Thailändischer „Macron“ will Politik seines Landes aufrütteln

Bangkok (APA) - Er wird bereits mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron oder dem kanadischen Premier Justin Trudeau verglichen: Der thailä...

Bangkok (APA) - Er wird bereits mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron oder dem kanadischen Premier Justin Trudeau verglichen: Der thailändische Jungunternehmer Thanathorn Juangroongruangkit will mit einer neuen Partei bei den von der Militärjunta angekündigten Wahlen antreten, mit der er die verkrusteten politischen Strukturen seines Landes aufbrechen will.

Thanathorn ist zwar erst 39 Jahre alt, der thailändische Unternehmersohn hat aber bereits drei Staatsstreiche in seinem Land miterlebt. Der Erbe von Thailands größtem Automobilzulieferer Thai Summit verspricht nun, die Ära der Instabilität zu beenden, wie das „Handelsblatt“ ihn kürzlich beschrieb.

Mitte März verkündete Thanathorn die Gründung seiner „Zukunft Vorwärts“-Partei, mit der er vor allem die Jugend ansprechen will. Einen großen Wahlerfolg erwartet er sich jedoch nicht, wenn die seit Mai 2014 herrschende Junta tatsächlich ihr Versprechen einlösen und nach mehreren Verschiebungen 2019 Wahlen abhalten lassen sollte.

Die unter der Regie der Junta ausgearbeiteten Wahlgesetze, der Zeitplan und die Haltung der Regierung „sind für uns ungünstig“, meinte Thanathorn am Wochenende gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. „Die Chancen sind sehr gering. Aber ein bisschen Hoffnung ist besser als überhaupt keine“, fügte der Ultramarathonläufer hinzu.

Seiner neuen Partei gehören als weitere Gründungsmitgründer unter anderen auch ein Filmemacher, ein LGBT-Aktivist, ein Craft-Beer-Brauer und Umweltschützer an. Thanathorns Botschaft an die herrschende Junta lautet: „Wir brauchen keine Regentschaft durch Waffen. Gebt der Demokratie eine Chance!“

Vor den Wahlen, die das Militärregime nach vielen Verzögerungen nun für Februar 2019 plant, haben sich zwar schon viele neue Parteien registrieren lassen. Die Aufmerksamkeit für die Ambitionen des Autotycoons, der bei seinem Familienunternehmen zuletzt eine Führungsrolle innehatte, fiel jedoch mit Abstand am größten aus.

Auf Facebook verfolgten rund 100.000 Thailänder den Auftritt des Quereinsteigers, dessen Unternehmen unter anderem für Ford und Toyota arbeitet und zuletzt einen Umsatz von rund zwei Milliarden Euro machte, so das „Handelsblatt“.

Seine Partei „Zukunft Vorwärts“ präsentiert Thanathorn als Alternative zu den etablierten Parteien, deren Grabenkämpfe Südostasiens zweitgrößte Volkswirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten in mehrere tiefe Krisen stürzten. Die ständigen Reibereien zwischen Rothemden, royalistischen Gelbhemden und den Militärs ließen wiederholt die Armee einschreiten und die Demokratie außer Kraft setzen.

Zur Frage der Monarchie wollte sich Thanathorn bisher nicht öffentlich äußern. Ein äußert strenges Gesetz sieht Haftstrafen bis zu 15 Jahren für Beleidigungen von Mitgliedern der Königsfamilie vor. Wer mehrere Beleidigungen etwa im Internet postet, riskiert noch längere Gefängnisaufenthalte. Thanathorn wies Vorwürfe zurück, er sei ein Gegner der Monarchie. Ins Exil geflüchtete Kritiker des Regimes lobten ihn dagegen wegen seines diesbezüglichen Rufs.

Sollte Thanathorn entgegen seinen eigenen Erwartungen die versprochenen Wahlen gewinnen - ein reicher Manager an der Staatsspitze wäre in Thailand dagegen nichts Neues: Von 2001 bis 2006 regierte der Medienunternehmer Thaksin Shinawatra - bis zu einem Militärputsch. Die Auseinandersetzung mit Machthaber Prayuth Chan-o-cha, der möglicherweise auch nach den Wahlen Premier bleiben möchte, scheut Thanathorn nicht: „Es ist nicht unwahrscheinlich, dass ich am Ende im Gefängnis lande. Aber ich bin bereit, dieses Risiko einzugehen.“