Bovary mal fünf: Anna Bergmann zeigt Flaubert-Roman an der Josefstadt

Wien (APA) - Mit einer verfünffachten Titelfigur wartet Anna Bergmann in ihrer Dramatisierung des berühmten Romans „Madame Bovary“ von Gusta...

Wien (APA) - Mit einer verfünffachten Titelfigur wartet Anna Bergmann in ihrer Dramatisierung des berühmten Romans „Madame Bovary“ von Gustave Flaubert auf, die am 12. April im Theater in der Josefstadt Premiere hat. Neben einer von Maria Köstlinger gespielten Zentralfigur sollen vier Darstellerinnen (Bea Brocks, Therese Lohner, Silvia Meisterle und Ulli Fessl) Facetten ihrer Persönlichkeit personifizieren.

Viele Stimmen und Stimmungen sind in Bovary gleichzeitig präsent. „In ihrem Kopf ist so viel los, dass das für einen Menschen alleine eigentlich gar nicht tragbar ist: die Langeweile, die Angst, die Lustlosigkeit, die Sehnsucht nach Liebe, nach Aufmerksamkeit. Das stürzt sie immer mehr in Depressionen, in manisches Verhalten, in Kaufräusche, in Liebesbeziehungen. Das finde ich unglaublich aktuell“, schildert Bergmann im APA-Gespräch ihre Sicht auf die unglückliche Landarztgattin Emma Bovary, die bei Erscheinen des Romans 1856 ihren Erfinder wegen vermeintlichen „Verstoßes gegen die guten Sitten“ und „Verherrlichung des Ehebruches“ in Schwierigkeiten brachte.

Wie schon Strindbergs „Fräulein Julie“, das sie 2015 in einer eigenwilligen Neudeutung im Theater in der Josefstadt auf die Bühne brachte, sieht Bergmann auch Bovary als Borderlinerin. „Es sind Menschen, die nicht in der Lage sind, Nähe zu einem anderen zu entwickeln; die sich selber nur über einen Schmerz spüren können, über eine permanente Verletzung; bei denen in Momenten des Verlassen-Werdens extreme Emotionalität und Verzweiflung entsteht; die sich in einen Wahn steigern. Tatsächlich trägt Frau Bovary alle diese Züge.“

In ihrer gemeinsam mit Marcel Luxinger erstellten Bühnenfassung soll zunächst Flauberts Sprache breiten Raum bekommen. „Ich möchte, dass im ganzen ersten Teil nur Christian Nickel (der Emmas ersten Liebhaber Rodolphe Boulanger spielt, Anm.) diese Texte spricht und spielt, und auf der Bühne passieren verschiedene konterkarierende Handlungen. Das soll dem Zuschauer ermöglichen, einmal einzutauchen in diese marode Welt der Bovary. Der zweite Teil soll dann fast humoristisch-komisch, ja absurd wirken. Der dritte Teil ist der großer Liebesteil mit Rodolphe, wo jede Emma eine andere Art von Interaktion mit ihm hat und man gar nicht weiß, wo man zuerst hingucken soll. Im vierten Teil ist unsere Haupt-Emma dann alleine in der Einsamkeit des Hier und Jetzt. Das ist ziemlich hart.“

Ausgehend von der Vergangenheit soll ihre „Madame Bovary“ auch davon erzählen, „was bestimmte Konflikte und Konstellationen in der Jetztzeit bedeuten. Da merkt man, wie aktuell das ist.“ Den Kampf um Gleichberechtigung wird die 1978 in Sachsen-Anhalt geborene Regisseurin, die ihre Ausbildung an der renommierten Berliner Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ absolvierte, ab der kommenden Saison als Schauspieldirektorin am Staatstheater Karlsruhe mitgestalten können. Bergmann hat sich eine klare Positionierung vorgenommen: ein ausschließlich weibliches Leitungsteam mit flachen Hierarchien und eine feministisch orientierte Spielzeit: „Frauenthemen, Stücke aus Frauenperspektive, und das Ganze ausschließlich von Frauen inszeniert.“

Alia Luque wird bei ihr ebenso inszenieren wie Lily Sykes, Lilja Rupprecht oder Suse Wächter. Slava Daubnerova wird Elfriede Jelineks „Königsweg“ auf die Bühne bringen, und Bergmann selbst wird aus den drei Frauenstücken „Nora“, „Hedda Gabler“ und „Die Frau vom Meer“ „einen großen Ibsen-Abend machen, um über die gesellschaftliche Veränderungen von den 1950er-Jahren bis in die Jetztzeit zu erzählen“.

(S E R V I C E - Gustave Flaubert: „Madame Bovary“, Bühnenfassung von Anna Bergmann und Marcel Luxinger, Regie: Anna Bergmann, Bühnenbild: Katharina Faltner, Kostüme: Lane Schäfer, Musik: Heiko Schnurpel. Mit Maria Köstlinger, Bea Brocks, Therese Lohner, Silvia Meisterle, Ulli Fessl - Emma Bovary, Roman Schmelzer - Charles Bovary, Christian Nickel - Rodolphe Boulanger, Siegfried Walther - Monsieur Homais, Monsieur Lheureux, Meo Wulf - Léon Dupuis, Suse Wächter - Berthe Bovary (Eine Puppe). Theater in der Josefstadt, Premiere: 12. April, 19.30 Uhr, Nächste Vorstellungen: 13., 17., 18., 21., 22. und 30. April sowie am 1., 5., 6., 14. und 15. Mai. Karten: 01 / 42700-300, www.josefstadt.org)