Bürgermeister von Libyens Hauptstadt Tripolis in Polizeigewahrsam
Tripolis (APA/AFP) - Der Bürgermeister der libyschen Hauptstadt Tripolis ist nach Angaben der Justiz in Polizeigewahrsam genommen worden. Na...
Tripolis (APA/AFP) - Der Bürgermeister der libyschen Hauptstadt Tripolis ist nach Angaben der Justiz in Polizeigewahrsam genommen worden. Nachdem der Stadtrat mitgeteilt hatte, Bürgermeister Abdulrauf Hassan Beitelmal sei von unbekannten Bewaffneten „entführt“ worden, sagte ein Vertreter der Staatsanwaltschaft am Donnerstagabend, Beitemal werde von der Polizei verhört. Einen Grund nannte er nicht.
Beitemal werde unter der Aufsicht der Generalstaatsanwaltschaft verhört, sagte Seddik al-Sur, Leiter des Ermittlungsbüros der Behörde. Der Bürgermeister könne „jederzeit“ wieder auf freien Fuß kommen. Sur machte keine Angaben zu den Anschuldigungen oder zu den Umständen der Festnahme. Aus Sicherheitskreisen in Tripolis verlautete, Beitemal sei wegen einer Korruptionsaffäre „festgenommen“ worden.
Der Stadtrat hatte zuvor mitgeteilt, der Bürgermeister sei entführt worden. Die Kidnapper seien am Mittwochabend in sein Haus eingedrungen und hätten ihn „mit Waffengewalt“ verschleppt. Die Täter seien nicht bekannt und hätten zunächst keine Forderungen gestellt. Der Stadtrat forderte Libyens international anerkannte Regierung auf, sich „unverzüglich“ für Beitelmals Freilassung einzusetzen.
Später veröffentlichte der Stadtrat eine weitere Erklärung, in der er einen „Versuch“ anprangerte, „die Entführung zu vertuschen und die Öffentlichkeit zu täuschen“. Der Bürgermeister und zwei seiner Kinder seien während der „Entführung“ körperlich angegriffen worden. Ein Mitglied des Stadtrats sagte, der Bürgermeister habe keine Vorladung zu einem Verhör erhalten.
Die UN-Mission in Libyen „verurteilte die Entführung“ und warnte vor weiteren derartigen Fällen. Sie rief alle Akteure in dem Land auf, diese „beunruhigende Tendenz (zu Entführungen) in Tripolis und anderswo in Libyen klar zu verurteilen“.
Auch der britische Botschafter in Libyen, Frank Baker, sprach von einer Entführung. Er zeigte sich „sehr beunruhigt“. Das „organisierte Verbrechen“ sei eine große Bedrohung für die libysche Bevölkerung.
Seit dem Sturz von Libyens langjährigem Machthaber Muammar al-Gaddafi im Herbst 2011 herrscht Chaos in dem nordafrikanischen Land. Die international anerkannte Regierung in Tripolis übt über weite Teile Libyens keine Kontrolle aus. In zahlreichen Gebieten haben bewaffnete Milizen das Sagen.
In der Hauptstadt Tripolis hatte sich die Sicherheitslage seit vergangenem Sommer verbessert. Damals hatten Regierungstruppen mit verbündeten Milizen ihre Rivalen aus der Stadt vertrieben. Entführungen sind aber nach wie vor häufig.