In Telfs treten Religionen in einen Dialog
Gemeinsamkeiten entdecken ist eines der Ziele einer neuen muslimisch-christlichen Dialoggruppe.
Von Michael Domanig
Telfs –„Wir wollen zeigen, wo Verbindungslinien zwischen den Religionen bestehen, weniger die Trennpunkte betonen“, sagt Johannes Augustin, einer der Initiatoren der christlich-muslimischen Dialoggruppe „Telfer Aufbruch“, die kürzlich bei einem Gesprächsabend im Telfer Noaflhaus erstmals an die Öffentlichkeit trat.
Die grundsätzliche Idee einer solchen Gruppe bestehe schon länger, berichtet Augustin. Er ist im Brotberuf Jurist, aber auch studierter Theologe – „und interreligiöser Dialog ist eine meiner Leidenschaften“. In Krems hat Augustin dazu sogar ein Masterstudium absolviert.
„Dass die Telfer Gruppe zusammenkam, resultierte dann aus einem spätabendlichen Gespräch am Tresen mit einem türkisch-muslimischen Freund, Ahmet Demirci“, erzählt Augustin lachend. In der Folge habe sich „auf sehr demokratischem Weg“ eine kleine Gruppe gebildet, die sich seit einem halben Jahr monatlich trifft – und vor Ostern nun zu ihrer ersten öffentlichen Veranstaltung einlud.
„Fasten und Feiern im Dialog“ lautete das Motto – schließlich bieten das österliche Fasten und der im Mai beginnende muslimische Fastenmonat Ramadan viele Anknüpfungspunkte. Im Noaflhaus mündeten die Kurzvorträge christlicher und muslimischer Referenten vor über 50 Besuchern in einer angeregten Debatte und einem geselligen Abend am Buffet des Telfer Flüchtlingsheims.
Telfs eigne sich von der religiösen Zusammensetzung her gut für eine solche Dialoggruppe, sagt Augustin: „Man kann das Ganze kulturpessimistisch sehen – oder aber als Potenzial, so wie wir das tun: Es gibt viele Gemeinsamkeiten zu entdecken – und Differenzen zu neuen Gemeinsamkeiten zu entwickeln.“ Und: „Man erfährt so auch mehr über sich selbst. Wer etwa mit Muslimen über das Fasten spricht, lernt zugleich auch mehr über das christliche Fasten.“
Oft sei es bei derartigen Veranstaltungen so, dass die „Leitreligion“ die „Minderheitsreligion“ einlädt, „bei uns soll das nicht so sein“. Vielmehr habe sich eine paritätisch besetzte Gruppe gebildet – gleich viele Muslime und Christen, annähernd gleich viele Frauen und Männer –, die den Inhalt der Veranstaltungen festlegt.
Die Dialoggruppe sei jederzeit offen für weitere Teilnehmer, betont Augustin (zu erreichen unter: Johannes.Augustin@ra-awz.at): „Unser Wunsch wäre, dass dieses Projekt in ganz viele Hände übergeht.“