Imst war 1938 Nazi-Hochburg
Imst – Es sei der erste Band, der die Situation rund um den Anschluss an Hitlerdeutschland 1938 in den Bezirken Tirols detailliert beschreib...
Imst –Es sei der erste Band, der die Situation rund um den Anschluss an Hitlerdeutschland 1938 in den Bezirken Tirols detailliert beschreibt, erzählt Historiker Horst Schreiber, Herausgeber des neuen Buches „Der Anschluss in den Bezirken“. Das Imster „Ballhaus“ platzte anlässlich der vorgestrigen Präsentation aus allen Nähten. Schreiber suchte die Zusammenarbeit mit kompetenten Co-Autoren in den jeweiligen Bezirken. Für den Bezirk Imst hatten die Historiker Astrid Schuchter und Rainer Hofmann die Ehre, die bezirksspezifische Situation im Jahr 1938 in das Gesamtwerk einzuarbeiten.
„Ein besonderes Merkmal in Imst rund um die Zeit des Anschlusses ist die Rachsucht der so genannten Legionäre“, präzisiert Astrid Schuchter, „also jener meist jungen Männer, die sich während des Verbotes der Nationalsozialistischen Partei nach Deutschland absetzten, um nach dem Anschluss wieder nach Imst zurückzukehren und Rache an den Protagonisten des alten Systems zu üben.“ Schuchter und Hofmann beschäftigten sich intensiv mit diesen Wochen und speziell mit der „Schreckensnacht“, die vor fünf Jahren bereits Thema der Ausstellung „Nacht über Imst“ war.
Beide sowie der Herausgeber sprachen auch von einer Spaltung der Bevölkerung bereits in den Jahren vor dem Anschluss. Schreiber: „Arbeitslosigkeit, Wirtschaftskrise oder die Überschuldung der Bauern waren natürlich der Nährboden für eine Pro-Nazi-Haltung. Man darf nicht vergessen, dass Imst die erste Bezirkshauptstadt überhaupt war, die Adolf Hitler zum Ehrenbürger ernannte.“ Allgemein galt Imst als Nazi-Hochburg, in der auch die Frauen aktiv eine bedeutende Rolle spielten, sie jedoch nie zur Rechenschaft gezogen wurden. „Der Anschluss in den Bezirken“ ist im Studienverlag erschienen. (huda)