TT-Tourentipp

Im Königreich des Ortler

Trittsicherheit und Schwindelfreiheit ist erforderlich bei der Gratbegehung von der Fürkelescharte zur Zufallspitze.
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Von der Zufallhütte ging’s auf die Zufallspitze (3757 m) und den Monte Cevedale (3769 m). Ein Hochtourenklassiker im Südtiroler Martelltal, der nicht unterschätzt werden darf.

Martell — „Wenn Sie das Besondere suchen, sind Sie bei uns richtig." Diese Worte liest man auf der Internetseite der Zufallhütte im Martelltal. Und diese Zeilen können wir nur bestätigen: Das Martelltal ist ein Fleckchen Erde, das man gesehen haben muss. Vor allem als Skitourengeher, wenn man gierig nach Dreitausendern ist und die bezaubernde Bergwelt der Ortlergruppe hautnah miterleben will. Es war also wieder einmal an der Zeit, das „heilige" Land Tirol zu verlassen und in den Süden zu fahren.

Nicht etwa zum Gardasee, an dem langsam, aber doch wieder mehr Tiroler als Italiener anzutreffen sind. Sondern eben ins Martelltal, einem Seitental des Vinschgaus, um dort ein paar lässige Skitouren zu gehen. Mit Stützpunkt auf der Zufallhütte, bei Hüttenwirt Ulrich Müller.

Zuvor muss man allerdings den Fürkeleferner passieren.
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Im Vinschgau ist es zwar bereits ziemlich frühlingshaft. Nur 22 Kilometer weiter, im hinteren Martelltal, herrscht aber noch tiefster Winter. Unglaublich. Die Entscheidung, die zweieinhalb Stunden Anreise (wir sind über den Reschenpass angereist) in Kauf genommen zu haben, war die richtige. Ganz hinten im Martelltal starten wir los. Für Tourengeher der Zufallhütte gibt es sogar einen eigenen Parkplatz, ganz oben neben der Materialseilbahn. Die Rucksäcke sind gepackt, Steigeisen und die nötige Gletscherausrüstung sind dabei.

So kommt man hin: Tag 1: Den ersten Tag nehmen wir gemütlich und steigen nur rund 230 Höhenmeter hinauf bis zur Zufallhütte (2265 m). Auch ob des Wetters. Es schneit nämlich. Auf der Hütte angekommen, werden wir freundlich mit einem „Schnapsl" begrüßt und beziehen unser Zweibettzimmer. Die Planung für morgen kann beginnen. Das Wetter soll strahlend sonnig sein. Und so ist es auch.

Am Cevedale steht nur ein schlichtes Holzkreuz.
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Doch wohin werden wir bei dieser großen Anzahl an Tourenmöglichkeiten hinwollen? Wir entschließen uns gleich für die „Königstour". Diese führt von der Hütte über den Fürkeleferner hinauf zur Fürkelescharte, von dort über den Grat zu Fuß hinauf zur Zufallspitze. Weiter hinüber zum Cevedale, von dort in Richtung Casati-Hütte und über den Zufallferner retour bis zur Zufallhütte.

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Eine schöne sowie lange und nicht zu unterschätzende Runde in hochalpinem Gelände. Außerdem führt die Tour über zwei große Gletscher, bei der auf Gletscherausrüstung nicht vergessen werden darf.

Tag 2: Um 8 Uhr geht's los. Es herrscht reges Treiben vor der Hütte und wir sind nicht die Einzigen, die in Richtung Zufallspitze aufbrechen. Von unserem Stützpunkt aus führt die Spur in südwestlicher Richtung, zuerst steil, später flach und wieder steil hinauf zur Martellerhütte (2610 Meter), die wir allerdings links liegen lassen.

Immer mit Blick auf unser erstes Ziel, die Zufallspitze, erreichen wir den Beginn des Gletschers. Diesem folgen wir bis hinauf zur Fürkelescharte. Nun müssen wir zu Fuß weiter. Die Skier am Rucksack, stapfen wir den Grat entlang. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind für diese gut 45-minütige Gratwanderung absolute Voraussetzung.

Geschafft. Die Zufallspitze, deren eisernes Metallkreuz kaum sichtbar am Gipfel thront, können wir abhaken. Es geht weiter zum Cevedale, der um ein paar Meter höher ist und einen Steinwurf von der Zufallspitze entfernt liegt.

Wir rutschen südlich der Zufallspitze in eine kleine Senke ab und steigen von dort aus in rund 20 Minuten über den Grat (oft rutschig) mit Skiern zum Holzkreuz des Monte Cevedale auf.

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Den Track für die Tour finden Sie unter www.tt.com oder direkt unter http://Bit.ly/2GmsNsA.

Leider sind zwischenzeitlich ein paar Nebelfetzen aufgezogen und das grandiose Panorama auf König Ortler und Co. bleibt uns auf über 3700 Metern verwehrt. Aber damit muss man in dieser Höhenlage schon mal rechnen. Gott sei Dank konnten wir von der benachbarten Zufallspitze aus den atemberaubenden Rund- und Tiefblick genießen.

Es geht zurück ins Tal. Und zwar über den Zufallferner. Wir fahren die ersten Meter den Spuren nach, die vom Cevedale hinunter zur Casati-Hütte führen. Noch vor der Casati-Hütte (3269 Meter) zweigen wir nach rechts ab und genießen — wenn auch mit Vorsicht (Spalten) — die lange Gletscherfahrt bis in Richtung Martellerhütte. Wie im Aufstieg geht's von dieser Hütte retour bis zu unserem Ausgangspunkt, der Zufallhütte.

Bis zum Abendessen, welches um 18.30 Uhr serviert wird, bleibt noch Zeit. Während ein Großteil der anderen Tourengeher längst in geselliger Runde bei einem Bier, Apfelstrudel und Cappuccino den Tag Revue passieren lässt, schnappen wir uns ein Badetuch und genießen im Nachbarhüttl ein paar Saunagänge. Herrlich nach so einer Skitour, vor allem mit Zufallspitze und Cevedale im Rucksack. Das tut richtig gut. Auch dies macht die Zufallhütte so besonders. Eine Sauna auf über 2200 Metern, umgeben von unzähligen Dreitausendern. Wo hat man das schon?

Langsam, aber doch bekommen auch wir Hunger. Kein Wunder nach so einer Tour. Das Gläschen Wein zum 4-gängigen Menü darf ebenso wenig fehlen wie ein netter „Hoagascht" mit Hüttenwirt Uli. Allzu lange hält uns das Hüttenleben aber nicht, denn wir sind müde und legen uns ins Bett. Immerhin wollen wir am nächsten Morgen wieder früh raus. Denn bevor es nach diesem Kurz-Skitouren-Trip wieder nach Hause geht, steht am nächsten Tag ein neues Gipfelabenteuer am Programm. An Touren mangelt es definitiv nicht.

Noch ist es für einen Besuch der Zufallhütte und der rundum liegenden Gipfel lange nicht zu spät. Hüttenwirt Uli Müller und sein Team haben noch bis mindestens 1. Mai geöffnet. (flex)

Die Zufallhütte wartet sogar mit Sauna auf.
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