Zwei Tiroler schupfen den Wien-Marathon
In gut drei Wochen findet in Wien der Marathon, die größte Veranstaltung Österreichs, statt. Zum geregelten Ablauf tragen dort mit Chef Wolfgang Konrad und Gerhard Wehr zwei Tiroler bei.
Von Josef Metzger
Wien – Der Vienna City Marathon am 22. April ist nicht nur eines der größten Events des Jahres in der Bundeshauptstadt, sondern auch die mit Abstand größte Laufveranstaltung Österreichs: Waren es bei der Premiere (1984) noch knapp 800 Starter (25 Frauen), so sind es mittlerweile etwa 40.000 Teilnehmer (ca. 12.000 Frauen). Und wer schupft den Marathon, der heuer mit dem Kenianer Dennis Kimetto den Weltrekordler präsentiert? Zwei Tiroler!
Der Landecker Wolfgang Konrad (59), Weltklasse-Hindernisläufer im Ruhestand, hat sich als Top-Veranstalter längst einen Namen gemacht. Der Kufsteiner Gerhard Wehr (49) hingegen spielt im Hintergrund als rechte Logistik-Hand und Organisationsleiter die zweite Geige – aber erstklassig. Seit 17 Jahren sind die beiden ein eingespieltes Duo, das durch dick und dünn geht und heuer auch bei der Straßenrad-Weltmeisterschaft in Innsbruck in Sachen Streckenführung wichtige Rollen bekleidet.
Kurios, wie Konrad und Wehr, der Triathlet und der Hobbyläufer, zueinander gefunden hatten. Nein, nicht etwa beim Laufen, ganz im Gegenteil – in einem Reisebüro! „Ich habe dort was erledigen müssen“, erinnert sich Konrad an die schicksalhafte Begegnung, bei der ihm Wehr verriet, dass er die Branche wechseln wolle. „Da habe ich ihm spontan gesagt: ,Na, dann komm doch zu mir!’“ Gesagt, getan. Ein Hauch von Qualtinger und Herr Karl schwingt da mit: „Ja, wenn mich das Reisebüro nicht vermittelt hätt’ ...
Wehr ließ sich nicht zweimal bitten, um Profession und Passion zu verbinden. Er weiß dank seiner Erfahrungen als Teilnehmer in New York, London, Rom, Berlin, Zürich, Athen über Wien, Graz, Linz, Wachau und Kufstein, wie Marathonläufer ticken. Er weiß aber auch, wie gut die Organisation mit allem, was ein Übermaß an Bürokratie mit sich bringt, vernetzt sein muss. Und wie wichtig es auch ist, einen Plan B zu besitzen, wenn Wind und Wetter, aber auch Straßensperren (etwa wegen eines Wasserrohrbruchs) dazu zwingen, die Streckenführung so zu ändern, dass sich an der Marathondistanz von 42,195 km nichts ändert. Verbunden mit Ab- und Aufbau von Gittern, die die Straßen säumen. Insgesamt sind’s etwa 17 km. Und die fallen natürlich auch ins Gewicht.
Ob Normalfall oder höhere Gewalt, die Lösungen verlangen Tempo – eine entscheidende Komponente ist dabei das Teamwork mit den mehr als 400 Polizisten und den am Marathon- bzw. Lauf-Weekend mitunter bis zu 3000 Mitarbeitern. Da auch für freiwillige Helfer einschlägige Erfahrung vonnöten ist, rekrutiert Wehr das Gros der „Volunteers“ aus Vereinen, die sich auskennen. Devise: Learning by doing. Oder: aus Fehlern lernen, um sie zu vermeiden. Dazu passt die Bachelorarbeit des dreifachen Familienvaters mit dem Titel: „Der strategische Einsatz von Krisenkommunikation beim Vienna City Marathon“.
„Du kannst noch so gut sein“, so Wehr, „aber du wirst immer nur daran gemessen, was nicht funktioniert.“ Frustrierend für den Logistik-Boss? Mitnichten: „Es ist unglaublich spannend. Und für mich der absolute Traumjob!“