. Zum Glück hörte sie aber noch den Moderator. Denn es schallte ihr Name durch den Raum. Sie hatte eine der wichtigsten Auszeichnungen der Szene gewonnen, den All-Over-Price für das beste Ganzkörper-Tattoo.

Besonders gefallen hat der Jury ein ganz außergewöhnliches Bild auf ihrem Bauch: ein Stück Titelseite der Tiroler Tageszeitung. Vor zwei Jahren wurde darüber in der TT berichtet. Und Jacky zögerte nicht lange und ergänzte ihr Tattoo um die damalige Titelzeile „Hart, aber herzlich“. „Das passt einfach zu mir, ich wirke nach außen cool, im Inneren bin ich aber sehr weich und nah am Wasser gebaut.“ So sehr, dass sich ihr siebenjähriger Sohn auch schon beschwert hat: „Weil er so ein gutes Zeugnis nach Hause gebracht hat, musste ich ziemlich weinen. Das fand er schrecklich peinlich.“

Dass er eine stark tätowierte Mama hat, stört ihn hingegen nicht: „Er kennt mich ja nur so, findet es auch gut.“ Im Schwimmbad gebe es zwar schon manchmal diese Blicke und Fragen, aber davon lassen sich Jacky und ihr Sohn nicht irritieren. „Ob man tätowiert ist, hat nichts damit zu tun, ob man eine gute oder schlechte Mama ist“, kommentiert Jacky Astlinger die Sprüche vieler Kritiker. Da müsse man einfach das nötige Selbstbewusstsein mitbringen. Reden würden die Leute ohnehin.

In Detroit vor zwei Wochen war das Erlebnis unter Gleichgesinnten ein ganz anderes. „Die Szene ist in den USA viel größer“, schwärmt Astlinger von ihrer USA-Reise. Damit ist der Traum in Erfüllung gegangen, den sie schon so lange gehegt hatte. Dass es dann auch nicht nur ein Ausflug, sondern ein solcher Erfolg wurde, das verdanke sie dem Künstler ihres Vertrauens: dem Wörgler Paul Madreiter. „Er ist Künstler in jedem Sinne und auch als Bildhauer tätig“, sagt Jacky. Und spricht die Worte mit größter Wertschätzung aus. Und die müsse auch da sein, sonst vertraue man einem anderen Menschen nicht seinen Körper in der Form an. Ihm verdanke sie viel. „Ich bin ein Kunstwerk“, sagt sie und meint damit die Arbeit von Paul Madreiter.

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Dass es die Tiroler Tageszeitung auf ihren Bauch geschafft hat, ist eigentlich der Superman-Legende zu verdanken. In der spielt bekanntlich die fiktive Tageszeitung Daily Planet, bei der Held Clark Kent beschäftigt ist, eine große Rolle. Doch Jacky wollte zu ihrem Superman-Logo eine Tageszeitung, mit der sie mehr verbindet. „Als Tirolerin war das für mich dann naheliegend“, meint sie. Damit hat sie sich zu einer der ungewöhnlichsten Botschafterinnen ihrer Heimat gemacht. Neben dem prominent platzierten Zeitungslogo spielt Astlinger auch sonst gerne mit Tirol-Zitaten. „Bei der Convention in Detroit bin ich auch mit Dirndlbluse und Lederhose aufgetreten. Das hat mich gleich von allen anderen unterschieden“, meint sie grinsend.

Nach dem großen Auftritt in den USA steht jetzt erst einmal der Alltag an. Jacky Astlinger arbeitet in der Hausbetreuungsfirma ihres Mannes. Da ist genug zu tun. „Aber es gibt mir eben auch die Freiheit, spontan an Foto-Shootings teilzunehmen.“ Und neben dem Brotberuf steht auch Möbelpacken auf dem Programm. Ihr Tattoo-Künstler Paul Madreiter verlegt derzeit sein Studio von Wörgl nach Langkampfen. Dort hat er eine Immobilie gefunden, die ihm mehr Platz für seine kreative Arbeit bietet. Seine Freunde, zu denen auch Jacky und ihr Mann zählen, helfen eifrig mit.

Was für das Tattoo-Model als Nächstes kommt, lässt sich erahnen. Der Erfolg in Detroit hat sie in die internationale Liga katapultiert. Es ist zu erwarten, dass weitere Einladungen zu internationalen Conventions folgen. „Ich habe noch gar nicht realisiert, was da passiert ist und jetzt folgen vielleicht Einladungen aus Las Vegas oder New Jersey“, hofft die 33-Jährige. Der Aufenthalt in Detroit war ihre erste Reise in die USA. Es wird wohl nicht die letzte gewesen sein.

Paul Madreiter gestaltete alle Körperbilder der 33-Jährigen.
© Jacky Astlinger

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