Zivilisten protestieren gegen Taliban-Gewalt in Südafghanistan

Kabul (APA/dpa) - Hunderte Zivilisten protestieren in der südafghanischen Provinz Helmand gegen die Gewalt der radikalislamischen Taliban. R...

Kabul (APA/dpa) - Hunderte Zivilisten protestieren in der südafghanischen Provinz Helmand gegen die Gewalt der radikalislamischen Taliban. Rund 600 Menschen seien am Mittwoch zu den Kundgebungen in der Provinzhauptstadt Lashkargah gekommen, sagten Teilnehmer. Helmand ist eine Hochburg der Taliban, in der es fast täglich Gefechte zwischen den Islamisten und der afghanischen Regierung gibt.

Anlass der Proteste war ein Bombenanschlag vor dem Sportstadion in Lashkargah am Freitag, bei dem 20 Menschen getötet und 55 verletzt wurden. Ziviler Widerstand gegen die Taliban ist selten.

Sogar Frauen demonstrieren, wie die Provinzrätlerin Rasia Baluch bestätigte. In der konservativen Provinz gilt es als unschicklich für Frauen, öffentlich ihr Gesicht zu zeigen. „Wir können den Schmerz nicht mehr ertragen“, sagte die Teilnehmerin Husnia Ehsas der Deutschen Presse-Agentur. „Wir verlangten sowohl von den Taliban als auch von der Regierung, keine Zivilisten mehr zu töten.“

Für Donnerstag hat der Chef des Provinzrats, Karim Atal, auch eine Protestfahrt von Lashkargah in den Bezirk Musa Kala geplant, ein Zentrum der Taliban-Schattenregierung. Am Mittwochabend war noch nicht klar, ob der Protest wirklich stattfindet. Provinzratsmitglied Mirsahussain Alisada sagte, man habe Stammesältere in Musa Kala darum gebeten, die Taliban davon zu überzeugen, die Demonstranten nicht anzugreifen. Man wisse aber noch nicht, ob das erfolgreich war.

Die Taliban ließen verlauten, die Demonstranten sollten nicht nach Musa Kala kommen, sondern vor den Militärstützpunkten der USA protestieren. Die USA hätten den Taliban diesen Krieg aufgezwungen.