Vom Sturz Mubaraks bis zur Herrschaft al-Sisis
Kairo (APA/AFP) - Bei der Präsidentschaftswahl in Ägypten hat der Amtsinhaber, der frühere Armeechef Abdel Fattah al-Sisi, keinen ernstzuneh...
Kairo (APA/AFP) - Bei der Präsidentschaftswahl in Ägypten hat der Amtsinhaber, der frühere Armeechef Abdel Fattah al-Sisi, keinen ernstzunehmenden Gegenkandidaten. Seit dem „arabischen Frühling“ und dem Sturz des langjährigen Machthabers Hosni Mubarak ist er der zweite Staatschef, der die Geschicke des Landes am Nil lenkt. Ein Überblick:
Der Sturz Mubaraks
Im Jänner 2011 gibt es unter dem Eindruck der Revolte in Tunesien auch in Ägypten Massenproteste gegen den seit 1981 regierenden Staatschef Hosni Mubarak. Der Tahrir-Platz in Kairo wird zu einem der wichtigen Schauplätze des Protests in der arabischen Welt. Mehr als eine Million Menschen demonstrieren zeitweise gegen Mubarak; mindestens 850 Menschen werden bei den Unruhen getötet.
Am 11. Februar tritt der Machthaber zurück und überlässt die Amtsgeschäfte einer Militärregierung. Später wird er wegen des Todes der Demonstranten zu lebenslanger Haft verurteilt, in einem Berufungsverfahren aber freigesprochen.
Wahlsieg Mohammed Mursis
Der Kandidat der islamistischen Muslimbrüder, Mohammed Mursi, gewinnt am 30. Juni 2012 mit 51,7 Prozent der Stimmen die Wahlen. Er ist der erste demokratisch gewählte Präsident in der Geschichte Ägyptens.
Im August 2012 attackiert eine islamistische Gruppierung auf der Halbinsel Sinai stationierte Soldaten. Mursi entlässt daraufhin seinen Armeechef und beruft General Abdel Fattah al-Sisi auf den Posten.
Militärputsch gegen Mursi
Nach massiven Protesten gegen Mursis Regierung putscht die Armee unter Führung al-Sisis am 3. Juli 2013 gegen den Präsidenten. Mursi wird verhaftet und muss sich später vor Gericht verantworten. In verschiedenen Verfahren wird er zu langen Haftstrafen verurteilt.
Im August 2013 gehen die ägyptischen Sicherheitskräfte gewaltsam gegen demonstrierende Mursi-Anhänger vor. Nach offiziellen Angaben werden etwa 700 Demonstranten getötet. Seither ist Ägypten verstärkt Ziel von Angriffen islamistischer Gruppierungen.
Wahlsieg al-Sisis
Am 8. Juni 2014 wird General al-Sisi mit 96,9 Prozent der Stimmen zum Präsidenten gewählt. Im November erklären die Islamisten, die auf der Sinai-Halbinsel zahlreiche Soldaten und Polizisten getötet hatten, dass sie sich der Jihadistenmiliz „Islamischer Staat“ (IS) anschließen.
Ein Jahr später, am 31. Oktober 2015, sterben beim Absturz einer russischen Passagiermaschine über dem Sinai 224 Menschen. Der IS erklärt, er habe die Maschine zum Absturz gebracht.
Präsidentenwahl 2018
Al-Sisi lässt politische Rivalen von der Wahl ausschließen. Am 23. Jänner wird der frühere Generalstabschef Sami Anan verhaftet, wenige Tage zuvor hatte er seine Kandidatur erklärt. Die Inhaftierung wird damit begründet, dass seine Kandidatur illegal gewesen sei.
Mehrere weitere Rivalen des Präsidenten werden inhaftiert oder ziehen ihre Kandidatur zurück. Am 13. Februar erklären mehr als ein Dutzend Menschenrechtsorganisationen, die am 26. März beginnende Präsidentenwahl werde „weder frei noch gerecht“ sein.