Section Control für Arlbergtunnel: Ständiges Auge auf Raser
Die Asfinag will für den Arlbergtunnel eine durchgängige Radarüberwachung beantragen. Vor allem in den Randzeiten komme es teilweise zu wilden Überholmanövern.
Von Marco Witting
Innsbruck –Seit einem knappen halben Jahr ist der frisch sanierte Arlbergtunnel wieder in Betrieb. Die 14 Kilometer lange einspurige Röhre wurde bekanntlich um 154 Millionen Euro in zwei Etappen auf den neuesten Stand der Technik gebracht. Doch jetzt kommt höchstwahrscheinlich noch eine Sicherheitsmaßnahme dazu, die vor allem die Raser im Tunnel ins Visier nimmt. Denn die Asfinag plant eine Section Control.
Diese überwacht bekanntlich die Geschwindigkeit auf der gesamten Strecke und Stefan Siegele, Chef der Asfinag Alpenstraßen GmbH, sieht darin eine „Sicherheitseinrichtung, die wirklich etwas bringt“. Denn gerade seit der Sanierung sei man draufgekommen, dass es speziell zu Zeiten mit weniger Verkehr im Tunnel immer wieder zu Überholmanövern kommt. „Ich habe mir das eigentlich nicht vorstellen können“, sagt Siegele. Doch die Detektoren, die bei der Sanierung angebracht wurden, lieferten den eindeutigen Beweis dafür.
„Sobald ein Fahrzeug über die Mittellinie fährt, schlagen diese Detektoren an und es gibt eine Meldung in der Zentrale. Das passiert täglich zwischen 30- und 40-mal. Da sind natürlich Fälle dabei, in denen jemand zu weit mit seinem Fahrzeug nach links gerät. Aber wir stellen auch mehrfach fest, dass tatsächlich Menschen im Tunnel überholen.“
Und das ist ein „riesengroßes Problem“, wie auch Markus Widmann, Tirols oberster Verkehrspolizist, meint. Bis zu 20-mal am Tag soll es vorkommen, dass Autofahrer andere Fahrzeuge, teilweise Lkw, im Tunnel überholen. „Wir haben uns Gedanken gemacht, wie wir das in den Griff bekommen. Aber eine bauliche Maßnahme in der Mitte erschien uns nicht als geeignet“, sagt Siegele. Deshalb soll jetzt die konstante Radarüberwachung kommen, die das Tempo in der ganzen Röhre misst – genau so, wie es bei der Section Control im Amraser Tunnel während der Bauzeit gemacht wurde. Die Asfinag will einen dementsprechenden Antrag bei der Behörde einbringen.
Für Widmann bietet die moderne Technik hier die Möglichkeit, die Raser einzubremsen. „Es werden ja Lastwagen überholt, um Zeit zu sparen. Wenn aber jeder weiß, dass man ohnehin insgesamt nicht schneller durchfahren kann, wird das viele Lenker davon abhalten“, sagt Widmann. Klar sei auch: „Das Risiko von Raserei in einem Tunnel ist sehr hoch. Am Ende zahlen da mehrere Menschen drauf. Weil es sehr schnell zu schweren Unfällen kommt.“
Für mögliche Strafen gelte dann die übliche Toleranz, die es auch bei herkömmlichen Radarkästen gibt. Die Erfahrungen in Tirol mit der Section Control seien gut gewesen. „Wir hatten da sehr viele Übertretungen“, sagt der Leiter der Verkehrsabteilung.
Insgesamt wurden damals während der Bauphase rund 120.000 Schnellfahrer dort geblitzt. Siegele will das Projekt beim Arlbergtunnel vorbehaltlich der Genehmigung durch das Land rasch umsetzen. Technisch sei die Umsetzung relativ einfach. Das Fahrzeug wird sowohl bei der Tunnel-Einfahrt, als auch bei der Ausfahrt mit dem Kennzeichen registriert. Für die Zeit zwischen den Punkten wir eine Durchschnittsgeschwindigkeit berechnet. Liegt diese über den erlaubten 80 km/h im Tunnel, wird gestraft.