WM 2018

Messi staunte als Zuschauer über Argentiniens 1:6-Katastrophe

Mit drei Treffern Mann des Spiels: Reals Mittelfeldspieler Isco.
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Während die Iberer von der besten nationalelf der jüngsten Jahre sprachen, war bei den Gästen aus Südamerika nach dem 1:6-Debakel Feuer am Dach.

Madrid – Unter den Augen eines staunenden Beobachters Lionel Messi hat Spaniens Nationalmannschaft ihre Ambitionen auf eine Hauptrolle bei der WM-Endrunde in Russland unter Beweis gestellt. Der Weltmeister von 2010 deklassierte Argentiniens Auswahl am Dienstagabend in einem Testspiel in Madrid. Nach dem 6:1-Triumph war der Jubel der Iberer groß, beim Gegner indes Feuer am Dach.

„Ich übernehme die volle Verantwortung. Ihr braucht nicht auf die Spieler zu zeigen“, betonte Argentiniens Teamchef Jorge Sampaoli nach dem Spiel. Ohne den erneut wegen muskulären Problemen im Oberschenkel pausierenden Messi lief der zweifache Weltmeister in Atleticos Heimstätte in ein Debakel. In der Heimat schrieben die Zeitungen von einer „Katastrophe“ (Clarin). Sampaoli relativierte: „Der Unterschied war nicht so groß, wie das Ergebnis sagt.“

„Messi weiß schon, wer der Favorit ist“

Seinen Spaß hatte vor allem Isco. Der Mittelfeldmann von Real Madrid traf dreimal (27., 52., 74.) für die effizienten Spanier. Die übrigen Tore erzielten Diego Costa (12.), Thiago Alcantara (55.) und Iago Aspas (73.). Messi verfolgte das Geschehen zunehmend regungsloser von der Tribüne aus. Die in Barcelona ansässige Tageszeitung „Sport“ titelte am Tag darauf: „Messi weiß schon, wer der Favorit ist.“

Von der besten Nationalelf der jüngsten Jahre war in Spanien die Rede. Nach der Blamage beim WM-Turnier 2014, als man als Titelverteidiger schon nach der Gruppenphase scheiterte, sei „La Roja“ bereit für Großes. Nach dem 1:1 gegen Weltmeister Deutschland vier Tage zuvor bestanden die Spanier auch die zweite Bewährungsprobe mit Bravour. Unter dem nach dem EM-Achtelfinal-Aus 2016 als Teamchef installierten Julen Lopetegui hat sich die Auswahl wieder zu einem gefürchteten Gegner entwickelt. Der 51-jährige ehemalige Torhüter durfte zufrieden bilanzieren.

Der Auftritt seiner Nationalelf sorgte bei Lionel Messi, der verletzt auf der Tribüne saß, für Sorgenfalten.
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„Wir haben eine Mannschaft mit großer Geschichte geschlagen, die es bis ins Finale der letzten WM geschafft hat. Sicher haben bei ihnen einige wichtige Spieler gefehlt, aber wir sind zufrieden“, sagte Lopetegui. Seine Elf deckte die Fehler in Argentiniens Hintermannschaft schonungslos auf und bestach dabei durch enorme Effizienz im Abschluss. Das 5:1 durch Aspas fiel beispielsweise nach einem weiten Pass von Spanien-Torhüter David de Gea, als die Argentinier überhaupt nicht geordnet waren. Einzig beim zwischenzeitlichen 1:2 durch Nicolas Otamendi (39.) war die spanische Hintermannschaft nicht ganz im Bilde.

Matchwinner Isco war auf dem gesamten Platz zu finden. Der 25-Jährige hat sich im Nationalteam einen Fixplatz erarbeitet - im Unterschied zu seiner Stellung bei Real. Isco nutzte die Gunst der Stunde, um diesbezüglich eine Botschaft an Club-Trainer Zinedine Zidane zu senden. „Bei Real habe ich nicht das Vertrauen, das ein Fußballer braucht. Vielleicht bin ich das Problem und es ist deshalb, weil es dort einfach zu viele gute Fußballer gibt“, sagte er. Der Andalusier ist bei Real in dieser Saison in der Liga nur viermal über die volle Spielzeit zum Einsatz gekommen. Lopetegui wollte die Äußerungen von Isco nicht kommentieren.

Bei Argentinien zog Javier Mascherano mit seinem 142. Länderspiel-Einsatz mit Rekordspieler Javier Zanetti gleich. Für die in der WM-Qualifikation alles andere als überzeugenden Südamerikaner hätte es besser laufen können, hätte Gonzalo Higuain bei einer Riesenchance nach wenigen Minuten ins Tor getroffen. So rannten sie in die höchste Niederlage seit April 2009, als die Nationalelf in Boliviens Höhenlage ebenfalls 1:6 unterging. (APA)