“s'Kastl“ Innsbruck: Kleiner Laden für Leute ohne Laden
Seit rund einem Jahr gibt es das „’s Kastl“ in der Innsbrucker Altstadt. Dort können kreative Menschen Fächer mieten und ihre Produkte präsentieren.
Von Markus Stegmayr
Innsbruck –Das Konzept ist einfach. Kunsthandwerker, Produzenten von Schmankerln, Kleidung und Co. mieten ein „Kastl“ und bieten ihre Produkte dort an. Gleich beim Betreten des Ladens fällt einem auf, dass es hier ein Sammelsurium von unterschiedlichsten Produkte gibt. Während man im vorderen Bereich tendenziell eher Kunsthandwerk wie Keramik oder auch das Tiroler „Ei-Pad“ findet, ein origineller Halter für das Frühstücksei aus Holz, begegnet man weiter hinter im Laden allerlei Kulinarischem und Hochprozentigem. Auch das In-Getränk Gin fehlt nicht.
Der Laden läuft. Von den über 300 Fächern sind derzeit mehr als zwei Drittel ausgebucht. „75 Prozent haben derzeit ein Fach, ein Drittel sogar mehr als ein Fach“, verrät die Inhaberin des etwas anderen Ladens, Bernadette Fritsch. Davon seien etwa ein Drittel Kurzmieter und zwei Drittel langfristige Mieter.
Zielgruppe sind Menschen, die sich keinen Laden leisten können oder leisten wollen. „Auch Leute, die Ware dauerhaft und nicht nur temporär auf einem Markt präsentieren möchten, sind bei uns richtig“, fügt sie hinzu. Es seien jedenfalls viele, die es „einfach mal ausprobieren wollen“. Verständlich, denn bei einem Mietpreis von 10 Euro die Woche hält sich der finanzielle Aufwand für die mindestens fünfwöchige Mietdauer in Grenzen. Für diese Summe bekommen die Fachmieter nicht nur ein Fach, sondern auch einen Auftritt auf der Homepage. Um das Foto kümmert sich das „’s Kastl“, den Text kann der Mieter beitragen.
Circa 40 Prozent der Fachmieter sind aus Tirol, die sonstigen aus den anderen Bundesländern, etwa zehn bis 15 Prozent aus Deutschland. Die Mieter sind zufrieden. Nicht jedes Produkt funktioniert aber im Kontext des Ladens. „Es gibt einfach Produkte, bei denen der Produzent selbst am Markt stehen muss“, weiß Fritsch. Eben mit diesem „Marktstehen“ hat die Näherin Fritsch selbst abgeschlossen. In den letzten vier Jahren war sie viel auf Märkten unterwegs. „Im Jahr 2016 waren es 19 bis 20 Märkte im Jahr“, konkretisiert sie. Zu viel für die Näh-Autodidaktin, die nebenbei auch noch ihrer Mutterrolle nachkommen wollte. Ins Rollen kam dann alles, als sie sich mit ihren Stoffen im September 2016 in dem Vorgängerladen „Blickfang“ einmietete und die damalige Besitzerin Birgit Kopp einen Monat später verkündete, dass sie den Laden mit März 2017 auflassen wolle. „Da kam eine alte Idee wieder hoch“, sagt Fritsch. Im März 2017 war der Laden „’s Kastl“ dann Realität.
Den Standort bezeichnet die Ladeninhaberin als optimal. „Ich bin froh, dass ich in der Riesengasse bin. In der Hofgasse würde ich womöglich zu wenig auffallen“, meint sie. „Leute, die in die Seitengasse gehen, sind ohnehin eher richtig bei mir“, sagt sie schmunzelnd. Denn das „typische“ Souvenir, das vor allem Italiener oder Franzosen suchen, findet sich in dem Laden, der Wert auf Regionalität und Qualität legt, eher nicht. Es gebe aber auch andere Touristen, meint Fritsch. Amerikaner, Engländer und Deutsche beschreibt sie als durchaus aufgeschlossen den Produkten im Geschäft gegenüber. „Wir haben Hälfte-Hälfte Einheimische und Touristen.“ Viele der Einheimischen seien Stammkunden – und vor allem weiblich. „So ein Geschenkeladen ist aber natürlich hauptsächlich ein Frauengeschäft“, sagt Fritsch und lacht.