EZB-Notenbanker sieht Zeit allmählich reif für Kurswende
Amsterdam (APA/Reuters) - Die Europäische Zentralbank kann aus Sicht des niederländischen Notenbankchefs Klaas Knot allmählich auf eine weni...
Amsterdam (APA/Reuters) - Die Europäische Zentralbank kann aus Sicht des niederländischen Notenbankchefs Klaas Knot allmählich auf eine weniger expansive Geldpolitik umschwenken. Ein breit gestützter Aufschwung im Währungsraum und eine nachhaltige Kursänderung bei der Inflation verschafften den Währungshütern dazu den Spielraum, sagte Knot in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview der Nachrichtenagentur Reuters.
Ansonsten laufe die Notenbank Gefahr, die geldpolitische Normalisierung zu langsam anzugehen. „Die Wahrscheinlichkeit, dass wir uns irren und zu vorsichtig sind, ist etwas höher als dass wir zu forsch sind“, sagte das EZB-Ratsmitglied. Er könne mit dem, was an den Finanzmärkten hinsichtlich der nächsten geldpolitischen Schritte erwartet werde, recht gut leben. Da gebe es einiges an Übereinstimmung. „Das ist kein Anlass für eine hitzige Debatte.“
Finanzmarktakteure gehen aktuell davon aus, dass die EZB ihre mindestens bis Ende September und auf 2,55 Billionen Euro angelegten Anleihenkäufe dieses Jahr beendet. Dabei wird häufig noch eine kurze Auslaufphase im vierten Quartal erwartet. Mit einem ersten Zinsschritt wird frühestens im zweiten Quartal 2019 gerechnet. Auch andere Ratsmitglieder hatten zuletzt signalisiert, dass dies so kommen könnte. Die Euro-Wächter erwerben bereits seit drei Jahren in großem Stil Staatsanleihen und andere Titel, um Banken zur stärkeren Kreditvergabe anzuregen. Die Leitzinsen liegen schon seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent.
Das Kaufprogramm soll nach dem Fahrplan der EZB erst dann enden, wenn die Notenbank eine nachhaltige Aufwärtsbewegung der Inflation in Richtung ihres mittelfristigen Ziels von knapp unter zwei Prozent erkennt. „Ich denke wir kommen dem relativ nahe“, sagte Knot. Noch bestehende Abweichungen seien begrenzt. Die EZB-Volkswirte erwarten derzeit für das Jahr 2020 eine Inflationsrate von 1,7 Prozent.
„Wenn man sich die Wachstumsaussichten der Eurozone anschaut, dann geht es nicht besser“, sagte der Notenbanker. Der jüngste Kursanstieg des Euro bereite ihm keine großen Sorgen. Knot zufolge wird die Normalisierung der Geldpolitik allerdings langsam und graduell erfolgen. Das liege auch an einem nach wie vor hohen Verschuldungsniveau in der Wirtschaft. „Das bedeutet auch, dass die Zinsen noch für einen ganz erheblichen Zeitraum konjunkturstützend bleiben werden.“